Österreich und Europa, wie hammas?

Die Ausgangslage

Irgendetwas ist in den letzten Jahren passiert: Unsere Wirtschaft ist zusammengebrochen, um Europa herum haben sich bewaffnete Konflikte, egal ob Kriege zwischen Ländern oder Bürgerkriege, wieder gehäuft, und auch innerhalb Europas wurden Grenzen verschoben, in der Ukraine herrscht zur Zeit nicht unbedingt etwas, das man als Frieden bezeichnen könnte.

Die Europäische Union hat in letzter Zeit in wirtschaftlicher Hinsicht nicht unbedingt besonders große Solidarität gezeigt, und auch in dem, was gemeinhin als Flüchtlingskrise oder -welle bezeichnet wird, hat sich in den letzten Wochen und Monaten gezeigt, welch Gesicht diese Europäische Union leider in Wahrheit noch hat: Solange alles ok ist und solange die meisten von ihr profitieren, ist alles leiwand. Sobald es aber darum geht, einander und anderen zu helfen, auch unter dem Verzicht auf eigene Privilegien, da ist es dann ganz schnell wieder vorbei mit den europäischen Ideen. Die Hand streckt man gerne aus, solange etwas in diese hineingelegt wird, wenn man aber eventuell etwas hergeben muss, zieht man die Hand schnell wieder hinter den eigenen Zaun zurück.

Ungarn und Polen haben sich in dieser Hinsicht hervorgetan, ihre Regierungen, teilweise neu, teilweise gefühlt schon ur alt, haben es geschafft, antidemokratische Strukturen zu schaffen und sind nicht mehr weit davon entfernt, sich von der Demokratie zu verabschieden. Dass sich beide genau null dafür interessieren, Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufzunehmen, ist dabei eigentlich fast schon eine Nebennotiz geworden.

Und das obwohl Ungarn als erstes europäisches Land etwas gemacht hat, was eigentlich undenkbar war, nämlich die Grenzen zu schließen. Aber wie wir gesehen haben, folgten viele Länder diesem Vorbild, wir haben im Schengenraum auf einmal überraschend viele Gelegenheiten, um als europäische StaatsbürgerInnen unseren Pass vorzuweisen.

Auch Österreich hat sich gedacht, dass das eigentlich eine super Lösung ist, so eine Grenze, so ein Zaun. Wies halt in Österreich so ist, wurde natürlich kein Zaun gebaut, sondern irgendwas mit Türln, oder wie auch immer.

Mit dem neuen Jahr hat Österreich aber zum Überholmanöver angesetzt und hat die Lösung aller Lösungen für die Frage, was man mit den vielen Flüchtlingen in Europa anstellen soll, gefunden: Wir führen Obergrenzen ein. Oder Richtlinien. Oder ähnliches. 37500 dürfen dieses Jahr nach Österreich, bis 2019 127500. Dass diese Richtlinie oder Obergrenze gegen internationales Recht verstößt, dass diese Obergrenze realistischerweise nur mit einer enorm hohen Präsenz an Sicherheitskräften an den Grenzen zu sichern ist (wenn überhaupt), das ist den Verantwortlichen egal. Denn ihnen schwimmen die Fälle davon, in Richtung FPÖ, die die Stimmung, die sie selbst mit aufgeheizt haben, leider verdammt gut zu nutzen weiß. Mit frei Erfundenem, aber auch mit dem Ausspielen von Vorhandenem. Österreich befindet sich, so scheint es, in Geiselhaft.

Außenminister Kurz rennt durch Europa und sagt, dass Österreich sich verteidigen müsse. Weil Österreich das alles selbst nicht schafft, weil es nicht sein kann, dass 3 Länder (Österreich, Deutschland und Schweden) die Last allein aufteilt. Und es gibt in nämlichen Ländern, vor allem in Deutschland, viele, die ihm zustimmen und die Lösung mit den Obergrenzen begrüßen und nachahmenswert finden. Aber wir kennen bereits, was üblicherweise passiert, wenn zuerst die Wirtschaft einbricht, sich dann die Stimmung auflädt und dann Deutschland auf Österreich hört, oder?

2015, im Sommer und danach

Versuchen wir, die Situation sachlich zu betrachten: Im letzten Jahr sind ca. 90000 Flüchtlinge nach Österreich gekommen. Rein rechnerisch gesehen teilen sich ca. 89 ÖsterreicherInnen einen Flüchtling. Die Regierung sagt zwar, dass sie letztes Jahr Großes geleistet hat, aber es waren Tausende Freiwillige, die die Leute, die teilweise sehr lange Wege hinter sich hatten, vor Schlimmeren zu bewahren. Die Regierung, allen voran unser Bundeskanzler, glaubten wohl, dass sich das Problem während ihres Sommerurlaubs in Luft auflösen wird, aber die Welt ist halt gemein, und so wurde es nach monatelangem Stillstand so etwas ähnliches wie Hilfe organisiert, von offizieller Seite.

Es wurde Christian Konrad als Koordinator für Flüchtlingsunterkünfte bestellt, eine Wahl, die ich zunächst kritisiert habe. Aber etwas Interessantes ist passiert: Während die Regierung und zunächst vor allem die ÖVP, quasi die Heimatpartei von Konrad, stets betonte,dass sich das alles nicht ausgeht, dass Österreich nicht genug Ressourcen hat, dass Österreich das nicht allein stemmen kann, meint Konrad: Es geht sich aus. Wenn man will. Und da der Herr seine Karriere auch einem relativ nüchternen Zugang zu Zahlen verdankt und auch nicht dazu neigt, dass Rosane vom Baum herunterzuversprechen, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er Recht hat. Denn Ressourcen sind nicht das Problem, zumindest nicht der Mangel ebenjener, darauf kommen wir noch zu sprechen.

Jedenfalls war der Sommer kein Ruhmesblatt und man kann eigentlich nur von Glück sprechen, dass der Winter sich dieses Jahr ordentlich Zeit gelassen hat. Vor allem wenn man an die Bilder vom ersten Kälteeinbruch im Herbst zurückdenkt, mit Tausenden Leuten, die entlang ostösterreichischer Autobahnen zu Fuss unterwegs sind. Das soll aber nicht heißen, dass die Versorgung dieser Menschen derzeit gut funktioniert, der Grund dafür sind allerdings wiederum nicht der Mangel an Ressourcen, sondern der Mangel an Wille. Man muss Österreichs Attraktivität schließlich senken.

Die Aufhitzung

Anfangs herrschte noch eine gewisse Indifferenz der Flüchtlingswelle gegenüber, viele dachten wohl, ähnlich wie die Regierung, dass es sich hierbei um eine temporäre Situation handelte. Nach einiger Zeit brach aber so etwas ähnliches wie eine Euphorie aus, Freiwillige halfen, holten Leute aus Budapest ab, fuhren an die Grenze, und, und, und. Es gab große Demonstrationen, die die Regierung endlich zum Handeln, zum Helfen aufforderten.

Aber die Stimmung kippte leider sehr schnell, und beständig. Weil Linke zu sehr romantisierten, davon redeten, dass alle kommen sollen, die wollen, dass alles ok ist, wenn man nur will. Und Rechte damit begannen, Ängste zu schüren, und zwar die, die immer geschürt werden. „Sie nehmen euch die Arbeit weg, und euren Wohlstand.“

Seit Köln ist dann noch eine Dimension dazugekommen: „Sie nehmen euch die Frauen weg. Und vergewaltigen sie.“

Verschiedene Kulturen, verschiedene Perspektiven

Meine erste Reaktion auf diese Vorwürfe war Zynismus. Weil ich mir einbilde, dass sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen nicht erst seit der Silvesternacht 2016 in unseren Breitengraden bekannt sind. Aber versuchen wir auch hier eine sachliche Perspektive aufzubauen: Wir haben in Österreich ca. genauso viel Erfahrung mit der Demokratie an sich, wie mit dem Wahlrecht für Frauen, das ist eine gute Sache, auch wenn wir mit der Demokratie an sich jetzt noch nicht wahnsinnig viel Erfahrung haben. Frauen durften sehr lange Zeit nur mit dem Einverständnis ihrer Männer arbeiten, das ist zum Beispiel etwas, das in anderen Ländern früher als Unsinn erkannt wurde.

Auch heute gibt es noch einige Dinge, die zwischen Frauen und Männern nicht gleich sind: Das Einkommen, zum Beispiel. Oder die Anzahl an Frauen in der Spitzenpolitik oder in Spitzenpositionen von Unternehmen. Oder die Frage, wer sich nach der Geburt ums Kind kümmert. Und, und, und, und. Mal davon abgesehen, dass auch sexuelle Belästigung (Pograpsch-Paragraph, anyone?) und Vergewaltigungen natürlich gesellschaftlich verachtet, aber strafrechtlich noch immer eher zurückhandelt bearbeitet werden. Machen wirs kurz: Lehnen wir uns in Sachen Gleichberechtigung nicht weiter aus dem Fenster, als uns gut tut.

Oberflächlich könnte man sagen, dass wir unsere Frauen nicht in komische Gewänder stecken. Aber das tun auch Aufgeklärte aus dem Nahen Osten nicht, und die Mehrzahl der Leute, die nach Europa flüchten, sind nicht so eng mit ihrer Religion verbunden, sie flüchten schließlich vor religiösen Fanatikern. Aber natürlich muss man Probleme und Differenzen ansprechen, man kann nicht so tun, als ob sie nicht vorhanden wären. Und man muss die Probleme, die durch unterschiedliche Weltanschauungen entstehen, lösen, dabei kann und muss man sich durchaus auf humanistische Werte beziehen und diese auch deutlich einfordern. Was das Totschweigen von bekannten Fakten und das Negieren von verschiedenen Positionen bringt hat nicht zuletzt der Umgang mit den Überfällen in Köln gezeigt.

Am Rande gemerkt: Diese Differenzen scheinen kein Problem zu sein, wenn man über genügend Kapital verfügt. Man sollte sich nur anschauen, wie arabische Gäste mir entsprechend Geld vom österreichischen Tourismus hofiert werden, da sind Gleichberechtigung, Respekt und Religon auf einmal nicht so wichtig.

Stichwort Religion: Auch da sollte man sich in Österreich bissl zusammenreissen, allein dass der Kandidat einer der größten Parteien für die Bundespräsidentschaftswahl der Meinung ist, man sollte Gott in die Bundesverfassung aufnehmen, weil schließlich er es ist, dem die Regierung und wir alle Rechenschaft schuldig sind, zeigt schon, dass wir vielleicht auch nicht ganz so sauber zwischen Religion und Gesetzen trennen, wie es uns wahrscheinlich gut tun würde.

Der Umgang mit dieser Situation

Jedenfalls: Es gibt kulturelle Unterschiede. Im Umgang mit Frauen. Im Umgang mit so vielen. Es gibt sprachliche Unterschiede. Da muss man gar nicht drüber diskutieren, diese Unterschiede darf man auch nicht vom Tisch wischen. Aber: Es muss einen vernünftigen Umgang geben, eine vernünftige Diskussion darüber, was gerade passiert. Man muss den Leuten, die zu uns kommen, um wahrscheinlich in großen Zahlen zu bleiben, um hier ihr neues Leben anzufangen, Perspektiven bieten. Aber auch klare Parameter setzen, keine Frage. Deutsch muss gelernt werden. Man muss die Gesetze in Österreich akzeptieren. Man muss aber seine eigene Identität nicht aufgeben, nur, weil man Deutsch lernt, heißt das nicht, dass man seine Muttersprache aufgeben muss, nur, weil man neue Regelwerke akzeptiert, heißt das nicht, dass man jahre- und jahrzehntelange Erfahrung einfach so vergessen soll. Denn fällt jedem schwer, denn wenn man etwas lange macht, und alle um dich herum das selbe machen, dann fällt es dir schwer, zu akzeptieren, wenn dir jemand sagt: Das ist eigentlich nicht ok, und wir machen das hier anders. Und wenn du hier bleiben und dich an unserer Gesellschaft beteiligen möchtest, dann musst das bitte ändern.

Wer kriminell ist, wer sexuell belästigt oder vergewaltigt, wer Straftaten begeht, all diese Personen haben ihr Recht darauf, in Österreich zu leben, verwirkt, das ist klar. Und diesen Leuten wird die Tür gezeigt, und wenn sie nicht freiwillig durch diese Tür gehen, dann muss man sie eben dazu zwingen. Darüber muss man eigentlich nicht diskutieren, und darüber diskutiert auch niemand, der halbwegs bei Sinnen ist.

Jedoch dürfen folgende Dinge nicht passieren: Wir dürfen nicht von wenigen auf viele schließen. Wir dürfen nicht annehmen, dass einige wenige, die missbrauchen, uns glauben lassen, dass alle so sind.

Wir dürfen nicht annehmen, dass alle nur wegen unserer „sozialen Hängematte“ kommen, nur weil es einige wenige tun, die glauben, sich ein leichteres Leben zu schaffen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass auch jemand, der oder die nicht vor Bomben und Mord, aber vielleicht vor dem Verhungern flieht, ein Recht auf ein besseres Leben hat. Und wenn dieses Leben in Österreich gelebt wird, unter den Regeln und Rahmenbedingungen, die unsere Gesellschaft vorgibt, dann ist diese Person willkommen.

Der neue kanadische Premier hat vor Kurzem gesagt, dass jeder und jede ein Kanadier oder eine Kanadierin werden kann, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder dem Grund, wieso er oder sie nach Kanada gekommen ist. Solange man sich an die Regeln Kanadas hält, respektiert, wofür dieses Land steht, solange man Teil der Gesellschaft werden möchte und auch einen Beitrag für diese Gesellschaft leistet, ist man willkommen. Österreich kann, Österreich muss sich Kanada zum Vorbild nehmen, schon allein aus historischen Gründen. Und weil wir moralisch verpflichtet sind, Menschen zu helfen, die in Not sind. Punkt.

(Kanada hat auch eine ausgeglichen und sehr divers besetzte Regierung, und als Begründung dafür wird „Because it’s 2015“ ausgesprochen, da könnte Österreich auch lernen)

Perspektiven und Ängste

Also, was tun? Ein Anfang wäre es, wenn in Österreich und in Europa wieder ein sachliche, nicht von Ängsten und Egoismen getriebene Diskussion zu führen. Wir müssen Lösungen finden, wie wir mit den Leuten umgehen, die da sind, wie wir mit den Leuten umgehen, die kommen werden, und wie wir es schaffen, dass nicht noch mehr Leute ihre Heimatländer verlassen müssen. Das kann Europa, das kann die EU schaffen, wenn man sich zusammensetzt.

Wir müssen aber auch im Alltag weg von dem, was in den letzten Wochen gekippt. Wir haben auf einmal Ärzte, die keine Flüchtlinge behandeln möchte, Freibäder, die keine Menschen mit Migrationshintergrund hineinlassen wollen, immer mehr, die sich Pfeffersprays und Gaspistolen kaufen, und wir haben immer mehr Leute, die glauben, dass eine Bürgerwehr eine gute Idee ist. Das Problem daran ist, dass es nicht mehr nur eine Handvoll von RassistInnen ist, die sich in dieser Richtung äußern, sondern eine steigende Anzahl an an sich normalen BürgerInnen, aber auch PolitikerInnen. Die Stimmen der Unvernunft, die Stimmen, die nichts anderes können, als Angst sähen, weil sie nichts anderes kennen, als Angst, Angst vor dem, was fremd ist, diese Stimmen werden mehr und sie werden lauter. Und ihnen wird immer seltener widersprochen, ganz im Gegenteil, sogar die SPÖ hat mittlerweile scheinbar den Schwenk nach rechts endgültig vollzogen, anders kann man sich das, was im Burgenland, aber auch in der Bundespolitik passiert, eigentlich nicht erklären.

Aber das Fremde wird fremd bleiben, wenn man nicht zulässt, dass man es kennenlernt, dass man sich kennenlernt, dass man herausfindet, welche Gemeinsamkeiten man hat, und auch über die Unterschiede redet. Das hat nichts mit Sozialromantik zu tun, sondern mit einem eigentlich zu tiefst menschlichen Instinkt, nämlich, dass wir nicht allein sein wollen oder können.

Wir müssen weg davon, uns darüber zu unterhalten, ob wir weitere 30000, 50000, 100000 Leute in Österreich und wieviel Millionen wir in Europa aufnehmen und versorgen können. Weil die Leute nicht Leute sind, die an unserer Zitze hängen und hängen wollen, sondern zum Großteil Menschen, die eine Chance auf ein neues Leben suchen, ein Leben, in dem sie Teil einer Gesellschaft sind, dieser Gesellschaft verpflichtet sind, dieser Gesellschaft das zurückgeben, was sie von der Gesellschaft bekommen. So wie das bei uns halt auch so ist, auch unter uns gibt es genug Schmarotzer, aber eben auch genug, die teilen und helfen und vermitteln.

Zu viele lassen sich geradezu verrückt machen von unwahren Populismen, von Arschlöchern, die uns erklären wollen, dass nur Kriminelle kommen, oder dass wir diese Leute nicht versorgen können, dass kein Platz da ist für diese Leute, aber das ist Unsinn. Wenn jemand wie Konrad sagt, dass es sich ausgeht, und wenn man sich ins Bewusstsein ruft, was neulich durch die Nachrichten kursiert ist, nämlich dass die reichsten 62 Leute auf diesem Erdball so viel besitzen, wie die 3,7 Milliarden der Ärmsten, dann sollten wir merken, dass unsere Diskussionen und Sorgen an den eigentlichen Problemen vorbeigehen, und zwar Lichtjahre daran vorbei.

Wenn wir uns mehrheitlich nicht ganz schnell dessen bewusst werden, dass wir uns an einem Abgrund befinden, und dass wir immer näher an diesen Abgrund gedrückt werden, dann werden wir uns womöglich bald nicht mehr die Frage stellen müssen, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen sollen. Weil wir selbst zu welchen werden. Jeden Tag, jedes Gespräch ist ab jetzt entscheidend, wir können nicht mehr länger tatenlos und schweigend zusehen, wie unsere Gesellschaft, unsere Österreichische und unsere Europäische, in der Mitte gespaltet wird. Bitte, lasst uns aufwachen und die Gespräche führen, die wirklich zählen, und die Lösungen finden, die wirklich etwas verändern.

Wenn wir nicht sofort damit anfangen, dem Rassismus, seinen widerlichen Fressen, seinen widerlichen Spielarten, den brutalen, aber vor allem den subtilen, die immer mehr unseren Alltagsdiskurs übernommen haben, entgegenzutreten, dann werden wir bald mit tödlicher Geschwindigkeit gegen eine Mauer dauern. Und hinter dieser Mauer wartet für die wenigen, die sie überwinden werden können, ganz sicher nicht das Paradies.

Nachtrag

Mit meinen Gedanken bzw. Befürchtungen scheine ich nicht allein zu sein.

Kommunikationsgift – Sätze zum Vergessen

Es gibt Sätze, die sind so schlecht und ignorant, dass sie eigentlich nicht das Recht haben, ausgesprochen zu werden. Weil die Person, die diese Sätze ausspricht, zeigt, dass sie ignorant und empathiebefreit ist. Und zwar komplett. Diese Sätze kann man getrost ignorieren, und auch die Personen, die sie sagen, kann man zumindest auf die Liste „Diese Leute sind womöglich doch nicht ganz echt“ setzen.

Das kann ja nicht so schwer sein

Um ein Problem lösen zu können, muss man es erst verstehen. Dieser Satz zeigt, dass man nicht mal genug an einem Problem interessiert ist, um zu begreifen, wie potentiell komplex die Lösung ist.

Ich bin zwar kein Rassist / Sexist / …, aber…


Egal, welcher Begriff in der ersten Klammer steht, alles, was nach dem aber kommt, ist garantiert intellektueller Müll und am besten zu entsorgen.

Die Leute / Kinder werden auch immer blöder / dreister / …

Ohne Rücksicht darauf, dass eine Gruppe, die aus mehr als 1 Person besteht, selten homogen genug sind, um allgemeine Aussagen zu treffen (Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel: „Alle großen Menschen sind groß.“ oder „Alle Rapid-Fans sind Rapid-Fans.“), nimmt man sich selbst aus dieser Gruppe heraus, macht sich zu etwas Besserem und ignoriert potentiell sehr viele Details.

Schickt mir bitte weiteres Kommunikationsgift. Ich mag das.

Offener Brief an Innenministerin Mikl-Leitner

Diese Nachricht habe ich heute an johanna.mikl-leitner@bmi.gv.at weggeschickt. Es würde mich freuen, wenn du dir diesen Text nimmst und ihn ebenso schickst. Je mehr, desto besser.

Sehr geehrte Frau Innenministerin!

Seit Wochen wird uns erklärt, dass wir kein Geld haben, um jene Menschen, die vor dem Krieg aus ihrer Heimat im Nahen Osten flüchten, menschenwürdig zu versorgen. Weil wir kein Geld dafür haben.

Als Panikreaktion auf die furchtbaren Anschläge werden jetzt Sicherheitskräfte in einer Weise aufgerüstet, dass man sie bald nicht mehr von Einsatzkräften des Bundesheers wird unterscheiden können. Dafür ist Geld da.

Sie beweisen damit, dass Sie weder im Stande sind, die Ursachen für den Terror und damit verknüpft die Flüchtlingsbewegung zu verstehen, und dass Sie auch nicht gewillt sind, die tatsächlichen Ursachen zu lösen. Gewalt erzeugt immer Gegengewalt, mit Ihren Handlungen (und jenen Ihrer europäischen Kolleginnen und Kollegen) werden Sie dafür sorgen, dass Europa in Angst vor dem Terror versinkt, alle Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht gestellt und lückenlos überwacht werden. Das hilft nur jenen, die Angst schüren wollen, aber zu dieser Gruppe sind Sie offensichtlich auch zu zählen.

Es sei Ihnen aber bewusst: Ich bin nicht damit einverstanden, dass Sie Geld in einen Überwachungsstaat pumpen, anstatt Menschen, die es akut notwendig haben, zu helfen. Hätten Sie noch einen Funken Menschlichkeit (oder Christlichkeit) in sich, würden Sie verstehen, dass Sie damit die Idee des Humanismus zu Grabe tragen.

Ihr Michael Knoll

Also bitte: Text kopieren, Email an johanna.mikl-leitner@bmi.gv.at schreiben. Nicht zuschauen, sondern handeln. Es liegt jetzt an uns, dass unsere Kinder in einem Europa des Humanismus aufwachsen können, und nicht in einem Scheißdreck voller Angst.

Offener Brief an Politikerinnen und Politiker

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich fordere Sie auf, zu handeln. Während sich in unserem Land immer mehr Menschen sammeln, die Hilfe suchen, und immer mehr Menschen und Organisationen helfen, scheinen Sie in Schockstarre zu hoffen, dass sich diese Krise von alleine lösen wird. Aber Sie müssen jetzt etwas tun, in Österreich, in Europa, Sie müssen gemeinsam mit Ihren nationalen und internationalen Kolleginnen und Kollegen Lösungen finden.

  • Kündigen Sie mit sofortiger Wirkungen den Vertrag mit der ORS GmbH. Allein das, was in Traiskirchen passiert, zeigt, dass dieser Vertrag sowieso schon längst nicht mehr eingehalten wird.
  • Schaffen Sie unverzüglich Strukturen, damit jene, die Hilfe anbieten, diese Hilfe auch tatsächlich leisten können, unbürokratisch und schnell.
  • Setzen Sie das Dubliner Abkommen aus und drängen Sie auf EU-Ebene auf eine neue, tatsächlich funktionierende Lösung.
  • Geben Sie Flüchtlingen wieder die Möglichkeit, in den Botschaften von EU-Ländern um Asyl anzusuchen und erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihren Europäischen Amtskolleginnen und -kollegen Lösungen, um jene, denen Asylstatus gewährt wird, in Sicherheit zu bringen.

Die Stimmung in Österreich und Europa beginnt zu kippen. Auf der einen Seite haben wir jene, die unter großem persönlichen Einsatz helfen, auf der anderen Seite immer mehr, die sich auf nationale und nationalistische Positionen zurückziehen wollen und sich nicht in der Verantwortung sehen, zu helfen.

Die EU darf nicht scheitern. Jeder Tag, an dem nicht mit Nachdruck an europäischen Lösungen gearbeitet wird, verschärft die Krise der EU und bringt uns weg vom Frieden, hin zum Konflikt. Das dürfen Sie nicht zulassen. Wir tun bereits unser Bestes. Sie sind jetzt auch an der Reihe.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Knoll

Die schweigende Mehrheit schweigt nicht mehr

Nehmt diesen offenen Brief, kopiert ihn in euer Emailprogramm, kopiert die Adressen (unten mal ein Anfang) und lasst unsere Volksvertreterinnen und Volksvertreter wissen, dass sie handeln müssen, dass wir nicht länger zuschauen.

Bundesregierung

werner.faymann@bka.gv.at
sonja.stessl@bka.gv.at
bm@bka.gv.at
service@bmwfw.gv.at
sebastian.kurz@bmeia.gv.at
briefkasten@bmask.gv.at
gabriele.heinisch-hosek@bmbf.gv.at
sophie.karmasin@bmfj.gv.at
Hans-Joerg.Schelling@bmf.gv.at
sabine.oberhauser@bmg.gv.at
johanna.mikl-leitner@bmi.gv.at
minister.justiz@bmj.gv.at
gerald.klug@bmlvs.gv.at
buero.rupprechter@lebensministerium.at
harald.mahrer@bmwfw.gv.at

Abgeordnete zum Nationalrat:

nikolaus.alm@parlament.gv.at
werner.amon@parlament.gv.at
konrad.antoni@parlament.gv.at
berivan.aslan@gruene.at
gertrude.aubauer@parlament.gv.at
jakob.auer@parlament.gv.at
walter.bacher@parlament.gv.at
petra.bayr@parlament.gv.at
ruth.becher@parlament.gv.at
dagmar.belakowitsch-jenewein@parlament.gv.at
reinhard.boesch@fpoe.at
dieter.brosz@gruene.at
christiane.brunner@parlament.gv.at
h.buchmayr@aon.at
doris.bures@parlament.gv.at
josef.cap@spoe.at
gernot.darmann@parlament.gv.at
gerhard.deimek@fpoe.at
martina.diesner-wais@parlament.gv.at
waltraud.dietrich@parlament.gv.at
rupert.doppler@parlament.gv.at
claudia.durchschlag@parlament.gv.at
cornelia.ecker@parlament.gv.at
michael.ehmann@parlament.gv.at
rouven.ertlschweiger@parlament.gv.at
franz.essl@parlament.gv.at
klaus-uwe.feichtinger@parlament.gv.at
maria.fekter@parlament.gv.at
angela.fichtinger@parlament.gv.at
marcus.franz@parlament.gv.at
hubert.fuchs@parlament.gv.at
hermann.gahr@parlament.gv.at
wolfgang.gerstl@oevp-wien.at
andrea.gessl-ranftl@aon.at
eva.glawischnig@gruene.at
werner.groiss@parlament.gv.at
elisabeth.grossmann@parlament.gv.at
rainer.hable@parlament.gv.at
heinz-peter.hackl@parlament.gv.at
christian.hafenecker@parlament.gv.at
christoph.hagen@parlament.gv.at
roman.haider@parlament.gv.at
elisabeth.hakel@parlament.gv.at
michael.hammer@parlament.gv.at
mail@andreas-hanger.at
p.haubner@wirtschaftsbund.at
gerald.hauser@parlament.gv.at
johann.hechtl@parlament.gv.at
anton.heinzl@spoe.at
johann.hell@spoe.at
eva-maria.himmelbauer@parlament.gv.at
christian.hoebart@fpoe.at
norbert.hofer@parlament.gv.at
manfred.hofinger@parlament.gv.at
johann.hoefinger@parlament.gv.at
daniela.holzinger@parlament.gv.at
franz.huainigg@parlament.gv.at
johannes.huebner@parlament.gv.at
brigitte.jank@parlament.gv.at
harald.jannach@fpoe.at
helene.jarmer@gruene.at
hannes.jarolim@parlament.gv.at
beatrix.karl@parlament.gv.at
andreas.karlsboeck@parlament.gv.at
axel.kassegger@parlament.gv.at
wolfgang.katzian@parlament.gv.at
herbert.kickl@parlament.gv.at
franz.kirchgatterer@parlament.gv.at
anneliese.kitzmueller@parlament.gv.at
wolfgang.knes@parlament.gv.at
matthias.koechl@parlament.gv.at
werner.kogler@gruene.at
ulrike.koenigsberger-ludwig@parlament.gv.at
karlheinz.kopf@parlament.gv.at
alev.korun@gruene.at
jan.krainer@spoe.at
katharina.kucharowits@parlament.gv.at
philip.kucher@parlament.gv.at
andrea.kuntzl@spoe.at
christian.lausch@parlament.gv.at
josef.lettenbichler@parlament.gv.at
ruperta.lichtenecker@gruene.at
jessi.lintl@parlament.gv.at
hermann.lipitsch@parlament.gv.at
gerald.loacker@parlament.gv.at
reinhold.lopatka@oevpklub.at
angela.lueger@parlament.gv.at
robert.lugar@parlament.gv.at
christoph.matznetter@parlament.gv.at
sigi.maurer@gruene.at
elmar.mayer@spoe.at
beate.meinl-reisinger@parlament.gv.at
wendelin.moelzer@parlament.gv.at
gabriela.moser@gruene.at
josef.muchitsch@parlament.gv.at
eva.mueckstein@gruene.at
edith.muehlberghuber@parlament.gv.at
daniela.musiol@parlament.gv.at
christine.muttonen@parlament.gv.at
kathrin.nachbaur@parlament.gv.at
werner.neubauer@fpoe.at
gabriel.obernosterer@parlament.gv.at
friedrich.ofenauer@parlament.gv.at
andreas.ottenschlaeger@parlament.gv.at
otto.pendl@parlament.gv.at
elisabeth.pfurtscheller@parlament.gv.at
pilz@gruene.at
wolfgang.pirklhuber@gruene.at
rudolf.plessl@parlament.gv.at
michael.pock@parlament.gv.at
elmar.podgorschek@fpoe.at
erwin.preiner@parlament.gv.at
nikolaus.prinz@parlament.gv.at
johann.raedler@parlament.gv.at
erwin.rasinger@parlament.gv.at
johannes.rauch@parlament.gv.at
walter.rauch@parlament.gv.at
josef.riemer@parlament.gv.at
barbara.rosenkranz@parlament.gv.at
walter.rosenkranz@parlament.gv.at
bruno.rossmann@gruene.at
birgit.schatz@parlament.gv.at
thomas.schellenbacher@parlament.gv.at
martina.schenk@parlament.gv.at
nikolaus.scherak@parlament.gv.at
andreas.schieder@spoe.at
carmen.schimanek@fpoe.at
dorothea.schittenhelm@parlament.gv.at
gerhard.schmid@parlament.gv.at
johannes.schmuckenschlager@parlament.gv.at
bernd.schoenegger@parlament.gv.at
walter.schopf@proge.at
philipp.schrangl@parlament.gv.at
hermann.schultes@parlament.gv.at
judith.schwentner@parlament.gv.at
norbert.sieber@parlament.gv.at
johann.singer@parlament.gv.at
erwin.spindelberger@parlament.gv.at
harald.stefan@parlament.gv.at
petra.steger@parlament.gv.at
michaela.steinacker@parlament.gv.at
leo.steinbichler@teamstronach.at
albert.steinhauser@gruene.at
heinz-christian.strache@parlament.gv.at
georg.strasser@parlament.gv.at
matthias.strolz@parlament.gv.at
gabriele.tamandl@parlament.gv.at
karlheinz.toechterle@parlament.gv.at
harald.troch@parlament.gv.at
maximilian.unterrainer@parlament.gv.at
christoph.vavrik@parlament.gv.at
georg.vetter@parlament.gv.at
markus.vogl@parlament.gv.at
harald.walser@gruene.at
ulrike.weigerstorfer@parlament.gv.at
hannes.weninger@spoe.at
georg.willi@gruene.at
rainer.wimmer@parlament.gv.at
tanja.windbuechler@gruene.at
susanne.winter@parlament.gv.at
angelika.winzig@parlament.gv.at
peter.wittmann@spoe.at
august.woeginger@parlament.gv.at
gisela.wurm@spoe.at
nurten.yilmaz@parlament.gv.at
andreas.zakostelsky@parlament.gv.at
wolfgang.zanger@parlament.gv.at
wolfgang.zinggl@gruene.at

Zugfahren – Eine Ode

Bitte einsteigen, Zug fährt ab! Ein Pfiff, ein Zischen, und los gehts, im zweitbesten Transportmittel der Welt (nach dem Fahrrad, natürlich).

Ja, ich bin ein großer Fan des Bahnfahrens. 3 Jahre lang war ich hauptberuflich eigentlich Zugfahrer, doch schon davor und danach habe ich die Reise im Zug immer sehr genossen. Vor allem lange Strecken sind in den fahrenden Sofas sehr lässig, wenn man das Glück hat, auf Strecken zu fahren, die nicht zur Gänze von Lärmschutzwänden vom Rest des Landes abgetrennt sind, dann gibt es viel zu sehen und viel zu entdecken, im Flugzeug sieht man die Welt zwar wie ein Vogel, aus dem Zugfenster heraus begegnet man ihr auf Augenhöhe, und weil die Geschwindigkeit nicht irre hoch ist, kann man die Eindrücke auch gut verarbeiten.

Bier und Suppen schmecken im Restaurationswagen besonders gut, vielleicht auch deswegen, weil der Restaurationswagen mittlerweile auf der Liste der bedrohten Luxusgüter steht, ebenso wie Waggons mit Abteilen. Beides ist natürlich sehr schade und nimmt dem Zugfahren ordentlich viel Romantik, aber das sind nicht die einzigen Probleme der modernen Bahnfahrt.

Diese fangen zum Beispiel mit den Bahnhöfen an: So, wie Flughäfen, Fußballstadien und Kindergärten werden diese Funktionsgebäude heute nicht mehr so gebaut, dass sie den Menschen den eigentlichen Zweck des Gebäudes möglichst zugänglich machen, sondern so, dass man möglichst viel Zeit in den Geschäften und also konsumierend verbringt. Vielerorts sind Bahnhöfe heute Shopping Center mit Gleisanschluss, in denen die Zugreisenden bestenfalls toleriert werden, ihnen die An-, Ab- und Weiterreise zu erleichtern, steht schon längst nicht mehr im Fokus der Planenden.

Heutzutage könnte man sich auch erwarten, dass man zum Beispiel innerhalb der EU online Tickets buchen und Sitzplätze reservieren kann, so, wie man es von Flug- oder mittlerweile sogar Busreisen kennt, aber ein halbwegs brauchbares Buchungssystem ist leider nicht vorhanden. Bewegt man sich innerhalb von Landesgrenzen, gehts womöglich noch halbwegs, sobald man aber international unterwegs ist, ist der Ticketkauf wirklich nur mühsam. Das ist bitter und schreckt sicher viele ab, mit dem Zug zu reisen.

Was aber noch bitterer ist, ist die stückchenweise Vernachlässigung des europäischen Schienennetzes. Der Kontinent ist durchzogen mit zum Teil hochqualitativen Verbindungen, aber weil aktuell wenig Geld in die Bahnfahrt investiert wird, verkommen diese Verbindungen zusehendst. Dabei wäre es ei leichtes, ein Hochgeschwindigkeitsnetz aufzubauen bzw. die bestehenden Anlagen zu verbessern, die Umwelt würde es uns jedenfalls danken. Japan beispielsweise zeigt vor, wies geht, hier könnte man sich Inspiration abholen.

Aus meiner Sicht müsste sich die EU darum bemühen, dass wieder in die Bahn investiert wird, die Voraussetzungen sind eigentlich ideal. Und es warat nicht nur wegen der Romantik.

Rom – Ein Reisebericht

Die Autofahrt ist 8 Sekunden alt, bis es beinahe zum ersten Unfall kommt. In der Tiefgarage. „So fast“ schnaubt unser Fahrer. Dass er ein Stoppschild ignoriert hat, erwähnt er nicht. Willkommen in Rom, wo das Credo „Eine Sperrlinie ist keine Mauer“ gelebt wird, auf jedem Millimeter Straße und oft genug daneben.

Bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel lerne ich neue Dimensionen des Scheissdraufs kennen und bin seelig entzückt. An einer ca. 400m langen Schlange an Linksabbiegern rechts vorbei, um dann bei Rot trotz Gegenverkehrs links abzubiegen? Andiamo.

Dabei wird eine Gelassenheit und Höflichkeit ausgestrahlt, die beineidenswert ist, so schön kann Autofahren sein, man muss sich halt den Platz nehmen, den man braucht, denn wenn alle drängeln, drängelt niemand.

Kurz bricht die Fassade: „Posso fumar?“ Eine Passagierin verweigert das Rauchen, der folgende Satz auf Italienisch hört sich nach „Passt schon, dann erwürg ich halt nachher einen Hamster.“ an.

Das Hotel wird im zweiten Anlauf gefunden nachdem man das „Flughafenmanöver“ angewendet hat. Das haben wir am Flughafen kennengelernt, nachdem wir mit dem Bus, der uns vom Flugzeug zum Terminal brachte, einfach noch eine Runde gefahren sind, um nicht weiter im Stau zu stehen. Manche Probleme lösen sich von selbst, so auch das Problem der Navigation.

Das Hotel ist schön und hat ein schön hohes Gitter, die fehlenden Spitzen zeigen leider nicht, ob das Gitter etwas drinnen oder draußen halten soll.

Die Rezeptionistin spricht nur Italienisch, wir leider nicht, es dürfte sich um ein Hotel für Einheimische handeln. Beim Angeben sämtlicher Daten, die wir bereits per Mail kommuniziert haben, schaut mich die Jungfrau Maria mit leuchtendem Haarkranz streng an.

Due Zimmer sind schön und der Abstand zwischen den Betten groß, man ist hier schließlich katholisch und man geht auf Nummer sicher, der selbe Familienname könnte schließlich auf Geschwister hinweisen. Jungfrau Maria findet das gut. Es ghert afoch mea gschmust übersetzt sich womöglich schwer ins Italienische.

Nach vorgezogener Siesta, die man hier eigentlich gar nicht macht, startet die Stadterkundung. Zwar erst, nachdem die sehr freundliche Rezeptionistin uns das gesamte Hotel zeigt (mir wird gesagt, das Hotel sei sehr jung), die Distanz wird fast aufs Intime verringert, aber schließlich dürfen wir gehen.

Der Verkehr

Der Zufall will, dass die öffentlichen Verkehrsmittel streiken. Beim Blick auf den Busplan und den 11 Stationen überlegt man kurz in Richtung Taxi, nach 4 Minuten hat man aber ebenso viele Busstationen passiert und nimmt den Weg in die Stadt trotz der Qualität der Gehsteige, die in Wien als Stadtwanderwege durchgehen würden, per pedes in Angriff. Wir ernten seltsame Blicke, zu Fuß geht man hier nicht. Außer man ist Tourist.
Aber wir sind stur, auch der achte Scooter, der mit ungefähr Lichtgeschwindigkeit und 3 cm Abstand vorbeizieht bringt uns nicht bei, den Modus des persönlichen Transports zu ändern, Gehsteig hin, Selbstmord her.

Stichwort Scooter: Von denen gibt es hier lustige Mengen, das System, in dem sie sich fortbewegen, erfordert allerdings wahrscheinlich ein mehrjähriges Intensivstudium, auch hier scheisst man sich nix, als Fremdländer muss man wohl vor der ersten Fahrt Grappa oder anderen Nervensaft tanken, um nicht bei der ersten Kreuzung mit einem Heulkrampf am Straßenrand zu verenden.

Der primäre Bewegungsmodus ist die Autofahrt, La Machina ist dem Italiener heilig, auch wenn die meisten Heiligtümer aussehen, als hätte man sie ein paar Mal aus dem Fenster geworfen. Das gesamte Straßennetz ist aufs Auto ausgerichtet, und das nicht besonders gut, dementsprechend quälend und lähmend gestaltet sich das Vorankommen von A nach B.

Was geradezu irre ist, ist der öffentliche Verkehr, der diese Bezeichnung eigentlich fast nicht verdient. Fahrpläne gibt es im Allgemeinen nicht, Buse und Straßenbahnen sind da, wenns da sind, und die Zeiträume zwischen den Fahrzeugen sind unregelmäßig und eher sehr lang. Das Netz ist mäßig ausgebaut, die Fahrten trotz teilweise kurzer Distanzen sehr lang, die Buse und Straßenbahnen unglaublich ineffizient gebaut (Wo bitte ist der Platz hin?), und in Sachen Ampeln oder Infrastruktur werden die Öffis eher benachteiligt. Das macht wenig Freude, aber wahrscheinlich noch mehr, als mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Einige Wenige sehen wir mit gequälten Gesichtern vorbeiradeln, verblüffenderweise gibt es geführte Touristengruppen auf Velos, aber ich zweifle daran, dass da tatsächlich alle Leute dort ankommen, wo sie ankommen wollten.

Rom ist eine fantastische Stadt. Lebendig, quirlig, architektonisch spannend, man merkt den Menschen und der Stadt an, dass viele Sonnenstunden gut fürs Gemüt sind, selbst wenn das Bild an den Rändern ein wenig ausfranst. Aber über diese Fransen sieht man gerne hinweg, vor allem, weil es in Rom angeblich fantastisch einfach ist, fantastisch gut zu essen und zu trinken.

Das Essen

Das erste Lokal der Labung ist ein Reinfall. Die Suche davor ist lang, wir suchen etwas nicht allzu Touristisches (wir sind ja schließlich von Welt) und folgen der alten Regel, dass man sich in fremden Städten nicht in leere Beisln setzt. Und fahren damit eher ein. Die Pizza kommt frisch aus dem Tiefkühler, die Carbonara geziehmt sich wie eine Eierspeis mit Nudeln.

Praktischerweise sind die Portionen so klein, das man danach genug Appetit auf Anderes hat. Aufs Bier als Rettungsanker kann man sich nicht verlassen , wir sind in Italien, und gutes Bier ist ein sehr rares Gut.

Egal. Mund abputzen, weitermachen, die Stadt ist schließlich ein ziemliches Paradies für beinahe eh ois. Per ausgedehntem Hatscher erschließen wir den Petersplatz, die Engelsburg (ein Gebäude von beeindruckender Hässlichkeit), fliegen stolpernden Engerln gleich über den Tiber und ziehen danach von Spritzgetränklokal zu Spritzgetränklokal, vorbei am Pantheon (unglaublich beeindruckend), hin zum Trevi Brunnen.

Der Trevi Brunnen wird zur Zeit umgebaut. Der Baustelle nach zu urteilen könnts eine U-Bahn-Station werden. Wäre ich Filmfreund und wäre deswegen gekommen, hätte ich wohl jetzt ein emotionales Gefälle auszugleichen.

Weiter gehts mit dem Regierungspalast, dem Forum Trajan, dem Forum Romanum, der Schreibmaschine, dem Kolosseum, und an hunderten anderen wunderschönen, verdammt alten Gebäuden vorbei. Mir entkommt permanent ein „2000 Jahre ist das hier alt“, obwohl ich bereits früher in Rom war, bin ich davon gebannt, auf einer der Wiegen unseres heutigen Lebens zu wandern, so beseelt bedudelt bin ich nicht häufig.

Das nächste Spritzgetränklokal möchte gefunden werden, mich zieht es in Richtung Tiberinsel, weil sie in meiner Vorstellung ein einziges Spritzgetränkeldorado ist. Das geht sich in echt leider nicht aus, eh sehr schön, aber verbaut, wir überqueren den Fluss und sind in Trastevere, dem nicht mehr ganz so arg mit Touristen und Tourismus durchzogenen Stadtteil.

Denn das ist leider Roms Achillesferse: Die touristische Ausschlachtung und damit einhergehende Masse an Selfie-Sticks und Leuten mit Wanderrucksäcken, die auschauen, als würden sich darin Verpflegung für 3 Jahre befinden, ist auf Dauer ein wenig belastend. Eh schön und wichtig und so, aber etwas, mit dem man umgehen können sollte.

Das erste Lokal in Trastevere ist großartig. Hauswein um 3€ im Halbliterformat, köstliche Bruschetta, auch die Pizzen schauen fabelhaft aus, wir habens endlich gefunden, dieses kulinarische Paradies.

Beim beglucksten Verlassen des Kleinods fällt mir am Nebentisch etwas auf. Für den Wiener komisch: Ich geh zum Italiener und ess ein Schnitzel. Aber hier ist jetzt kein Platz für Ursprungsdebatten, wir müssen weiter.

Apropos Ursprung: Am Flughafen in Rom gibt es eine Kleinigkeit mit riesigem Potential zu bewundern, und zwar Klobrillen, die von alleine hochklappen, wenn sie nicht besetzt werden. Was das für Beziehungen aller Art bedeuten könnte, sollte man sich mal anschauen, ganz genau.

Was zur Zwietracht am Flughafen wieder beiträgt ist die Auswahl der Zeitschriften im entsprechenden Geschäft. So gut wie alle Magazine sind auf Italienisch. Kann man machen.

Zurück in die Stadt: Das erwähnte Kleinod ist nicht die erste und einzige gute Anlaufstelle für Köstliches, der Weg der Labung ist gepflastert mit Schweinsbratenbroten (jawohl), italienischen Craft-Bieren (jawohl!, vor allem kosten die Craft-Biere so viel wie die normalen) und süßen Versuchungen. Lediglich die Weinauswahl gestaltet sich nicht ganz banal, es gibt viele, viele Sorten, die das Spektrum von Gschloder bis atemberaubend abdecken, und der Preis ist nicht unbedingt eine Orientierungshilfe. Die meisten Weine sind eher auf der süßen Seite, das muss man mögen, andererseits setzt sich der Spritzwein (Vino Spritzo) auch in diesen Regionen schön langsam durch, und bei durchaus lauschigen Temperaturen passt das dann schon sehr gut.

Rom ist auf Grund meiner urlaubstechnischen Codierung sofort mit Entspannung und Ferien verbunden, das macht das Schlendern durch die Stadt natürlich noch viel angenehmer. Selbst wenn man mit Italien noch nichts am Hut hat, sollte man sich die Stadt auf jeden Fall gönnen, am besten ein paar Tage lang. Sie ist ziemlich einzigartig.

Fingerübung Ende.

Ein „Familienrezept“

Zu Weihnachten gabs bei mir zu Hause immer Barszcz (Borschtsch, eine polnische Rübensuppe) und Paszteciki, also Pastetchen, gefüllt mit Champignons, Zwiebel und Petersilie. Und nicht nur in meiner Erinnerung ganz, ganz köstlich. Ich habe meinen Vater gebeten, mir beizubringen, wie man diese Täschchen macht, wegen der Selbstversorgung warats, und so habe ich gelernt, die Täschchen selbst zu machen. Irgendwann habe ich mir gedacht, dass Weihnachten viel zu selten stattfindet, ich also die Pastetchen viel zu selten esse, und habe damit angefangen, sie einfach dann zu machen, wenn ich Gusto drauf habe. Weil sie köstlich schmecken. Und weil sie das ideale Gastgeschenk für Partys sind, mein Freundeskreis ist jedenfalls süchtig.

Um ihre Sucht zu erleichtern und die Pastetchen in die Welt hinauszutragen, gibts jetzt das Rezept.

Die Zutaten (für 12 Pastetchen)

Die Zubereitung

Schritt 1

Schneide die Zwiebel(n) klein, je nachdem, wie gern du Zwiebeln hast, kanns grober oder feiner zugehen.

Schritt 2


Schneide die Champignons klein. Ich persönlich trenne immer den Stengel ab, da er relativ viel Wasser beinhaltet und geschmacklich nicht sehr viel zum Gericht beiträgt. Das ist aber Geschmackssache. Schneide auch die Petersilie klein.

Schritt 3

Jetzt gehts ab in die Pfanne. Gib einen Esslöffel Olivenöl und einen Teelöffel Zucker in die heiße Pfanne, warte, bis der Zucker karamelisiert. Dann kommen die Zwiebeln rein, ein bisschen Tomatenmark, die Zwiebeln sollen glasig geschwitzt werden. Dann werden die Pilze bei relativ hoher Temperatur kurz scharf angebraten, dann solltest du die Hitze reduzieren. Salz, Pfeffer je nach Geschmack. Und zum Schluss kommt die Petersilie rein.

Schritt 4

Die Füllung ist fertig, jetzt vereinigt man sie mit dem Teig. Dazu nimmt man den Blätterteig ca. 10 Minuten vorm Verarbeiten aus dem Kühlschrank, dann lässt er sich leichter verarbeiten und schmeckt besser. Die Fülle sollte ein wenig auskühlen, dann fallen die nächsten Arbeitsschritte deutlich leichter. Ungeduldige Naturen wie ich müssen ein wenig aufpassen.

Zunächst schneiden wir den Teig in 6 gleich große Teile, idealerweise in Quadrate. Ist das geschafft, gibt man auf jedes Quadrat einen gehäuften Esslöffel Füllung.

Schritt 5

Der „schwierigste“ Schritt: Man faltet die Täschchen. Ist aber gar nicht schwer, einfach die Ecken einschlagen, fertig. Wer möchte, kann ein Ei verrühren und damit die Pastetchen bestreichen, dann werden sie schön braun. Ich mach das nicht.

Schritt 6

Ab ins Rohr. Die Backzeit- und Temperatur findet man auf der Verpackung des Blätterteigs. Nach ca. 20 – 25 Minuten ist der Prozess aber im Regelfall beendet.

Mahlzeit!

Und so schauen sie aus, wenn sie fertig sind. Wie oben beschrieben kann man die Pastetchen mit Borscht essen, oder einfach so, oder in Begleitung einer Sauerrahmsauce, zum Beispiel.

Schreiben

Schreiben. Nein, Tippen. Nachdenken, und das Erdachte abtippen. Denn schreiben, dazu brauchst Papier und einen Stift, aber beides verwende ich nicht. Das, was ich mache, Tag ein, Tag aus, also eigentlich Arbeitstag ein, Arbeitstag aus, das ist nicht Schreiben. Das ist bestenfalls Nachdenken, und dann tippen. Die Finger als Verlängerung der Denkwurst, die aber eigentlich nicht lang genug ist, um Wurst genannt zu werden, es ist im besten Fall ein Würstchen.

Ein Würstchen, das hinausgepresst wird. An Gittern vorbei, an Filtern, an engen Maschen, die das Denken schon behindern, und das Schreiben und das Tippen noch mehr. Ich zensiere mich selbst, weil ich mir sage, dass etwas nicht gut genug ist (und dann lösche ich es einfach wieder), oder weil ich mir sage, dass man das so nicht schreiben kann. Weil es dann vielleicht jemanden stören könnte, und mit jemanden meine ich nicht mich.

Vielleicht müsste man beim Tippen gar nicht Nachdenken, bei dem, was man zum Verdienen vom Geld, von dem man dann etwas kauft, ach, lassen wir das, also: Vielleicht gehts auch ganz ohne Nachdenken, vielleicht haben die Finger die Filter schon verinnerlicht, besser, als es der Verstand gemacht hat, und vielleicht zensieren sie dann das, was beim Nachdenken herausgekommen ist.

Und vielleicht produzieren sie dann etwas, ganz von allein, das man zwar nur rein technisch gesehen Text nennen kann, der ok ist, der Fragen beantwortet, ein Text, der gefällig ist, der nicht aneckt, weil Texte sollen heutzutage nicht anecken, sie sollen performen, sie sollen beantworten, sie sollen, ach.

Was das hier soll? Es ist ein Versuch, zu erklären, was in einem Menschen vorgeht, der gerne schreibt, aber den ganzen Tag tippt, weil er nicht fürs Schreiben, sondern fürs Tippen bezahlt, für das Ausfüllen von Parametern bezahlt wird, die er sich selber steckt.

Weil man muss performen.

Der Text muss performen.

Und darüber gibts nichts nachzudenken, wirklich nicht, denn denken ist langsam, performen ist schnell und richtig.

Die Sehnsucht, zu schreiben, wie man glaubt, was man glaubt, was man spürt und was man wichtig nehmen möchte, diese Sehnsucht heißt es zu bekämpfen und ab und an betrunken in die Tastatur zu ventilieren.

Und am nächsten Tag heißts Mund abputzen, kurz schlecht oder gut fühlen, wobei der Unterschied zwischen den Zuständen eigentlich egal ist, und dann weiterzuperformen, immer weiter, immer weiter, oder kürzer, je nachdem, was das Korsett sagt. Sagt. Sagt. Sagt.

Wieso man die SPÖ in Wien zur Zeit nicht wählen sollte

Wien ist eine unglaublich lebenswerte Stadt. Sowohl für gutverdienende Manager und Managerinnen, als auch für Normalsterbliche. Verschiedene internationale Studien hieven Wien oft auf die oberste Stelle am Podest, und es stimmt: Wien ist eine verdammt lebenswerte Stadt. Aber sie ist es mittlerweile eher trotz der SPÖ, und nicht wegen. Wieso ich dieser Meinung bin, erkläre ich an einigen Beispielen.

Umgang mit dem Wahlvolk

Man tappt als Wahlberechtigter lange Zeit im Dunkeln, was den Wahltermin angeht, egal ob Landtagswahl oder Nationalratswahl. Politisches Kalkül, Geplänkel, Hin- und Hergeschiebe, es gibt verschiedene Gründe, um den Wahltermin kurz- oder langfristig bekannt zu geben, je nachdem, wie man gerade dasteht.

Aber: Kaum jemand behandelt dieses Thema mit einer Nonchalance wie Michael Häupl. Am 10.2.2015 fand die wöchentliche Bürgermeister-Pressekonferenz statt. Auf den Wahltermin angesprochen ließ Häupl Folgendes los: Der Wahltermin stehe bereits fest. Häupl: „Aber ich sage ihn noch nicht“.

Als Erklärung am Tag danach folgt (Der Standard, 11.2.2015):

„Es gibt so etwas wie Inszenierung in der Politik und ich schließe mich gelegentlich von diesem Unsinn nicht aus.“

Beide Aussagen lassen, in Kombination mit einigen Punkten, die ich weiter unten erwähne, darauf schließen, dass Häupl mittlerweile tatsächlich der Meinung ist, dass er Wien sei, dass Wien für ihn da sei, und nicht umgekehrt. Und das ist leider gefährlich.

Wiener Marketingausgaben

Seit längerer Zeit stehen die Ausgaben der Stadt Wien am Prüfstand. Die Schulden sind hoch, der Abbau der Schulden wird durch den Umstand, dass auch die Stadt Wien Kredite in Schweizer Franken laufen hat, nicht leichter.

Ein verhältnismäßig kleiner, aber rein wirkungstechnisch umso schmerzvollerer Tropfen auf den heißen Stein sind die Ausgaben der Stadt für Marketing und Inserate, die sich im Jahr 2014 auf über 40 Millionen Euro beliefen (laut KommAustria). Dabei handelt es sich um direkte Ausgaben im Sinne der 2012 in Kraft getreten Medientransparenzregelungen, wer Wien kennt, weiß, dass man diese Summe wahrscheinlich locker noch um ein Vielfaches höher ansetzen kann.

Die Bundesregierung versucht seit 2012, die entsprechenden Ausgaben zu senken, gibt weiterhin verdammt viel aus, aber zumindest ein bisschen etwas bewegt sich. Bundeskanzler Faymann bittet Häupl um eine Reduzierung der Ausgaben. Die Antwort?

„Er macht, was er will, wir machen, was wir wollen“, kommentierte Häupl das Ansinnen Faymanns am Dienstag im Gespräch mit der APA eher knapp. Wobei der Wiener Stadtchef hinzufügte, dass er in Sachen Inseratengestaltung auf die Ratschläge des Kanzlers prinzipiell vertraue: „Weil davon versteht er was.“

Auch das lässt leider nicht darauf schließen, dass Häupl weiß, wessen Geld er da eigentlich verwaltet und was seine Aufgabe ist. Oder es ist ihm schlicht egal.

Der Umgang mit dem Koalitionspartner

Die Grünen haben es (endlich) in die Regierung geschafft, nachdem sie sich lange Zeit größtenteils selbst im Weg herumgestanden sind, und das aus vielerlei Gründen auch heute noch tun.

Der Umgang, der seitens der SPÖ und wieder im Speziellen von Häupl gepflegt wurde, war in den letzten 5 Jahren, na, sagen wir suboptimal. Jedes haarige Projekt (man denke zum Beispiel an die Umgestaltung der Mariahilferstraße) wurde in der Öffentlichkeit dem „Junior Partner“ überlassen, der sich in weiterer Folge regelmäßig aufreiben ließ, die SPÖ taktierte und hielt sich häufig zurück, erst beim Jubeln war man dann wieder im Boot.

Jetzt kann man sagen: Das ist Politik. Und hat damit natürlich Recht.

Das Wiener Wahlrecht

Was allerdings definitiv über den Rahmen von Politik hinausgeht, sind die Verhandlungen über die Änderung des Wiener Wahlrechts (von dem in der aktuellen Form die SPÖ am meisten profitiert). 5 Jahre lange wurde verhandelt, schließlich wurden die Verhandlungen abgebrochen.

Die SPÖ sagt, die Grünen hätten unprofessionell und vorschnell gehandelt.

Die Grünen sagen, die SPÖ hätte nicht auf die eigene Stellung verzichten können.

Und irgendwie hat man einen Verdacht, was wahrscheinlich eher stimmt. Die Grünen wollten im Anschluss ein Bündnis mit ÖVP und FPÖ schließen, um gemeinsam das Wahlrecht zu reformieren.

Und die SPÖ? Hat sich einen grünen Abgeordneten geschnappt. Senol Akkiliç wechselt zur SPÖ, wäre bei den Grünen wahrscheinlich bei der nächsten Wahl nicht mehr auf einem Listenplatz gewesen, auf dem er ein Mandat erhalten hätte.

Die SPÖ hat ihm genau das angeboten. Und plötzlich geht in Sachen Wahlrechtsreform nichts mehr, die SPÖ hat genug Mandate, um sich querzulegen. Supa.

Auch das kann man Politik nennen. Oder Bestechung bzw. Bestechlichkeit. Ein Vorwurf, mit dem sich Senol Akkiliç demnächst wahrscheinlich auseinandersetzen wird müssen, auch wenn natürlich nichts passieren wird.

Wiener SPÖ und die Demokratie

Diese Zitate und diese Vorgehensweise zeigt, wie tief gestört das Verhältnis der SPÖ und Michael Häupl zur Demokratie mittlerweile ist. Man hat sich über Jahrzehnte, denn Wien war natürlich immer eine rote Stadt, eine Verhaberung und einen Filz erarbeitet, aus dem heraus man womöglich tatsächlich nicht mehr hinaussieht, nicht mehr sieht, was man man macht, nicht mehr versteht, welche Verantwortungen man trägt, und wer eigentlich das Sagen und wer das Zuhören hat. In der Eigendefinition der Wiener SPÖ hat das Wahlvolk jedenfalls die Stimmen zu bringen, und dann bitte zu schweigen.

Wiener Wahlkampf 2015


Das ist nicht mein Mercedes, das ist Zufall.

Man kann sich jedenfalls schon jetzt auf einen gepfefferten Wahlkampf freuen. Die SPÖ legt schon mit dem Sujet „Der Schlüssel zu neuen Arbeitsplätzen: Wir bauen wieder Gemeindebauten!“ vor und es ist eigentlich irre.

Wer hat denn die Regierung daran gehindert, Gemeindebauten zu bauen?

Und: War es nicht unter dem aktuellen Bundeskanzler, dass der Bau von Gemeindebauten eingestellt wurde? 2004 wurde der letzte diesbezügliche Bau seiner Nutzung übergeben, dafür wurden 2002 Gemeindeimmobilien an Private verkauft. Wieso?

Ein anderes Beispiel für die Unverschämtheit, mit der die Wiener SPÖ kommuniziert, ist die Kaiserwiese im Prater. Als solche war sie die letzten Monate eigentlich nicht erkennbar, wurde ständig für private Veranstaltungen vermietet, wenn sie dazwischen mal öffentlich zugänglich war, ähnelte sie einer Wiese in etwas so sehr wie Mordor einem Traumurlaubsziel. Seit einigen Tagen hängt jetzt am Zaun, der die Kaiserwiese umgibt, folgende Nachricht:


Genau so stellt man sich eine Wiese vor

Was soll das? Man hält die Leute offenbar wirklich für wirklich, wirklich, wirklich deppert.

Außerdem: Wieso verkommen Grünflächen immer häufiger zu Orten des kommerzialisierten Konsums? Vor allem Karlheinz Hora, Bezirksvorsteher von 1020 Wien, bringt es in dieser Disziplin zur Meisterschaft, nicht nur die Kaiserwiese, sondern wahrscheinlich auch große Teile des Donaukanals gehen auf seine Kappe in Sachen Privatisierung. Aber das tut sicher alles dem Bürger gut, und nicht ihm oder seinen Freunden…

Fazit

Die Wiener SPÖ unter Michael Häupl hat sich zu einem engstirnigen, machthungrigen, demokratiefeindlichen Monster entwickelt und droht, die ganze Stadt und ihre fantastischen Seiten zu verschlucken. Es bedarf dringend einer Kursänderung, denn Wien ist großartig, weil das Fundament der Stadt großartig ist. Die aktuelle SPÖ zeigt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass sie versteht, dass sie durchs Festhalten an alter Glorie zerstört und nicht entwickelt. Rankings sind nicht alles und vor allem nichts für die Zukunft.

Essen und Kinder – Ernährung als Schuldrama

„Und, wie wars in der Schule?“ – „Ja, eh.“ – „Was gabs zum Mittagessen?“ – „Weiß nicht.“ – „Was hast denn gessen?“ – „Würstel mit Reis und Ketchup.“

So spielt sich jeden Abend die Begrüßungsszene mit meiner Tochter ab, „Würstel mit Reis und Ketchup“ kann man mit „Kartoffeln und Nudeln“, „Nockerl mit Reis“, „Nudeln mit Tomatensauce“ und ähnlichen kulinarischen Highlights ersetzen. Oder mit den Klassikern Leberkäse mit Kartoffelpüree und Cremespinat, überbackenem Emmentaler mit Preiselbeersauce, mit Chicken Nuggets und mit sonstigem allerlei Überbackenem, also ums kurz zu machen, mit lauter gesunden Speisen.

Meine Tochter ist noch jung, sie hat von Ernährung noch recht wenig Ahnung, das Elternhaus bemüht sich, den kulinarischen Horizont so weit wie möglich zu malen, aber ich bin mir dessen bewusst, dass Kindern eine endend wollende Anzahl an Geschmäckern Spaß macht. Gut muss es ausschauen, nicht allzu abenteuerlich schmecken, idealerweise muss mans nicht schneiden, das sind recht normale Anforderungen.

Dass man diese Anforderungen erfüllen kann und gesunde Speisen auf den Tisch stellen kann, das muss ich niemandem, der Küchen von innen kennt, erzählen. Was gesunde Speisen ausmacht, das wissen schon nicht mehr ganz so viele Leute (weil es sie entweder nicht wirklich interessiert, oder es ihnen niemand erklärt), und zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel Kinder.

Kinder sind lernfähig. Man kann sie motivieren, etwas zu kosten, wenn man ihnen erklärt, wieso. Man kann ihnen viele Dinge vermitteln, wieso es wichtig ist, Salat zu essen, und vielleicht nicht so leiwand ist, ständig nur Schnitzel und Pommes Frites in sich hineinzustellen. Man kann erklären, was Vitamine sind, wofür der Mensch Kohlenhydrate braucht, aber natürlich nicht so, wie man es einem Erwachsenen, der mit diesen Begriffen vertraut ist, sondern eben kindgerecht. Man kann alles erklären, wenn man motiviert ist, und man kann alles schmackhaft machen, wenn man motiviert ist.

Ist man es nicht, essen Kinder Kartoffeln mit Reis. Weil es in der Schule ein Buffet gibt, zu Mittag, und den Kindern nicht gesagt wird, welche Speisen als Menü gedacht sind, und welche eher nicht. Weil es den Erwachsenen, die den Kindern das Essen verabreichen, egal ist, oder weil sie selbst nicht wissen, dass eine Ernährung, die auf in Fett ausgebackenen „Lebensmitteln“ basiert, nicht dazu führt, dass man sich lange wohl fühlt im eigenen Körper.

Jetzt werden manche aufzeigen und „Aber das Geld!“ sagen, und das stimmt zum Teil, weil unsere Lebensmittelindustrie in großem Stil darauf abzielt, möglichst billig Plastikspeisen herzustellen und hochqualitative Lebensmittel dadurch einen höheren Preis haben. Aber: Man kann auch mit wenig Geld vorzüglich und gesund kochen. Wenn man motiviert ist.


Der wahrscheinlich überdurchschnittlich gute Menüplan an der Schule meiner Tochter. Die markierten Menüpunkte sind das, was aus dem Angebot des Catering-Unternehmens ausgewählt wurde.

Es geht nämlich um Folgendes: Genauso, wie man Kindern Gemüse und Quinoa und Mangold und was auch immer schmackhaft machen kann, kann man ihnen anlernen, dass es ok ist, täglich Fleisch zu essen, täglich Frittiertes zu essen, täglich literweise Zuckerlwasser zu trinken, und das lernen sie verblüffend schnell.

Aber selbst wenn ihnen später im Leben erklärt wird, dass zu viele Kohlenhydrate nicht gesund sind, dass zu viel Fett nicht gesund ist, dass man Vitamine braucht, und Eiweiße, und die richtige Balance aus diesen Dingen, dass Kühe nicht vor Schreck umfallen und dann gegessen werden, und so weiter, und so fort, dann dringt das vielleicht hin zum Intellekt.

Aber Gewohnheiten, die man womöglich über Jahrzehnte antrainiert hat, sind verdammt schwierig wieder zu ändern. Deswegen leben wir mittlerweile in einer Gesellschaft, die täglich darum kämpft, sich bewusst zu ernähren, weil wir allesamt nicht mehr wissen, was das eigentlich bedeutet.

Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Naja, selbst schuld, wenn man das eigene Kind in der Schule zu Mittag essen lässt. Das stimmt, allerdings tue ich das nicht aus Faulheit, sondern weil ich der Meinung bin, dass eine Gesamtschule für die Entwicklung meiner Kinder besser ist als das, was in Österreich bisher als „normale“ Schule angeboten wird. Dass das in der Realität leider nicht stimmt, werde ich an anderer Stelle behandeln.

Was kann man machen? Nun, man könnte damit anfangen, den Kindern zu erklären, was im Essen drinnen ist, wieviel man wovon braucht, welche Dinge man kombinieren kann, und welche Kombinationen man eher nicht so oft essen sollte, auch wenn sie herrlich schmecken. Das wäre ein Anfang, in der Schule, zu Hause. Aber nicht nur erklären und lehren, sondern auch vorleben, das geht zu Hause, das geht in der Mittagspause in der Schule. Den Kindern zu sagen, dass Brokkoli ur leiwand ist, nur um ihnen Minuten später Chicken Wings zu servieren, ist bestenfalls zynisch.

Wir befinden uns bereits an einem Punkt, wo Essen, Ernährung und auch Bewegung, kurzum die Dinge, die uns dabei helfen, gesund zu leben, nicht mehr unbedingt als Allgemeinwissen betrachtet werden können. Das muss sich ändern, sehr, sehr, sehr, sehr schnell.

Mahlzeit.