Mein Besuch der Ars Electronica

Ars Electronica also. Als Besucher, auf der anderen Seite des Zauns, quasi. Auch wenn der Zaun sehr niedrig ist.

Die letzten Jahre habe ich an der Ars Electronica mitgewirkt, am Festival, am Center, am Prix und so weiter. Dabei habe ich wahnsinnig viel gesehen, wahnsinnig viel gelernt. Das Festival kam wie ein Orkan und verging wie im Rausch, eine anstrengende, aber auch sehr inspirierende Zeit.

Was mir leider kaum gelungen ist, war die Reflektion. Die aufgesaugten Ideen, Konzepte, Entwürfe wollten verarbeitet werden, aber es waren unglaublich viele Eindrücke, die da sortiert werden mussten, und es blieb im Alltag nach dem Festival nie die Zeit, um sich Zeit für dieses Sortieren zu nehmen. Denn das nächste Projekt gestaltet sich nicht von allein.
Jetzt sitze ich wieder in dem Zug, der mich von Wien nach Linz bringt, so wie ich schon so oft gesessen bin. Ich habe nie in Linz gelebt, war ein Pendelnder, und im Rückspiegel betrachtet vielleicht ein wenig ein Wahnsinniger.

Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen bemüht, das Festivalthema zu begreifen, das Festivalprogramm zu überblicken, einen Plan zu erstellen für die 2 Tage, die ich das Festival besuchen werde. Daran bin ich teilweise gescheitert, es ist sehr viel, was da auf mich zukommt, es sind sehr viele Programmpunkte, die erlebt werden wollen, und ich tue mir im Vorfeld sehr schwer mit der Gewichtung. Die Fülle des Programms kenne ich aus den letzten 3 Jahren, ich kenne die Herausforderung, einen Überblick verschaffen zu wollen, Menschen an der Hand nehmen zu wollen und zu sagen: “Hey, das ist wirklich, wirklich sehenswert, wenn du nur XXX Sachen anschauen kannst, dann muss das dabei sein.” Denn es ist natürlich nicht alles wahnsinnig gut, oder wahnsinnig sehenswert, eine Gewichtung ist von Nöten, denn das ganze Festival zu erleben, in all seinen Einzelheiten, das ist wohl unmöglich, das schafft man auch nicht, wenn man die volle Festivaldauer in Linz bleibt. Aber es sei festgehalten, dass es die Programmpunkte gibt, die sich wirklich, wirklich auszahlen. Bei denen man viel mitnehmen kann, zum verdauen. Und das kann nicht jedes Festival von sich behaupten.

Samstag, 13:00 Uhr, Lip Dub. Das ist meine erste Anlaufstelle, weil ich im Ars Electronica Blog gelesen habe, dass es sich dabei um das emotionale Highlight des Festivals handelt. Die Linzer Innenstadt wird in Beschlag genommen, von Menschen, die zu Abbas “Take a chance” die Lippen bewegen und sich dabei filmen, einen Change (Chance) besingen, der ja Festivalthema ist. Aus dem Videomaterial soll dann ein gemeinsamer Film werden, das Projekt möchte Leute dazu anregen, ein wenig nachzudenken, übliche Parameter des täglichen Lebens zu hinterfragen, schließlich sieht man “nichtsingende” Menschen in der Stadt sonst eher selten. Die Idee klingt für mich im Vorfeld ein wenig kindisch und auch ein wenig retro, schlecht ist an sich beides nicht, ich lasse mich überraschen.

Am Nachmittag möchte ich dann Ausstellungen besuchen, so viele, wie geht. Der große Vorteil in diesem Jahr ist es, dass das Festival zwar auf viele Locations verteilt ist, aber diese relativ nah beieinander sind. Das war in den Vorjahren anders und machte das Wechseln von Location zu Location mitunter zu einem sportlichen Unterfangen.

Am Abend steht natürlich die Klangwolke an. Die Klangwolke. Ganz Linz (ja, wirklich, ich wollte es am Anfang auch nicht glauben) starrt auf die Donaulände, wo sich ein Produzent oder eine Produzentin darum bemühen, mehr als nur Effekt zu liefern. Aber der Raum ist riesig, die Aufmerksamkeitsspanne kurz, die Herausforderung enorm. Mal schauen, wie man es dieses Jahr anlegt.

Hetzen werde ich mich nicht. Und ich werde Freunde und Bekannte wiedertreffen, hoffentlich, Leute, die mir fehlen. Und wenn man ins Plaudern kommt, dann wird wohl ein Kunstwerk, eine Installation, womöglich eine ganze Ausstellung ausfallen müssen, dann ist sichs halt nicht ausgegangen. Ich werde berichten.


The Collider. Eher was für Mutige.

Die Rückfahrt, das Festival im Rückspiegel

Jetzt sitze ich wieder im Zug nach Wien, zurück nach Hause. Der Körper und der Kopf sehnt sich nach einem Bett, die zwei Tage bei der Ars Electronica waren intensiv, die Nacht dazwischen kurz. Zeit, die Eindrücke zu sammeln und niederzuschreiben.

Ich bin, das dürfte bisher durchgeklungen sein, mit einem sehr positiven Gefühl nach Linz gefahren, habe mich darauf gefreut, das Festival zu erleben, zu genießen. Ich habe im Vorfeld versucht, mich über das Programm schlau zu machen, aber war mit der Üppigkeit überfordert, ich dachte mir, ich werde mich durchfragen, nach persönlichen Highlights der Freunde und Bekannten fragen, dadurch wird sich ein Plan schon ganz allein ergeben.

Und ich erlebte meine erste Überraschung, denn kaum jemand konnte mir sagen, was denn nun ein Highlight sei, was ich mir unbedingt anschauen musste. Es gab teilweise Werbung für die eigenen Projekte (eh klar), es gab aber kaum klare Ansagen, was ich denn auf keinen Fall verpassen dürfte. Das war ein kleiner Dämpfer.


Eine echte analoge Drummachine

Es ging ins Festivalzentrum, in die Arkade, einem Einkaufszentrum mitten in Linz, und im ersten Moment konnte ich nicht sehen, wo denn jetzt das Festival stattfindet, dabei war die Arkade eigentlich das Zentrum von “Change”. Hm. Dann entdecke ich eine übergroße Roland – Drummachine, mit echten Instrumenten, die per Tablet angesteuert werden können, wie bei einer Drummachine, nur in echt. Und das Ding ist wirklich, wirklich lässig.


Der Startschuss für den Lipdub erfolgt durch die Bergrettung. Hm.


Und schon gehts los.

Der Lipdub stand an, und meine Befürchtung sollte sich bewahrheiten, was da passierte, war eine verhältnismäßig banale Veranstaltung, die den Leuten zwar Freude zu bereiten schien, aber erklärt haben dürfte niemand, was bei dem Lipdub eigentlich passieren sollte. Ein Video ist trotzdem zu Stande gekommen, aber so richtig, richtig bewegend war das eigentlich nicht. Im Vorfeld war hier vom “emotionalen Highlight des Festivals” die Rede, innerlich begann ich zu hoffen, dass das hoffentlich nicht stimmt.


Auf der Suche nach Eurydice.

In der Tiefgarage gab es eine Neuauflage von Searching Eurydice – A Passage into the Underground, das hatte ich schon in der Tabakfabrik gesehen, in der dunklen Garage wirkte es sehr gut. Die positive Stimmung kam wieder.

Die nächste Station war das akademische Gymnasium, Heimat von “Buddha on the Beach” und anderen Installationen, und das war leider alles sehr sperrig. Auch die Beschreibungstexte halfen mir nicht weiter, vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Stimmung, um mich auf die Kunstwerke einzulassen, aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen.


Create Your World. Sehr, sehr spannend!

Im Gymnasium war auch Create Your World zu Hause, das Jugendfestival für unter 19-Jährige (Ältere dürfen natürlich trotzdem auch rein), und das war sehr spannend, es drehte sich alles um die Entwicklung eines Films, um Kostüme, um Requisiten, um Kulissen, um die vielen Arbeitsschritte, die nötig sind, um einen Film entstehen zu lassen, und es konnte überall Hand angelegt werden. Es wuselte, Klein und Groß waren an den einzelnen Stationen fleißig, man merkte allen Anwesenden an, dass ihnen das Werken Spaß machte. Dass ich gerade hier mein persönliches Festivalhighlight finden sollte, das war für mich überraschend. Aber soll so sein, die Richtung, in die Create Your World geht, ist eine sehr vielversprechende.


Para-Sonic 3.0. Eher kryptisch.

Lange habe ich überlegt, ob ich die CyberArts anschaue, an sich ein Pflichtbesuch. Doch letztes Jahr war ich schon relativ stark enttäuscht, weil die meisten Werke leider nicht in natura zu sehen waren, sondern lediglich als Videos bzw. als Dokumentationen. Das liegt natürlich am Budget, viele Installationen sind sehr aufwändig, und die Butter auf dem Brot ist schon reichlich dünn verteilt. Als mir dann berichtet wurde, dass es in diesem Jahr ebenso bzw. sogar nicht schlimmer ist, habe ich für mich auf den Besuch im OK verzichtet. Videos schauen kann ich gemütlich am Laptop zu Hause.

Den Future Innovators Summit, dem inhaltlichen Schwergewicht des heurigen Festivals, habe ich via Livestream verfolgt, an mehreren Tagen, vor Ort war ich nicht, und auch die Präsentationen der einzelnen Workshop-Gruppen hatte ich nicht gesehen, überhaupt muss ich festhalten, dass ich an den Symposien und Konferenzen des Festivals immer ein relativ mildes Interesse habe, das war auch dieses Jahr so, wobei ich es auch nicht geschafft habe, in Erfahrung zu bringen, welche Themen konkret bearbeitet werden. Zu viel, zu umfangreich.

Die Ausstellung im Dom ist allein auf Grund der Atmosphäre des Raumes sehenswert, aber auch hier sieht man nichts, was wirklich anschiebt, es scheint auch die Zusammenstellung der Kunstwerke recht beliebig zu sein. Aber ich gebe zu, dass hier mein persönlicher Akku schon verhältnismäßig leer war.

Ich könnte jetzt noch von einigen weiteren Projekten berichten, aber da ich nur einen relativ kleinen Teil des Festivals besucht habe, wäre so eine Aufzählung sowieso nicht vollständig, daher gehts jetzt gleich ins Resümee.

Zusammenfassendes; TL;DR

Insgesamt hinterlässt C – What it takes to change einen bitteren Geschmack. Mehr noch in den Jahren zuvor wird man von der Fülle des Programms erschlagen, weder der Schedule, noch die Website helfen weiter, um sich zurechtzufinden. Man stolpert in verschiedene Projekte, die auch auf den zweiten Blick nicht unbedingt viel miteinander zu tun haben, fast wirkt es wie ein Jahrmarkt, zu dem verschiedene Aussteller eingeladen werden, um ihre Ideen zu präsentieren.

Daran ist an sich nichts auszusetzen, und es wurde im Vorfeld des Festivals kommuniziert, dass vor allem jene Projekte Einzug ins Festivalprogramm finden, die sich selbst finanzieren (können), dass man nicht mehr die finanzielle Potenz hat, um groß auf den Putz zu hauen. Aber dann sollte man vielleicht nicht auf einem Festivalthema bestehen, das letztlich so unscharf formuliert ist, dass eigentlich eh alles irgendwie hineinpasst.

Das ist ein Versagen der kulturpolitisch Verantwortlichen, das ist ein Versagen, dass man der Ars Electronica nur sehr bedingt anhängen kann. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, sich grundlegende Gedanken darüber zu machen, wie ein Festival in Zukunft aussehen kann, denn die Rahmenbedingungen werden sich in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht zum Besseren verändern. Change ist wohl beim Festival notwendig, womöglich muss die finanziell dünne Suppe gscheit eingekocht werden, damit sie nach der Reduktion wieder gscheit schmeckt und wirklich wieder die Ansprüche erfüllt, die viele Leute an die Ars Electronica haben, weil sie Gutes gewohnt sind.

Es ist schön, wegen den Leuten zum Festival zu kommen, sich mit einem sehr interessanten Menschenschlag auseinanderzusetzen, Ideen zu spinnen, zu diskutieren, sich geistig auszutoben. Aber es wäre noch schöner, wenn auch das Festival an sich wieder seinen Beitrag dazu leistet und die Diskussionen mit Visionärem befruchtet.

Sind Sie Millionär?

Hans Jörg Schelling ist neuer Finanzminister. Wenn man sich seine Vita durchließt, wird scheinbar alles, was er anfasst, zu Gold, ich wünsche ihm von ganzen Herzen, dass dies in seiner Funktion als Finanzminister so weiter geht, Österreich hätte eine Steuer- und Finanzreform dringend nötig, und vielleicht schafft er, was seine Vorgänger aus verschiedenen Gründen nicht geschafft haben.

Am 2.9. wurde Schelling zum Interview in die ZiB2 gebeten, das Gespräch führte Armin Wolf. Im Verlauf des Interviews gab es folgenden Dialog, im Anschluss an eine kurze Diskussion zum Thema Millionärssteuer:

Armin Wolf: Ich frage Sie mal etwas, was einer Ihrer bekannten Vorgänger, Hannes Androsch, gefragt wurde: Sind Sie Millionär?

Hans Jörg Schelling: Ich bin wohlhabend, ich habe Anteile von den Firmen verkauft und ich glaube, dass ich gut auskommen kann damit, und ich sehe auch Vorteile darin, dass ich damit unabhängig werde und manche Dinge etwas entspannter angehen kann, wie jemand, der ausschließlich von diesem abhängig ist.

Armin Wolf: Gut, meine Frage hätte man ganz einfach mit ja oder nein beantworten können.

Hans Jörg Schelling: Wenn Sie so wollen, stimmt das nicht, was in den Medien kolpotiert wird, aber wenn man sagen würde, es gab einmal einen Brief an die Millionäre, ich habe keinen bekommen, aber ich hätte einen kriegen können. *lacht*

Vielleicht liegt es auch an solchen Antworten, die man immer und immer wieder zu hören bekommt, dass man der Politik auf höchster Ebene weder vertraut, noch zuhört. Das Herumgedruckse, das Ausweichen, das “strategische Beantworten”, das geht vielen Leuten, die an sich politikinteressiert sind, vielleicht wirklich schon ein wenig zu stark an die Milz. Ich wäre einer davon.

Es ist kein Problem, Millionär oder Milliardär zu sein, es ist auch kein Problem, das als Politiker zu sein, und wie Schelling eigentlich richtig ist, ist ein (auf legalen Wegen) gut gefülltes Konto sicher keine schlechte Sache, weil man dann nicht bei jedem verlockenden Angebot alles vergisst, was man selbst gut findet.

Aber die Art und Weise, wie sich Schelling um eine Antwort windet, und in diesem Winden auch noch Berufskolleginnen und Kollegen anpatzt (schauts, die sind so arm, die müssen von dem leben, ha, ha), das ist eigentlich zum Kotzen. Und drückt meiner Meinung nach sehr gut aus, wie weit die politische Spitze des Landes vom Volk entfernt ist.

Neue Wörter braucht das Land: Flong

Flong, der

Der Flong stellt sich ein, wenn eine hübsche, geradezu anmutig wirkende Person zu sprechen beginnt und die Stimme, Sprache und auch der Inhalt diametral zum äußeren Erscheinungsbild steht und einem ein kalter Schauer den Rücken herunterläuft.

Vorschläge fürs Radeln

Ich bin täglich in Wien unterwegs. Zu Fuß, öffentlich, aber meistens mit dem Fahrrad. Ich bin auch täglich auf diversen Plattformen im Internet unterwegs, und oft stolpere ich über Artikel, die die Rolle des Fahrrads und der FahrradfahrerInnen in der Stadt diskutieren. Oft ist von Rowdies die Rede, von Rüpeln, die andere gefährden, und das stimmt natürlich nicht. Aber durch tägliche Beobachtung kann ich mir vorstellen, woher diese Meinungen kommen und möchte deswegen ein paar simple Vorschläge liefern, um das Miteinander zu erleichtern, damit man selbst am Rad (wieder) mehr Spaß hat.

  1. Die Stadt ist keine Rennstrecke. Wenn du schnell fahren möchtest, mach das auf Strecken, die es zulassen.
  2. Drängle nicht, überhole nicht an engen Stellen. Für dich ists vielleicht kein Problem, aber für die Person, die überholt wird, kanns ein großes Problem sein.
  3. Fahre nicht bei Rot über die Ampel. Überfahre nicht einfach so Stopptafeln.
  4. Fahre mit Licht, wenns dunkel ist.
  5. Fahre nicht am Gehsteig. Und wenn es sein muss, dann fahre wirklich, wirklich langsam.
  6. Schimpfe nicht, außer auf Sautrotteln. Und klingle nicht, außer du machst auf eine Gefahr aufmerksam. Wenn du Leute aus dem Weg klingelst, bist du ein Sautrottel. Ergänzung: Sautrotteln sind jene, die statt ihre Geschwindigkeit anzupassen lieber die Klingel in Dauerschwingung versetzen.
  7. Wenn du ständig von den selben Leuten überholt wirst, quetsch dich an der Ampel nicht wieder ganz nach vor. Das macht für alle Beteiligten nur Stress.
  8. Fahr hintereinander, nicht nebeneinander, außer es gibt wirklich, wirklich viel Platz.
  9. Fahre rechts. Außer du bist in England oder Neuseeland, dann fahre links. Ansonsten bleib rechts, immer. Lasse dabei natürlich so viel Platz, wie du brauchst, Autotüren sind nicht deine Freunde.
  10. Wenn du dir mit FußgängerInnen den Platz teilst, fahre langsam, auch wenn du im Recht bist.
  11. Wenn du abbiegst, gib ein Handzeichen. Linke Hand raus, wennst links fahrst, rechte Hand raus, wennst rechts fahrst.
  12. Schneide keine Kurven (vor allem nicht, wenn du links abbiegst), und schaue vorm Abbiegen auch nach hinten über die Schulter!

Radfahren ist Fortbewegung und Radfahren ist Spaß. Und mit ein wenig Rücksicht aufeinander wirds für alle besser.

Ergänzung: Diese Vorschläge beziehen sich auf das Verhalten auf Radwegen, wenns nicht explizit erwähnt ist, gehts um die Interaktion mit anderen Radelnden.

Gedanken zum Thema Sexismus

In Österreich wurde auf Grund eines Schlagersängers, der die alte, also falsche Version der österreichischen Bundeshymne bei einem Event gesungen hat, das die Reichweite eines durchschnittlichen Kirtags knapp überschreitet, eine “Sexismusdebatte” losgetreten, ohne zu einem Ende zu kommen (wie vieles in Österreich). Im Zuge dieser Debatte haben eigentlich auch gscheite Leute das Handeln des Sängers verteidigt, unter anderem argumentierte man, dass eh alles passt, dass man künstlerische Freiheit oder Meinungsfreiheit nicht einschränken sollte, bla, bla, bla. Außerdem sei das Problem lächerlich und so weiter und so fort. Nachlesen kann man eine private Diskussion zum Beispiel hier.

Zum konkreten Thema wurde schon vieles geschrieben, zum Beispiel hier: http://www.profil.at/articles/1427/574/376564/elfriede-hammerl-beinharter-respekt

Dennoch möchte ich noch darauf eingehen, wieso es aus meiner Sicht verdammt wichtig ist, diese Diskussion zu führen.

Alltag

“Der Uschi, der sieht man ihre 3 Kinder gar nicht an. Ich mag das ja, wenn Frauen auch nach der Schwangerschaft so auf sich schauen.”

Dieser Satz stammt von einem Mann, der sich mit einem anderen Mann über andere Männer und deren Ehefrauen unterhält. Es geht in der Unterhaltung an sich nicht um das Äußere, aber das passiert automatisch. Wenn man darauf hinweist, dass man die Aussage so eigentlich sehr schräg findet, wird man komisch angeschaut, und es wird gelacht. Ha. Ha.

Das Thema Schwangerschaft ist ja eines, das in der Berufswelt auch an anderer Stelle besprochen wird, vor allem beim Einstellen von Frauen. In einem gewissen Alter (meiner Erfahrung nach alles zwischen 18 und 40) sind Frauen bekanntermaßen wandelnde biologische Bomben, die jederzeit scharf werden können, um sich dann aufzublähen und in die Karenz zu verschwinden. Deswegen sollte man unbedingt davon absehen, Frauen in diesem Alter einzustellen, weil schließlich muss man ja dann für jemanden zahlen, der nicht arbeitet, das geht nicht. Und selbst wenn mans nicht zahlen muss (weil wofür gibts das AMS?), muss man neue Leute suchen, einschulen, ausbilden, alles viel zu anstrengend.

Ab einem gewissen Alter kann man Frauen eigentlich auch nicht einstellen, weil ihnen die Berufserfahrung fehlt, weil siehe oben.

Spaß beiseite.

Ich bin in meinem Leben bei Einstellungsgespräch noch nie nach unseren Kindern gefragt worden. Meine Frau wird bei jedem Vorstellungsgespräch nach unseren Kindern gefragt. Das kommt dann als “Wie sind sie denn vernetzt?”, “Wohnen Ihre Eltern in Wien?” oder “Wer kümmert sich um die Kinder, wenn Sie in der Arbeit sind?” daher. Die einzige gültige Antwort auf diese Frage wäre freilich: “Das geht Sie nichts an, es ist nicht Ihre Sorge, wer sich um die Kinder kümmert, denn die Kinder wollen nicht hier arbeiten, sondern ich.”

Kann man natürlich nicht sagen. Aber die einstellende Seite sieht schon mit Panik den nächsten Pflegeurlaub ums Eck kriechen. Denn dass sich beispielsweise der Mann, der Vater der Kinder um die Kinder kümmert, das ist denkunmöglich.

Solange also zum Beispiel solche Situationen im Arbeitsalltag vorkommen, sind wir von einer Gleichberechtigung lange entfernt, da muss man nicht einmal Statistiken zum Thema Gehalt und so weiter bemühen.

Fernsehen und Vorbildwirkung

“Es scheint, als hätte sie nur auf ihren Freund gewartet.”

Sotchi, 2014. Anna Fenninger gilt als große Favoritin auf Medaillen, in den ersten Rennen gehts noch nicht so auf, wie gewünscht, schließlich gewinnt sie doch. Kommentiert wird das vom ORF mit “Es Scheint, als hätte sie nur auf ihren Freund gewartet.” Weil Ihr Freund später angereist ist, und sie dann zu gewinnen begonnen hat. Sehr lustig. Armes Hascherl Anna Fenninger braucht starke Hand zum Gewinnen.

Sommer, 2014. In Brasilien spielt man eine Fussball-WM, beim ORF sitzen mittelalte bis alte Männer im Kreis und führen Schmäh, während rund um sie halbnackte Frauen Samba oder ähnliches tanzen. Keine einzige Expertin, keine einzige Moderatorin befindet sich im Team.

Das sind für manche Kleinigkeiten. Aber sie senden sehr laute, sehr deutliche Signale.

Und so lange das so ist, muss man überall, wo Sprache und Sendungswirkung dafür genutzt werden, Frauen in einem sexistischen Kontext zu präsentieren, nachfragen und darauf hinweisen, dass diese Zeiten passé sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob bewusst oder unbewusst gesendet wird, wir sind von einer echten Gleichberechtigung noch meilenweit entfernt und jeder einzelne Schritt ist verdammt wichtig.

Baumarktgespräch

Ich bin für Gespräche im Baumarkt nur halbgut geschaffen:

“Ich bräuchte eine Farbe für einen Holztisch, der am Balkon steht.” –

“Da brauchens a Lasur.” -

“Ah, ok, aber mit Farbe.” -

“Foab is owa für drin.” –

“Ah, ja, also, ich meine bunt.” –

“Buntes Hoiz gibts kans.” –

“Na, der Tisch, also, der soll nachher bunt sein, gelb oder so.” –

“Na, da brauchens aber an Lack.” -

“Für draußen?” -

“Fürs Hoiz.”