Eugen Freund

Es wurden gerade die Wahlplakate der SPÖ für die EU-Parlamentswahl präsentiert, und ich glaube, der SPÖ ist dabei ein kleiner Fehler unterlaufen. Von dem, was Eugen Freund im Wahlkampf bisher gezeigt hat, sollte das Plakat meiner Meinung nach nämlich so aussehen:

Ich möchte Eugen Freund zu nahe treten: Würde jemand, der überdurchschnittlich viel an Politik interessiert ist, überdurchschnittlich viel in Tageszeitungen liest, überdurchschnittlich viel im Internet zu diversen Themen liest, diese Person würde wesentlich souveränere Interviews geben, als Eugen Freund.

Und ich denke, solche gerade eben beschriebene Personen gibt es in Österreich wahrscheinlich mindestens 5000, wenn nicht wesentlich, wesentlich mehr.

Mir geht nicht in die Birne hinein, wie ein ehemaliger ORF-ler, der Jahrzehnte in der Öffentlichkeit verbracht hat, so wenig weiß, so patzig ist, und so ein schlechtes Bild von sich zulässt. Und dass die SPÖ so im Eck ist, dass sie niemand anderen findet.

Bildung ist keine Haushaltsware

Da ich gerade nicht schlafen kann (Ergänzung: Es ist 3:00 Uhr), schaue ich mir an, was Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek in der ZiB2 mit Armin Wolf dazu zu sagen hat, dass im neuen Budget die Ausgaben für das österreichische Schulsystem reduziert werden. Ich schreibe mit, was sie sagt, und streiche meine Lieblingsstellen hervor, und kommentiere.

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Wolf: Die Bildungsministerin ist jetzt bei mir im Studio, guten Abend, vielen Dank fürs Kommen!

Heinisch-Hosek: Guten Abend!

Wolf: Frau Bundesministerin, “Sparen im Bildungsbereich halte ich für falsch” sagt ihr Parteifreund Michael Häupl, Bürgermeister, würde man diesen Satz nicht eigentlich von der Bildungsministerin erwarten?

Heinisch-Hosek: Ich glaub, wir alle halten es für nicht ganz toll, so wie er es formuliert hat, dass wir auch im Bildungsbereich sparen, aber…

Wolf: Er hat gesagt, er hält es für falsch.

Heinisch-Hosek: Überlegen Sie sich. Er hat gesagt: Nicht ganz toll, jetzt gerade im Beitrag, und.

Wolf: Und dann hat er gesagt, er hält es für falsch. (Im Beitrag sagt Häupl: “Ich halte sparen generell gesehen im Bildungsbereich für falsch, um das relativ klar und einfach zu sagen, um aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen.” Wozu diskutiert man diese Aussage also überhaupt?)

Heinisch-Hosek: Prinzipiell glaube ich, dass es im Bildungsbereich schwierig ist hier, auch positiv diese Einsparungen darzustellen, ich werde es dennoch versuchen, Herr Wolf. Es ist doch so, lassen Sie mich doch bitte bitte nur ganz kurz erklären, wie es dazu kam, dass wir trotz der Einsparungen 80 Millionen für die Ganztagsbetreuung haben, dass ich trotzdem meinen Budgetrahmen erhöht habe bekommen, damit wir überhaupt den Schulbetrieb erhalten können, aber dennoch pro Jahr 57 Millionen einsparen muss, das stimmt.

Wolf: Aber Frau Ministerin, was viele Menschen nicht verstehen: Warum müssen Sie 57 Millionen ausgerechnet in der Schule sparen, wenn die Hypo mindestens, mindestens 7 Milliarden Euro kosten wird.

Heinisch-Hosek: Ich glaube, dass es wichtig ist, hier zu sagen, dass diese Bundesregierung ein Bundesland nicht in die Pleite hat gehen lassen, wir haben Kärnten geholfen, wenn die Hypo insolvent geworden wäre, wäre das für Kärnten fatal gewesen, das wollten wir nicht. Wir wollten einem Bundesland helfen, wir wollten damit tausende Arbeitsplätze auch nicht gefährden, aber auch Kärnten und alle anderen Bundesländer werden jetzt einen Beitrag leisten müssen zum Bildungsbudget.

Wolf: Frau Ministerin, wir geben 7, 8, 9 Milliarden aus, um Kärnten zu retten, 300 Millionen allein für die Beratungskosten bei der Hypo, da kommts auf die 57 Millionen im Bildungsbereich auch nicht mehr an. Ich würd sagen, da sparen wir halt bei der Schule nicht mehr.

Heinisch-Hosek: Und genau diese 57 Millionen werd ich jetzt verträglich in diesen Maßnahmen präsentieren, das mach ich nächste Woche, mit allen relevanten Gruppen, und wissen Sie, ich musste diese Verordnungen jetzt auch festlegen, damit die Bundesländer planen können, wir wollen doch im Herbst nicht die Klassen dastehen haben ohne Lehrerinnen und Lehrer. Das heißt, für die Planung wars jetzt wichtig, Vorschläge zu machen. (Man plant also eh schon ein halbes Jahr im Voraus, was an österreichischen Schulen passiert, gut, gut.) Und jetzt ist die richtige Zeit, mit den einzelnen Gruppen darüber zu reden, wie kreativ und flexibel können wir diese Maßnahmen umsetzen und das meine ich absolut nicht zynisch, sondern ganz ernst. Wir können Gruppengrößen auch noch verändern, obwohl ich sie per Verordnung festgelegt habe, indem wir ganz flexibel autonom den Schulen endlich die Möglichkeiten geben, die Gruppengrößen selber zu gestalten.

Wolf: Frau Minister (!), aber was man nicht ganz versteht: Klar müssen die Schulen fürn Herbst sparen, jetzt wollen Sie nach Ostern diese fünf Schulgipfel machen, da hätten Sie nicht noch eine Woche oder zehn Tage mit Ihrer Verordnung warten können?

Heinisch-Hosek: Nicht nur die fünf Schulgipfel. Erstens ist auch die Budgetrede, wir müssen das Budgetbegleitgesetz machen, die 57 waren zu bringen, wie gesagt, 80 für Ganztagsbetreuung sind da, 130 Rahmenerhöhung wurden auch ausverhandelt, die 57 werde ich jetzt sehr flexibel mit den Ländern diskutieren. Wenn wir zum Beispiel Schulstunden verändern, wenn wir die Minuten verändern, können wir Stunden freibekommen,(Mein Vorschlag: Eine Schulminute sind ab jetzt 50 Sekunden, und eine Schulstunde 40 Schulminuten. Was da für echte Stunden freiwerden, da muss jedem das Herz aufgehen.) um diese Teile, übrigens nicht in Englisch, das muss ich richtigstellen, in Deutsch, Mathematik und einem Fachbereich nur auf der neunten Schulstufe, auch die könnten wir gemeinsam noch verändern, all das ist möglich, wenn die Bundesländer das flexibel mit mir diskutieren.

Wolf: Das heißt, Ihre an sich als Ministerin verbindliche Verordnungen sind jetzt eigentlich nur unverbindliche Vorschläge gewesen?

Heinisch-Hosek: Überhaupt nicht. Die verbindlichen Verordnungen dienen dazu, die Millionen einzusparen, weil wir danach die Werteinheiten der Lehrerinnen und Lehrer (?!?) und die Stellenpläne an die Bundesländer ausschicken müssen. Schulautonom können wir dennoch es ermöglichen, dass man hier die ein oder andere Verschiebung innerhalb von Schulstandorten sogar auf der neunten Schulstufe noch schafft. (Ich verstehe diese Aussage gar nicht.)

Wolf: Nur dass wir ein ganz konkretes Beispiel nennen: Sie haben verordnet, im Informatikunterricht wird künftig nicht mehr bei 13 Schülern in 2 Gruppen geteilt, sondern bei 25, jetzt haben wir massenweise Mails von Lehrern bekommen, die sagen, es gibt überhaupt keine Schule in Österreich, die einen Computersaal mit 22 oder 23 Computerarbeitsplätzen hat, wie soll das in der Praxis gehen?

Heinisch-Hosek: Keine einzige Schule in Österreich glaub ich nicht, die gibts sehr wohl, aber dennoch können wir bei Informatik, wenn wir zum Beispiel sagen, wir teilen die Klassen trotzdem, machen ein halbes Jahr lang einen Musikschwerpunkt anders, (Was hat Musik mit Informatik zu tun und wie bedingt das eine das andere?) also Schwerpunkte anders setzen auf Grund dieser Einsparvorgaben, das wird möglich sein in Zukunft, das heißt, wir sind alle gefordert, hier kreativ nachzudenken, dass die beste Bildung auch im Klassenzimmer ankommt (Wieso denken Sie nicht kreativ nach?) und nicht man den Horror erzählt, dass 25 Computer nicht da wären und man die Kinder nicht mehr unterrichten könnte, da könnten wir kreativ sein.

Wolf: Das heißt, wenn ich Sie richtig versteh: Jeder Schuldirektor kann selber entscheiden, wo er in seiner Schule einspart, er kann auch weiterteilen wie bisher?

Heinisch-Hosek: Das möchte ich gemeinsam mit den Bundesländern, genau dafür sind die Gipfel da, dazu möchte ich mit den Landeshauptleuten auch sprechen, um den Schulleiterinnen und Schulleitern autonom mehr Möglichkeiten zu geben, Stundentafeln zu verändern, neue Gegenstände zu kreieren (?!?), einen Gegenstand vielleicht für ein halbes Jahr nicht so zu unterrichten, sondern einen anderen umso mehr, das möchte ich autonom möglich machen, ja.

Wolf: Das kriegen Sie bis Herbst hin?

Heinisch-Hosek: Das will ich bis Juni hinkriegen, weil ich ab jetzt schon mit den Ländern dazu verhandeln möchte. Kreativität war ja gefragt, auch von den Ländern, ich möchte sie zurückgeben.

Wolf: Österreich hat eines der teuersten Schulsysteme der Welt und da können Sie nicht ein Dreiviertel Prozent Ihres Budgets einsparen, ohne dass es die Schüler bemerken?

Heinisch-Hosek: Also mehr als ein Drittel all dieser Einsparungen von den 57 Millionen bringe ich aus der Verwaltung, die nicht einmal zwei Prozent der Kosten berträgt. Das heißt, hier mache ich schon eine maximale Kraftanstrengung, und ich möchte auch Kostenwahrheit bei den Lehrerkosten und genau darum gehts auch in einer Runde hoffentlich mit den Landeshauptleuten im Mai, wenn die nächste Landeshauptleutekonferenz ist, denn auch hier sind die Abrechnungen nicht immer so, wie die, die ich bezahlen muss.

Wolf: In der neuen Mittelschule, da kürzen Sie die Stunden beim TeamTeaching, bei dem zwei Lehrer gemeinsam in der Klasse stehen. Das war genau die große, neue Neuerung in der Mittelschule, da fahren Sie jetzt zurück, ist das gscheit?

Heinisch-Hosek: Ich mach aus 12 doppelbesetzten Stunden 10, bin sehr überrascht gewesen, dass ich auch in den letzten Tagen und Wochen erfahren musste, dass die ersten 6 Stunden, die von den Ländern gegeben werden, auch nicht immer ankommen in der Klasse (Wo gehen diese Stunden hin, stangeln die etwa?), auch darüber wird zu reden sein, und ich glaub sogar, wenn wir von 12 auf 10 im Optimalfall kürzen, ich konnte nur bei den Bundeslehrern eingreifen, den Landeslehrern, ah, mit den Ländern muss ich das jetzt noch selbstverständlich verhandeln, dann ist es so, dass ich aus 6 4 Stunden mache, aber dennoch noch 10 übrig bleiben sollten, und sogar hier könnte man im autonomen Bereich so umschichten, dass man sagt: In ganz kleinen Klassen, wo trotzdem 2 Lehrer drinnen sind, schauen wir mal ein Jahr lang, dass wir sie mit einem Lehrer schaffen und ich geb den Lehrer in große Klassen, auch das wird möglich sein.

Wolf: Jetzt fragen sich ja trotzdem viele: Wieso müssen Sie das trotzdem sparen? Setzt die Regierung ihre Mittel richtig ein? Die Regierung hat jetzt beschlossen, die Familienbeihilfe zu erhöhen, um 4 bis 6 Euro pro Monat, das sind 2 kleine Braune oder ein Packerl Zigaretten, das merken nicht mal arme Familien wirklich im Geldbörsel, 4 bis 6 Euro im Monat, das kostet aber 800 Millionen in Summe. Wärs nicht gescheiter, das in Sachleistungen, in Bildung zu investieren, dort, wos wirklich ankommt?

Heinisch-Hosek: Ich glaub, jedes Ressort hat seine Schwerpunkte gesetzt, dass die Familienbeihilfe jetzt monatlich gezahlt wird, ist wichtig, es gibt Familien, die im Zwei-Monats-Abstand dieses Geld zu schnell verbrauchen und nicht damit auskommen können, ich glaub, wir müssen hier in kleinen Schritten versuchen, in allen Bereichen Veränderungen, zum Teil Verbesserungen, bei mir sinds kreative Veränderungen, vorzunehmen, damit wir bei unseren Kindern in der Klasse auch Bildung ankommen lassen können und trotz dieser Einsparmaßnahmen es schaffen, gemeinsam, nicht ich alleine, da nehme ich die Verantwortung jetzt, gebe ich sie auch an die Länder, dass wir das gemeinsam schaffen, dass wir unsere Kinder hier nicht zurücklassen, dass wir alle Kinder auch mitnehmen können.

Wolf: Frau Heinisch-Hosek, ist nicht genau das, was viele Menschen so sehr an der Politik nervt, wenn man ihnen Kürzungen von 57 Millionen als kreative Veränderungen verkaufen will?

Heinisch-Hosek: Nein, das habe ich keinesfalls gesagt, ich verkaufe es nicht als kreative Veränderungen, sondern ich möchte die Kreativität der Länder nützen, wie wir mit den Mitteln, die wir jetzt haben, mit denen wir auskommen müssen, ich hab mich dazu bekannt, so wie alle anderen Ressorts, auch einzusparen, auch die Familienministerin muss in anderen Bereichen einsparen, so dass wir hier gemeinsam kreativ nachdenken, wie wir trotzdem mit den geringeren Mitteln die Kinder nicht auf der Strecke lassen können, das habe ich mit Kreativität gemeint.

Wolf: Vielleicht müssen Sie auch deswegen so viel einsparen, weil so viel Geld in den letzten Jahren für die neue Mittelschule ausgegeben wurde, und da sagen jetzt alle, nach den bisherigen Auswertungen: Das hat nichts gebracht. Der Rechnungshof ist dagegen, alle sagen, die neue Mittelschule bringt um sehr viel Geld genau die gleichen Ergebnisse, wie die billigere Hauptschule vorher.

Heinisch-Hosek: Der Rechnungshof rechnet nach. Das nehme ich auch ernst. Der Rechnungshof kann nicht pädagogisch bewerten. Da behaupte ich, da weiß ich, dass die neue Mittelschule nicht lange genug wirken hat können, als dass wir hier schon schauen. Ich möchte aber auch die Evaluierung vorantreiben und schon Mitte des Jahres habe ich einen Bericht angefordert, damit wir schneller nachschauen können, hinkt noch irgendwo das System nach, müssen wir noch etwas nachjustieren und verändern, das werde ich vorantreiben, ja.

Wolf: An sich sparen Sie ja auch bei den Evaluierungen, Österreich nimmt nicht am nächsten Pisa-Test teil, weils dieses Datenleck an Ihrem Bildungsforschungsinstitut gab, das wurde auch viel kritisiert und da hat jetzt interessanterweise Wirtschaftskammerpräsident Leitl vor ein paar Tagen in einem Interview gesagt, er kenne Sie gut und wisse, dass Sie vernünftigen Argumenten zugänglich sind. Hat er Sie überzeugt, gibts den Pisa-Test doch im nächsten Jahr wieder?

Heinisch-Hosek: Es kann heuer keine Feldtestungen, diese Probetestungen geben, weil wir bis Jahresende schauen müssen, wie wir die Strukturen im Bildungsforschungsinstitut auf die Reihe bekommen und die Datensicherheit überprüfen. Das heißt in der Folge auch im nächsten Jahr, weil die Feldtestungen Voraussetzung sind, kann es keine Pisa-Tests geben.

Wolf: Das ist endgültig?

Heinisch-Hosek: Das ist soweit einmal gegessen, weil wir bis Jahresende brauchen werden, ja.

Wolf: An den Pisa-Studien nehmen rund 60 Länder teil. Ist es nicht peinlich, dass Kasachstan, Vietnam, Tunesien das hinkriegen, aber Österreich, eins der reichsten Länder der Welt, nicht?

Heinisch-Hosek: Heuer tut uns diese Testpause glaube ich gut, wir haben die von Ihnen schon erwähnten Bildungsstandards, wir werden mit diesen Daten, und die möchte ich gerne auch anonymisiert zur Verfügung stellen, weiterforschen können, da können wir uns im eigenen Land sicher sehr gut weiterentwickeln.

Wolf: Sie finden es wirklich nicht peinlich?

Heinisch-Hosek: Nein, ich finde es zu dem Zeitpunkt jetzt nicht peinlich, weil es einen äußeren Grund gegeben hat, dass ich diese Maßnahme treffen muss.

Wolf: Frau Bundesministerin, vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.

Heinisch-Hosek: Danke.

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TL;DR

Ich würde gerne eine Zusammenfassung anbieten, aber sie wäre nicht viel länger als: Man muss sich anschauen, wie man sichs anschauen muss, damit man sichs anschauen kann. Und dass Kürzungen keine Kürzungen sondern Möglichkeiten sind.

Jetzt bin ich wirklich kein Freund von billigem Populismus, könnte jetzt Hypo rufen (und mich wundernd darauf hinweisen, dass über besonders schöne Seite der Hypo-Affäre eigentlich noch nicht gesprochen wurde), aber bei diesen Aussagen muss man das nicht mal machen.

Die Art und Weise, wie Heinisch-Hosek in ihrer Funktion als Unterrichtsministerin über Bildung spricht, als wäre es irgendeine Art von minderwertiger Ware, bei der man nur originell versuchen muss, sie anders zu verpacken, und sie dann eh schon irgendwie an Mann und Frau gebracht wird, kann eigentlich nichts anderes auslösen als 100% Zweifel daran, dass Österreich beziehungsweise dessen Regierung auch nur annähernd ein Konzept hat, wie man die Bildung der kommenden Generationen so gestalten kann, dass man auch in Zukunft gut dasteht.

Dass eine Bildungsministerin auch ausdrücklich sagt, dass man ohne Maßnahmen vor geschlossenen Schulen stehen würde, ist einfach nur depperte Panikmache. Oder das Bildungssystem ist tatsächlich in einem dermaßen desolaten Zustand. Was das allerdings bedeuten würde, das möchte ich mir jetzt gar nicht vorstellen.

In eigener Sache: Schlafen kann ich jetzt noch weniger, als vorher. Ich kann also bei Schlaflosigkeit nicht empfehlen, ein Interview mit Heinisch-Hosek zu transkribieren.

Nachtrag, 18.4.2014

Heinisch-Hosek hat ihre Verordnungen nun zurückgenommen. “Ich mische die Karten neu und werde alle Verordnungen zurücknehmen.” Was prinzipiell zu begrüßen ist.

Aber was ist denn das bitte für eine Art, Politik zu betreiben? Zunächst mit Verordnungen drüberfahren, verkünden, dass eh alles leiwand ist, aber dass man einsparen muss, weil sonst im Herbst kein Schulbetrieb mehr möglich ist, und nicht einmal eine Woche nachher zieht man die Verordnungen wieder zurück, mit einem: “Ups, euch gfallt das nicht, na, da müss ma halt doch noch reden.”

Was zur Hölle soll das?! Das österreichische Bildungssystem ist doch kein Spielzeug und ganz sicher kein Experimentierkasten, kann man das Thema besonnen und mit langfristiger Perspektive behandeln und nicht mit Husch-Husch-Populismus?

Fahrradfahren in Wien

Gradaus: Ich erledige so gut wie alle meine Wege in Wien mit dem Fahrrad, bin begeisterter Radfahrer, sowohl als Transportmittel im Alltag, als auch als Sport und Hobby. Deswegen ärgern mich die Dinge, die gleich folgen werden, besonders.

Situation 1

Ich fahre die Margaretenstraße entlang, auf dem Radweg, der Richtung Zentrum führt. Der ist nicht viel breiter als ich selbst, was nicht unbedingt nur an meiner Überbreite liegt. Ich vernehme ein nervöse Klingeln, da ich aber nicht langsam unterwegs bin und ich ungern genötigt werde, verlasse ich den Radweg nicht, auch, weil sich auf dem Gehsteig einige Passanten bewegen. An mir zieht eine junge Dame vorbei, auf einem Fahrrad, das sich mit dem Wort “ranzig” ganz gut beschreiben lässt. Die junge Dame berührt mich dabei mit ihrem Lenker und ihrer Schulter. Ich rufe ihr hinterher, dass sie mit dem Fahrrad ein wenig aufpassen sollte, woraufhin sie sich umdreht, mir den Mittelfinger zeigt und dabei beinahe zwei Kinder abschiesst, die gerade bei einem Schutzweg den Radweg und die Straße queren wollen. Ein paar Meter weiter fährt die junge Dame fast in eine Auto hinein, das ist der Moment, in dem ich sie einholen und deutliche Worte für ihr Verhalten finden möchte.

Situation 2

Wien Döbling. Ich fahre mit meiner Familie nach Hause, auf der Billrothstraße. Meine Frau mit Kindern im Nihola (Familiendreirad) vorne, ich hinten. An der Kreuzung mit der Peter Jordan Straße bleiben wir an der Ampel stehen, auf dem Radweg. Rechts neben uns befindet sich eine Busspur, links der Fahrstreifen, der Radweg ist dazwischen eingezeichnet. Wir fahren los, signalisieren per Handzeichen, dass wir nicht die Billrothstraße, sondern die Gymnasiumsstraße fahren werden, wir verlassen also den Radstreifen (der die Billrothstraße weiterführt) und wechseln auf die Spur, die vor der Kreuzung noch eine Busspur war. Nicht ein, sondern zwei KFZ pressen noch an uns vorbei, bevor die Gymnasiumstraße zu eng wird, um uns zu überholen. Beide Fahrzeuge waren vor der Kreuzung nicht auf dem Fahrstreifen, sondern sind direkt über die Busspur gefahren. Das zweite Fahrzeug lässt zwischen dem Nihola, in dem zwei kleine Kinder und meine Frau sitzen, nicht mehr als 15 cm Platz. Das ist der Moment, in dem ich versuche, die Lenkerin des zweiten KFZ einzuholen und zur Rede zu stellen, aber ich bin nicht Lance Armstrong.

Situation 3

Meine Frau fährt die Waaggasse entlang, mit ca. 75 cm Abstand zu den querparkenden Autos. Erlaubt sind 1,5m. Ein KFZ nähert sich von hinten, der Fahrer hupt, zunächst einmal, dann zwei Mal hintereinander. Meine Frau dreht sich um, weil sie sich wundert, was das Problem ist, der Fahrer steigt aufs Gas und zieht an ihr vorbei. Platz lässt er fast keinen, die Gasse ist eine 30er-Zone, und meine Frau fährt generell auch nicht langsam. An der Kreuzung zur Margaretenstraße muss der Fahrer stehenbleiben, weil vor ihm ein anderes Fahrzeug darauf wartet, abbiegen zu können. Das macht der Fahrer so, dass er sein Fahrzeug diagonal hinstellt, so dass man weder rechts, noch links an dem Fahrzeug vorbeikommt. Meine Frau rollt langsam links vorbei, bleibt am linken vorderen Eck des KFZ stehen und stellt den Fahrer zur Rede. Dieser beschimpft, steigt aufs Gas und fährt in das Vorderrad des Fahrrads meiner Frau. Das Fahrrad kippt, fällt aber nicht, meine Frau steigt an und droht jetzt mit Anzeige. Der Fahrer steigt nochmal aufs Gas, fährt nochmal in das Fahrrad hinein und begeht daraufhin Fahrerflucht. Meiner Frau ist zum Glück bis auf einen Schock nichts passiert, dem Rad auch nicht.

Schön ist allerdings auch, was im Anschluss passiert: Ca. 3 Stunden nach dem Vorfall möchte meine Frau den Vorfall bei der Polizei melden. Sie erzählt, was vorgefallen ist, die Polizei fragt nach, ob etwas passiert sei, das wird verneint. Die nächste Frage gilt dem Zeitpunkt des Vorfalls. Und was dann passiert, ist sensationell: “Sie sollten froh sein, dass Sie nicht selbst eine Anzeige wegen Fahrerflucht bekommen, weil sie sich nicht innerhalb von 20 Minuten bei uns gemeldet haben!” Das Kennzeichen des KFZ wird notiert, die Personalien werden notiert, sonst nichts. Da es sich laut den anwesenden Polizisten um einen Unfall handelt, obwohl der Fahrer absichtlich in das Fahrrad gefahren ist, wird auch erst gehandelt, wenn der Fahrer wieder auffällig wird. Angeblich.

Fazit

Jetzt könnte man in allen 3 bzw. 4 Situationen sagen: Sautrotteln. Und hätte damit recht.

Allerdings kommen solche Situationen auch deswegen so häufig vor, weil es die Infrastruktur der Stadt Wien kaum anders zulässt, sie ist nämlich für Radfahrende weiterhin dürftig. Wenn verschiedene Gewichts- und Geschwindigkeitsklassen aufeinandertreffen, wird es in einer gewissen Anzahl an Situationen zu Konflikten kommen, das liegt daran, dass wir nun mal keine Engel sind und öfter als nötig die Nerven wegschmeissen und uns einfach dämlich verhalten.

Was man allerdings verbessern kann, ist die Anzahl der Situationen, in denen es zur Interaktion zwischen verschiedenen Geschwindigkeitsklassen kommt. Von 100 Begegnungen verlaufen 5 deppert. Aber es ist ein Unterschied, ob man diese 100 Begegnungen in 1 oder 2 Tagen hat, oder in 5 oder 6 Monaten.

Um die Anzahl dieser Begegnungen zu senken, braucht man eine entsprechende Infrastruktur. Und die Stadt Wien muss dafür sorgen, dass diese so schnell wie möglich geschaffen wird, nach Vorbildern, die funktionieren. Denn ein wenig Farbe auf der Straße wird uns nichts bringen.

Wir produzieren zu viele Abgase, es gibt immer mehr Leute, die übergewichtig und/oder ungesund sind, es gibt weiterhin viel zu viele Verletzte und Tote.

Das Aufbauen einer Infrastruktur, die das Fahrradfahren für alle, Junge, Alte, Gebrechliche, Sportliche, fördert, ist ein wichtiger Punkt, um diese Probleme zu lösen und die Stadt Wien noch lebenswerter zu machen. Und die Stadt Wien muss Gas geben.

Gastbeitrag: Herr Sebastian zum Thema Sprache

Man (!) kanns ja auch übertreiben mit DEM dämlichen (!) Gendering. Das macht doch unsere herrliche (!) Sprache kaputt, die war doch schon immer so, und haben wir denn keine anderen Sorgen?! Heissts dann vielleicht Frauen- statt Herrengasse oder vielleicht sogar Stephanie- statt Stephansplatz (hahaha!)?

Weil, Frauen müssen einfach das Gleiche verdienen, das ist wichtig. Aber Quotenregelung … nein … ich stell doch niemanden ein, weil er Titten hat. Er muss besser (?) schon auch sein!

Und außerdem wollen Frauen das ja auch nicht, also bitte.

  1. Wer von euch denkt zumindest dreimal drüber nach, was er (sie) spricht und schreibt? SMS, Chats, Facebook zählen nicht.
  2. Wer von euch ist in der Position, Menschen einzustellen und ihnen Lohn zu bezahlen?
  3. Sagt ihr zu einer Frau, bei der ihr Zigaretten gekauft habt, auch Trafikant? Oder gehts vielleicht doch meistens nur um den Plural?
  4. Kann ein Schwarzer auch rassistisch sein?

Hmm…

Danke schön an Herr Sebastian für diesen Beitrag.

Wollen Sie mich pflanzen?

Da ist wohl alles gesagt.

Pflanzen wollen wir Sie nicht. Aber schön langsam würde ich mir wünschen, Sie, Herr Mitterlehner, würden sich umpflanzen, gemeinsam mit Ihrer ganzen Truppe, am besten irgendwohin ganz weit weg. Bitte.

Spaßvogel Michael Knoll

Meine Bewerbung für die aktuell vakante Stelle des Burgtheaterdirektors hat es auf die Seiten von Österreich geschafft. Das freut mich natürlich, auch, weil ich quasi in einem Atemzug mit Harald Schmidt genannt werde.

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Eine Sache stört mich allerdings, und zwar die Bezeichnung als Spaßvogel. Deswegen habe ich Österreich geschrieben:

Sehr geehrte Redaktion!

Einerseits freue ich mich, dass meine Bewerbung für den aktuell vakanten Posten des Burgtheaterdirektors in Ihrem Blatt aufgegriffen wurde, möchte allerdings darauf hinweisen, dass ich kein Spaßvogel bin. Auch wenn meine Bewerbung humoristisch formuliert wurde, ist die zu Grunde liegende Kritik ernst zu nehmen und nicht mit der Einzelmeinung eines “Spaßvogels” abzutun. Das Verhalten des Herrn Hartmann ist nämlich nichts weniger als zum Kotzen.

Dicke Grüße
Michael Knoll

Bewerbung Direktion / Geschäftsführung Burgtheater

Das Burgtheater sucht einen neuen Geschäftsführer, ich habe mich beworben:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Hiermit bewerbe ich mich um die aktuell vakante Stelle des Burgtheaterdirektors. Oder Geschäftsführer der entsprechenden Holding, da bin ich nicht kleinlich. Ich habe zugegebenermaßen keinerlei Erfahrung im Leiten eines großen Theaterhauses (oder eines kleinen, den Haushalt zu Hause leite ich, auf geringfügiger Basis), gleiche dies allerdings durch großen Lernwillen aus, ich bin mir sicher, dass ich mit der Herausforderung wachsen werde.

Die kaufmännische Seite des Betriebs gebe ich gerne in kompetente Hände ab und schaue dann fleißig über die Schulter, je nachdem, was im Nachhinein kommuniziert werden soll, bin ich weder eitel, noch schwierig, meine Position ist mit situationselastisch gut umschrieben.

Klagen im rechtlichen Sinne haben Sie von meiner Seite nicht zu fürchten, Anwälte kann ich mir nicht leisten. Auf Grund meiner Elastizität erwarte ich mir von Ihrer Seite allerdings auch Entgegenkommen und entsprechende Verschonung.

Wieso bin ich der Richtige? Ich übernehme Verantwortung (zumindest pro forma), wecke Sympathien, sorge für Lacher, kurz: Ich bin der ideale Theaterpausenclown. Und billiger. Und nicht gierig.

Auf das Beifügen eines Lebenslaufs verzichte ich, meine Qualitäten sind nicht auf Papier zu bringen, ich wirke in Echt, und Wirken ist im Theater schließlich alles.

Dicke Grüße
Michael Knoll

PS: Sollten Sie nicht die/der Zuständige für die Vergabe dieses Postens sein, bitte ich Sie darum, mein Ansinnen an die entsprechenden Verantwortlichen weiterzuleiten.

Update

Das Bundesministerium für Kunst und Kultur, Verfassung und öffentlichen Dienst, konkret Pressesprecher Euler-Rolle, hat zurückgerufen. Ich glaube, ich bekomme die Stelle nicht.

Schleichts euch mit der Festplattenabgabe

In Österreich wird aktuell über das Einführen einer Abgabe diskutiert, die beim Kauf von Festplatten anfällt und Künstlerinnen und Künstler zu Gute kommen soll. Denn schließlich könnte man auf einer Festplatte auch illegal bezogene Inhalte speichern, deswegen soll man gleich präventiv zahlen. Besonders Progressive wollen diese Abgabe gleich auch für Mobiltelefone einführen, sind ja heute kleine Computer. In den Medien wird dieses Bestreben so dargestellt, dass es von KünstlerInnen ausgeht, von Kunstschaffenden.

Nun, ich bin ein Kunstschaffender, und ich bin nicht dafür, diese Abgabe einzuführen. Weil sie vor allem Industrien und KünstlerInnen dient, die einerseits den Hals nicht voll genug bekommen können, und andererseits nicht Willens sind, sich an veränderte Spielregeln anzupassen.

Die Festplattenabgabe wird nicht dem österreichischen Film zu Gute kommen, sondern manchen.

Die Festplattenabgabe wird der österreichischen Musik nicht zu Gute kommen, sondern manchen.

Denn natürlich werden die Verteilungsschlüssel nicht angepasst, für kleine Künstlerinnen und Künstler zahlt sichs doch gar nicht aus, das eingenommene Geld auszuzahlen, das würde doch der Verwaltungsaufwand gleich wegfressen. Und wieder würden wenige bestimmen, was Kunst ist und was nicht.

Was förderungswürdig ist und was nicht.

Genauso wie heute.

Das Hauptargument lautet: “Alle wollen Kunst und niemand mag dafür zahlen.”

Stimmt, deswegen gibt es Förderer und Förderinnen, private und öffentliche, die freiwillig dazu beisteuern, dass Künstler und Künstlerinnen von ihrer Kunst leben können. Aber alle in die Pflicht zu rufen, das geht nach hinten los.

Die selben Gesichter würden profitieren, und für die Unbekannten würde das weiter gefestigte Stigma übrig bleiben, dass man als Kunstschaffender nur die Hand ausstreckt. Vielen Dank!

Kunst gehört zu einer zivilisierten Gesellschaft, wer das hinterfragt, sollte die eigene Position in eben jener hinterfragen, das steht nicht zur Diskussion. Aber wieso man über neue Abgaben versucht, ein Fördersystem zu reparieren, das im Innersten defekt ist, das sehe ich nicht ein.

Und es geht vielen Kunstschaffenden genauso. Nicht nur jenen, deren Kunst gar nicht auf eine Festplatte zu bannen ist, oder ist Bildhauerei etwa keine Kunst, oder Theater?

Daher an alle Kunstschaffenden, die in der Festplattenabgabe ihr Heil suchen: Findet Wege, eure Kunst in der heutigen Zeit und unter den heutigen Rahmenbedingungen mit Relevanz aufzuladen. Die Hand auszustrecken ist leicht, Kunst zu schaffen ist es nicht. Es war noch nie so einfach, von seiner Kunst zu leben. Und wahrscheinlich noch nie so schwierig.

Ergänzung

Was ich vergessen habe: Es gibt seit Jahr und Tag in Österreich die Leerkassettenvergütung, aus der sich unter anderem der Fördertopf der SKE speist. Die Argumente Für und Wider sind aber bei der Leerkassettenvergütung die selben wie bei ihrer Anpassung an moderne Technologien wie Festplatten. Ich selbst bzw. meine Band bezieht Förderung von der SKE, aber ich halte es trotzdem nicht für richtig, dass sich ein verhältnismäßig kleiner Topf für verhältnismäßig Viele ausgehen muss, während an anderer Stelle Geld scheinbar abgeschafft zu sein scheint. Der Kuchen ist groß und fett genug, man muss ihn nur anders verteilen.

Bitte per SMS!

Man schreibt eine Email und erhält folgende Nachricht:

“Sorry, habs erst jetzt gesehen und bin schon unterwegs. Bei mir ist in solchen Fällen SMS besser. – Sent from my iPhone”

Wie soll man darauf reagieren? Verwunderung? Ärger? Soll man pädagogische Maßnahmen ergreifen?

Ach, es ist Montag.

Wer ist schuld?

In Österreich macht wieder mal ein Skandal seine Runden, der auf den selben Fundamenten aufgebaut ist, wie alle Skandale davor, nämlich einerseits auf dem de facto Aufheben der in einer Demokratie notwendigen Trennung von Legislative, Judikative und Exekutive und andererseits eines in weiten Teilen verkümmerten Journalismus, der nur Bericht erstattet, statt zu recherchieren und zu informieren. Der Skandal ist diesmal ein wenig größer, es sind ein wenig mehr Leute als sonst involviert, aber im Prinzip hat man als gelernter Österreicher schon die passende Antwort parat: Man zuckt mit den Schultern und denkt sich “Eh kloa.”

Allerdings gibt es eine hoffentlich immer größer werdende Gruppe an Menschen, die sich danach fragt, wer denn eigentlich Schuld daran ist, dass ständig solche Dinge passieren, in einem Land, in dem sichs eigentlich recht leiwand leben ließe. Sind die PolitikerInnen schuld? Wahrscheinlich schon auch irgendwie, schließlich sind die agierenden Personen, aber sie werden von uns, vom Volk, gewählt, wir geben ihnen gewissermaßen das Recht, überhaupt irgendwie zu handeln. Das heißt, dass wir zu einem womöglich großen Teil selbst schuld sind, wenn dieserlei Dinge passieren.

Freilich ist das Wesen einer Demokratie jenes, dass es im Endeffekt ein Wettbewerb ist, an dem verschiedenen Gruppen teilnehmen, um einen möglichst großen Anteil der Stimmberechtigten davon zu überzeugen, dass ihre Ideen am leiwandsten sind. Im Idealfall sind diese Ideen tatsächlich so gestrickt, dass sie zum Wohl der Allgemeinheit dienen, eine Gesellschaft weiterentwickeln, das Leben aller besser macht, gesünder macht, lebenswerter macht.

In der aktuellen österreichischen Situation (aber das ist bei weitem nicht ein österreichisches Spezifikum, man schaue hinüber in die Schweiz, solange man noch schauen darf) treiben die zur Wahl stehenden Gruppen eher Ideen voran, die vor allem ihnen selbst nutzen, in zweiter Linie vielleicht einzelnen Menschen, in den meisten Fällen aber ganz sicher nicht mehr einer Allgemeinheit, ganz sicher nicht der Gesellschaft an sich, zumindest nicht bei den größeren Parteien. Jeder und jede ist sich selbst am Nächsten und der Neoliberalismus, der sich in den letzten Jahren auch schön in einer sozialdemokratischen Partei festgesetzt hat, hat uns gelehrt, dass man halt auf sich selbst schauen muss, wenn sichs angeblich nicht für alle ausgeht.

Dass manche dann noch mehr einpacken, als sie eigentlich bräuchten, das liegt in der Natur des Menschen.

Was tun?

Man könnte jetzt natürlich “Revolution!” schreien. Würde ich auch sympathisch finden, irgendwie. Aber was dann? Haben wir Menschen, die dann bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen, das Land zu regieren? An den Rahmenbedingungen würde sich so schnell nichts ändern, wahrscheinlich.

Vielleicht wäre es schon ein guter Anfang, wenn man Leuten, die sich auf kriminelle Art und Weise bereichern, einen Staat als Selbstbedienungsladen sehen und auf locker lässig tun, mal zeigen könnte, dass das, was sie tun, eben kriminell ist, illegal ist und mit entsprechenden Konsequenzen verbunden ist.

Vielleicht wäre es ein guter Anfang, Informationstransparenz zu schaffen, echte Transparenz, denn schließlich sollten wir alle alles über unseren Staat wissen dürfen, oder nicht? Dann gäbe es auch keine Ausreden mehr von wegen “Aber wir erfahren ja nix!” Meine naive Hoffnung wäre, dass diese Maßnahme dem allherrschenden Populismus einen Maulkorb verpassen könnte. Naiv, ich weiß.

Vielleicht wäre ein guter Anfang, wenn Journalistinnen und Journalisten diese Transparenz nutzen würden, um uns Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, was denn die Ideen und Vorschläge wirklich bedeuten, welche Auswirkungen sie haben, etc. Aktuell hat der Journalismus ja situationselastische Ausreden.

Denn letzten Endes gewinnen die Lautesten. Und schon in der Schule lernt man, dass die Lautesten nicht immer die Besten sind.