Na bitte. Faymann hat einen, Spindelegger hat einen, Berlakovich hat einen, Heinisch-Hosek hat einen, Stöger hat einen, Hundstorfer hat einen, Mitterlehner hat einen, Ostermayer hat einen, und auch Strache hat einen. Jetzt haben wieder ein paar Leute wieder ein paar Gramm Gewicht mehr, das sie in der Ballsaison ausführen können, ist doch schön.
Bundespräsident Heinz Fischer redet irgendwas von verantwortungsvoller Aufgabe, nutzt die Gelegenheit, um zu zeigen, dass er noch nicht ganz weg ist und man ihn noch einsparen sollte, und eigentlich bleibt nur noch die Frage, ob man in Zukunft nicht empfindlich reagieren sollte, wenn einem ein Orden, also, pardon, ein Ehrenzeichen, in Gold, oder in Silber, mit Band oder mit Stern, oder wie auch immer, angeboten wird.
Natürlich wettert die FPÖ gegen die Vergabe, weil die haben sich ja gegenseitig vorschlagen, die von der Regierung. Und eigentlich ists auch ein Blödsinn, dass man fürs Herumsitzen einen Orden bekommt, aber der Heinz Christian freut sich trotzdem. Und regt sich dafür net so auf, dass er in Wahrheit noch bis 2016 warten müsste, auf den Orden.
Am Wochenende fand wieder die beinahe wichtigste Veranstaltung des Jahres statt, der ORF widmete wieder gefühlte 64 Stunden Fernsehzeit dem Thema Kitzbühel, und es ist eigentlich auch gut so, eh ois super. Sonst wäre mir diese Wortspende entgangen, vom Möchtegernimmobilienmakler und Nationalratsabgeordneten Peter Westenthaler. Mal davon abgesehen, dass diese zwei Tätigkeiten sicher wunderbar miteinander vereinbar sind, lässt diese Statement tief blicken, ähnlich tief wie der Ausschnitt seines Hemds. Man könnte natürlich sagen: “Ah, eh kloa!” Aber es gilt: Nicht abstumpfen, nicht weichkochen lassen, ärgern, ärgern, ärgern.
Und von mir aus seis gesagt: Ja, ich bin neidisch. Und zwar neidisch darauf, dass mir meine Mitmenschen nicht in so einem Ausmaß am Allerwertesten vorbeigehen, dass ich jegliche Perspektive von außerhalb meiner Nasenspitze nicht mehr wahrnehme. Das Leben muss unglaublich leicht sein.
Alexander Wrabetz braucht also doch keinen Büroleiter. Zumindest keinen zusätzlichen. Schon wieder haben Leute gehetzt, die Diskussion hat ein unerträgliches Ausmaß erreicht, zum Schutz der von sich selbst und der eigenen Familie zieht Pelinka seine Bewerbung zurück, was aber nichts damit zu tun hat, dass er die falsche Person für die Stelle gewesen wäre.
Jetzt könnte man natürlich nachfragen, wie das denn alles gemeint sei, aber das macht ja eigentlich keinen Spaß mehr, außerdem haben andere gefragt. Antworten gibts eh keine, zumindest keine, bei denen man sich nicht sofort übergeben möchte.
Interessant ist, dass die ORF-Redaktion, die sich zur Wehr gesetzt hat, gelobt, gefeiert wird, als Vorbild genommen wird für all jene, denen mittlerweile der Unmut über die Umstände im Allgemeinen öfter mal die Laune verdirbt. Das Motto lautet: Schaut, Redakteurinnen und Redakteure des ORF haben es geschafft, wenn ihr euch engagiert, zusammenhält, euch organisiert, dann könnt ihr alles niederreisen.
Ja, eh.
Problem ist: Die meisten haben keinen ORF zur Verfügung. Das ist nun mal das größte Mediennetzwerk dieses Landes. Auch wenn keine Unternehmensmittel hergenommen wurde, so ist die Reichweite dieser Organisation selbstverständlich mit kaum einer anderen vergleichbar. Bitte nicht falsch verstehen: Der Widerstand der Redaktion ist großartig.
Aber allzu naiv sollte man an die Sache nicht herangehen. Es wurde in dieser Causa einiges orchestriert, inszeniert, intrigiert. Wer wirklich was wollte, das wird sich wohl auch nach längerer Recherche nicht wirklich freilegen lassen, auch wenn wir uns das gerne einbilden, so blöd sind die wichtigen Beteiligten nicht.
Es gilt, sich nicht weichkochen zu lassen. Dieser “Erfolg” ist womöglich gar keiner, womöglich nur Inszenierung. Um “uns” zu zeigen, dass wir eh was erreichen könnten, wenn wir uns endlich mal organisieren würden. Wenn wir den Arsch hochkriegen würden, dann könnten wir die Missstände in Regierung, Organisation, Verwaltung bereinigen, unser Recht wahrnehmen, das Volk regieren lassen. Aber weil wirs nicht tun, gehts uns scheinbar eh gut genug, also dürft eh alles leiwand sein.
Jo, eh.
Nicht abstumpfen. Nicht weichkochen lassen. Ärgern, wo man sich ärgern muss. Und ja nie die Hände in den Schoß legen. Aber auch nicht auf Wunder hoffen.
PS: Dass der WKR-Ball bis vor kurzem ein Weltkulturerbe war, da fehlen mir echt die Worte…
Den Medien konnten wir entnehmen, dass eine Leiterin oder ein Leiter für das Büro von ORF-Intendant Alexander Wrabetz gesucht wird. Nun ist zwar bereits ein Kandidat im Gespräch, ungeachtet dessen bieten wir hiermit unsere Arbeitszeit für diese Aufgabe an.
Unsere Stärken werden Sie sicherlich überzeugen: Zusammen verfügen wir beide über jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Medien, Kunst, Kultur, Marketing, Online-Consulting, PR, Einzelfachhandel, Teaching, Coaching, Automatisierungstechniken, Robotik und Wurstspezialitäten. Die Möglichkeiten für eine Doppelführung des Büros sind weitreichend, als 2 voneinander unabhängige Personen wirken wir an zwei Orten gleichzeitig. So würden wir beispielsweise eine Pressekonferenz veranstalten und an ihr teilnehmen, die aus Social-Media bekannte bilaterale Kommunikation würde damit auf eine gänzlich neue, unserer Meinungen nach zukunftsweisende, Ebene gehoben. Zusätzlich kann sich beispielsweise einer von uns in der Betriebskantine aufhalten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erklären, was sie nicht verstehen (Coaching- und Team-Building-Maßnahmen), während der andere die Bürotätigkeiten (Inserateverwaltung, Beschwerden, politisches Ein- und Umfärben) koordiniert, dies alles würde auf Grund unserer engen teaminternen Koordination zeitnah und kompetent abgewickelt werden, unnötige Reibungsverluste durch konträr zur Unternehmungsführung stehende Meinungen wären somit ein weiteres Kapitel des erfolgreichen Geschichtsbuches des ORF. Stichwort Meinungen: Dadurch, dass 2 Personen mit der Büroleitung beauftragt wären, ergäbe sich die Möglichkeit, ein politisch entsprechend breit aufgestelltes StellvertreterInnenteam zusammenzustellen, um sämtlichen Vorwürfen diesbezüglich sofort den Wind aus den Segeln nehmen zu können.
Wir sparen dem ORF real kein Gehalt, dafür fordern wir auch nicht mehr als das, was Sie für eine Person zu zahlen bereit wären. Sie erhalten also 80 Stunden Arbeitszeit zum Preis von 40. Über die Höhe der Entlohnung müsste man sich allerdings auf Grund unserer Erfahrung und Kenntnisse noch unterhalten.
Zum Zwecke eines Gespräches bitten wir Sie, eines der folgenden Zeitfenster zu berücksichtigen, zu anderen Zeiten ist es uns aus privaten und beruflichen Gründen leider nicht möglich, einen Termin wahrzunehmen:
Die Neujahrsrede wurde dieses Jahr von einem Präsidenten gelesen, der aus einem Gang kommend an einen Stuhl herantritt, der an einem Tisch steht, der irgendwie immer noch am Gang steht. Schließlich setzt er sich, und beginnt gleich einmal damit, zu erklären, was eine Ratingagentur ist, wie wichtig Europa ist, dass Entscheidungen gemacht werden müssen, so als ob das angesprochene Volk noch irgendetwas mit diesen Entscheidungen zu tun hätte, außer mit den Folgen. Freilich gehört er selbst auch nicht zu jenen Menschen, die mit diesen Entscheidungen aktiv zu tun haben, im Gegensatz hat er sich allerdings durchaus freiwillig in dieses demokratische Exil begeben. Anstatt etwas zu sagen, das den Leuten Optimismus spendet, sie erleichtert, ihnen Perspektiven gibt, oder sie zumindest kurz unterhält, redet er über all das, was wir eh schon Länge mal Breite mal Tiefe mal Populismus aus sämtlichen Medien dieses und nicht nur dieses Landes kennen. Und dabei wirkt er auch noch so, als ob er den Text, den er da stockend abliest, zum ersten Mal liest und eigentlich selbst nicht so recht daran glauben mag, was da steht. Wenigstens gibt es ein paar schöne Gesten, und ab und an ein Lächeln, das wärmt das Herz ungemein.
Andererseits, was will man schon groß sagen, als jemand, der jahrzehntelang die österreichische Politik erlebt hat und somit noch weiß, was früher so von einer Politikerin oder einem Politiker gefordert wurde, zumindest an menschlicher oder beziehungsweise idealerweise und intellektueller Kapazität, da kann einem bei einem Vergleich mit jenen, die aktuell so an den Hebeln wirken, die Romantik ins Gesicht schiessen. Wenigstens kündigt der Bundespräsident keinen Krieg an…
Erheiternd im neuen Jahr ist dafür eine weitere Umdefinition des Mittelstands, zumindest laut ÖVP. Hieß es noch im Jahr 2011 während der Budgetrede, dass der Mittelstand jenes Landes aus jenen Leuten besteht, die ein jährliches Einkommen von 20000 bis 100000 € aufweisen, würde jetzt der Mittelstand am härtesten getroffen werden, wenn es eine Erbschaftssteuer gäbe, die einen Freibetrag von nur 400000 € erlaubt. Das sind zwar im schlechtesten Fall 20 Jahre, im besten Fall 4 Jahre, in denen man zu 100% asketisch lebt, um auf einen Betrag in dieser Region zu kommen, aber das ist der ÖVP egal. Wahrscheinlich auch egal ist ihr, dass dadurch geschätzte 98% der Bevölkerung dieses Landes nicht einmal mehr zur Mittelschicht gehören, dabei hätte die Finanzministerin diese Schicht schon so weit nach unten erweitert. Man hat es in der ÖVP nicht immer leicht.
Die SPÖ verfolgt ihren Kurs Richtung Unverschämtheit zumindest auf Bundesebene auch im neuen Jahr konsequent, wenn diese Partei gemeinsam mit der ÖVP nicht dafür sorgen würde, dass geistig Verarmte aus dem braunen Sumpf wieder ans Tageslicht schwappen, könnte es einem ja egal sein. Allerdings erreicht die Dreistigkeit, mit der einem junge unqualifizierte Sauerstoffverschwender quasi mitten ins Gesicht lügen mittlerweile wirklich, wirklich, wirklich sehr schwer zu verdauen. Sollte jemand einen Tipp für eine verdauungsförderndes Mittel haben, ich bitte darum.
Jetzt ist 2011 also fast schon vorbei. Werner Faymann ist immer noch Bundeskanzler, trotz Internet, Josef Pröll nicht mehr Vizekanzler, wegen Lungenembolie. Karl-Heinz Grasser ist immer noch zu schön, zu gut ausgebildet, aus zu gutem Hause, um wegen diverser Unschuldsvermutungen von der Justiz belästigt zu werden. Ernst Strasser ist kein EU-Parlamentarier mehr, sogar der ÖVP waren seine Ausritte ein bisschen zu viel des Schlechten. Die SPÖ tut mittlerweile nicht mal mehr so als ob es keine Postenschacher gäbe, egal wo, und für den Wissenschaftschaftsminister sind Wutbürger amüsant. Die NMS (ehemals Mittelschule Neu) wird weiter so umgebaut, dass man 2018/19 echt nur die Schilder auf den Hauptschulen ändern muss, das läuft dann unter Sparprogramm. Die ehemalige Innenministerin ist jetzt Finanzministerin, verhält sich allerdings im Wesentlichen genauso wie vorher und brilliert mit Sachverstand und Fremdsprachenkompetenz. Die FPÖ entdeckt die Liebe.
In Italien gibt es jetzt eine nichtgewählte Regierung, dafür gibt es einen Clown weniger, der diesmal womöglich wirklich zumindest offiziell weg ist. In Spanien gabs Proteste, jetzt gibt es dort eine konservative Regierung, in Norwegen beging ein Irrer einen Massenmord, was österreichische Politikerinnen und Politiker zum Anlass nahmen, um die Überwachungsmaßnahmen ein klein wenig auszuweiten. Europa wird von Merkel und Sarkozy regiert, obwohl das EU-Parlament gerade überlegt, ob es vielleicht nicht doch noch legistische Mittel gibt, um sich ab und an ins Regieren einzuschalten. Griechenland ist pfui und faul und undankbar, die Weltwirtschaft insgesamt im Kübel, aber Änderungen sind halt auch so teuer.
In Ägypten wurde eine Diktator, den die meisten in Europa nicht mal mitbekommen haben, durch eine Militärregierung ersetzt, die verspricht, eh bald Wahlen abzuhalten, in Lybien wurde ein anderer Clown ermordet und “sein” Land befreit, Tunesien war den meisten irgendwie egal, genauso wie Syrien, obwohl da manche doch schon den Finger heben, dass es vielleicht nicht so leiwand ist, was dort so abgeht, aber es wurde eine Kommission hingeschickt, die feststellen soll, was Sache ist. Dass da ein Kriegsverbrecher dabei ist, das ist einfach nur schlechte Optik.
In Nordkorea gibt es auch einen Clown weniger, aber die Nachfolgeclowns stehen schon in den Startlöchern, man darf gespannt sein, ob Nordkorea oder der Iran den Wettlauf um die nächste Atomwaffe gewinnt. Stichwort Atomwaffe: In Japan hat sich ein Tsunami gemeinsam mit deinem Erdbeben redlich bemüht, ein paar Atomkraftwerke zu schließen, und im Nachhinein muss man froh sein, dass Japan davon betroffen war, und nicht so manch anderes Land.
Auf der Westbahnstrecke fahren jetzt zwei verschiedene Unternehmen, Österreich fährt nicht zur EURO 2012, in der Ukraine werden weiterhin keine Hunde verbrannt, dafür kriegen die Unis ihre Unimilliarde, sogar in neuer Währung. Unsere Kaufkraft ist angeblich wesentlich größer, als noch in den 1970ern, trotzdem kaufe ich mir, im Gegensatz zu meinen Eltern, keine Wohnung und kein Auto.
An dieser Stelle könnt ich euch nach euren Highlights fragen, da es aber wahrscheinlich ähnlich gut klappen würde, wie mit meiner Bitte um Kommentare zum Thema Integration, lass ich diesen Aufruf bleiben, freue mich auf 2012 und wünsche euch das Allerbeste, oder auch das Allerschlechteste, je nachdem, was ihr euch wünscht.
Ich habe eine Identitätskrise, und damit stehe ich nicht allein da, zumindest nicht, wenn man dem Integrationsstaatssekretär Kurz Glauben zuwirft. Wie viele Menschen, die so sind, wie ich, also Eltern haben, die aus einem anderen Land nach Österreich eingewandert sind und hier eine Familie gegründet oder erweitert haben, fällt es mir nicht immer leicht, zu sagen, dass ich mich wie ein Österreicher fühle. Weil ich in einer anderen Sprache aufgewachsen bin (zumindest zu Hause), weil das sonntägliche Mittagessen meist erst um 14 Uhr stattfindet, weil der Weihnachtsabend für mich eigentlich ein Fasttag und so weiter und so fort. Bei Fussballspielen zwischen Österreich und Polen fiebere ich für die Weiß-Roten mit, früher aus sportlichem Selbstschutz, mittlerweile gehen mir die rationellen Gründe dafür aus, beim Skispringen wars aber auch so, dass ich lieber die springende Rotzbremse siegen gesehen habe, als Morgi, Schlieri, Wolfi oder sonstwen. Trotzdem würde ich behaupten, dass meine Integration in Österreich durchaus ganz gut funktioniert hat.
Im Verlauf meines Lebens haben mich freilich nicht besonders helle Gestalten gefragt, wie das überhaupt geht, wenn man nicht sagen kann, ob man Österreicher ist oder Pole, und ein wenig habe ich tatsächlich darüber nachgedacht und mir mit der Behelfskonstruktion “Ich bin Wiener” weitergeholfen. Auf die Frage: “Wenns da hier nicht gfallt, was machst dann noch da, wieso schleichst dich nicht z’Haus?” habe ich meistens gar nicht geantwortet, denn Identitätsgefühl ist die eine Sache, die sich Wohlfühlen eine gänzlich andere. Ich muss nicht unbedingt die Identität eines Faschisten teilen, wenn er mir einen Platz im Warmen anbietet, während ich vor der Tür erfrieren müsste, nur so als Beispiel.
Ich habe keine Ahnung, als was sich meine Eltern sehen, vielleicht, weil es ihnen auch ähnlich egal ist, wie es mir mittlerweile geworden ist. Sie sind damals nach Österreich gekommen, weil Österreich auf sie den Eindruck machte, die Möglichkeiten für ein angenehmes Leben zu bieten, dieser Eindruck hat sich bis heute nicht geändert. Revision: Ich habe keine Ahnung, wieso sie damals nach Österreich gekommen sind. Sie haben die Sprache gelernt, haben sich ins Berufsleben mehr oder weniger erfolgreich eingeschlossen, und haben ihr Kind so erzogen, wie sie es wohl in großen Teilen auch in Polen getan hätten. Freilich unter wesentlich angenehmeren Umständen.
Das Resultat ist eine Person, die sich in Österreich wohl fühlt, ohne wirklich sagen zu können, Österreicher zu sein. Ich habe einen fantastischen Job, zahle meine Steuern, habe Freunde, von denen interessanterweise so gut wie niemand einen Migrationshintergrund hat (einerseits ist diese sprachliche Konstruktion zwar ein wenig älter, aber immer noch sensationell, andererseits lüge ich, wenn ich sage, dass ich einen habe, zumindest laut Statistik Austria). Irritierenderweise entspreche ich damit dem, was Kurz als eine Ausweg aus der Diskriminierung ansieht: “Dieses Bewusstsein kann nur entstehen, wenn man erfolgreich ist, sich hier etwas aufbaut, eine Wohnung kauft und Wurzeln schlägt.” Er spricht bei diesem “Bewusstsein” davon, sich zum Österreichersein zu bekennen, ein Österreichbewusstsein zu entwickeln oder zu schaffen. Integration ist also nur durch Assimilierung möglich, und Assimilierung findet durch wirtschaftlichen Erfolg statt.
Das soll eine Lösung sein? Erfolg ist im Gegensatz zu dem, was uns die Leistungsträgerpartei erklären möchte, in den seltensten Fällen von den eigenen Fähigkeiten abhängig. Eine Wohnung kaufen? Wie? In welcher Welt lebt dieser Mensch? Mein Verdienst liegt über dem österreichischen Durchschnittseinkommen, und eine Wohnung zu kaufen ist in etwa so realistisch wie eine Reise zum Mond mit meinem Fahrrad (wer mir jetzt mit Kredit kommt, verdient sich eine Gnackwatschn…).
Aber wieso muss ich überhaupt eine österreichische Identität entwickeln, um in diesem Land gleichberechtigt behandelt zu werden? Was ist diese österreichische Identität überhaupt? Was habe ich als Wiener mit einem Vorarlberger gemeinsam, oder mit einem Kärtner? Wie bitte soll ein Umschwung in den Köpfen stattfinden, hin zu einer offeneren Gesellschaft, die Einflüssen von außen nicht automatisch mit Argwohn entgegentritt, wenn der dafür zuständige Staatssekretär den “Erfolg” der Integration verknüpft mit beruflichem Erfolg und Immobilienbesitz?
Randnotizen aus der innenpolitischen Restlandschaft der letzten Tage:
Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf möchte seinen Einfluss geltend machen, um den WKR-Ball auch in Zukunft in der Hofburg stattfinden zu lassen. Ich hoffe, dass der Einfluss gering ist.
Sein Amtsvorgänger und mittlerweile Bundespräsident Heinz Fischer empfiehlt der Opposition, bei der Abstimmung zur Schuldenbremse einfach den Plenarsaal zu verlassen, dann stimmen sie nicht zu, aber die Zweidrittelmehrheit ist trotzdem geschafft. Ich hoffe, dass diese Vorgehensweise in der Politikwissenschaft als die “Heinz-Fischer-Methode” verankert wird (oder eigentlich wurde).
Und die Bundesregierung hat sich ausgedacht, dass man das Parlament eigentlich gar nicht braucht, um die Schuldenbremse verpflichtend durchzuzusetzen. Man beschließt einfach eine 15a-Bestimmung, die für die Länder verpflichtend ist, und gut ists.
Als langjähriger und offensichtlich schlecht geübter Staatsbürger erlaube ich mir, die Kommunikationsmittel, die Sie neuerdings erschlossen haben, zu nutzen, um ein paar Fragen an Sie zu richten. Selbstverständlich erwarte ich mir einige Antworten, sofern es sich zwischen Weltretten und so tun als ob ausgeht.
1) Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Betreiben Ihres Twitter-Kanals?
2) Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Betreiben einer Facebook-Fanpage?
3) Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Betreiben eines Youtube-Kanals?
4) Wieso muss ich auf Facebook ihr “Fan” werden, um einen Link auf Ihrer Pinnwand zu hinterlassen, ohne dass ich einen Post kommentiere?
5) In Zeiten von Schuldenbremse, Inseratskandale und sonstige Köstlichkeiten frage ich Sie, wie es mit Ihrem politischen Gewissen vereinbar ist, eine nicht unbedingt als bescheiden zu bezeichnende Summe Geld, welches nicht aus Ihrer Tasche kommt, in Ihre Onlineaktivitäten zu stecken?
6) Wann kommt Ihrerseits eine Klarstellung, was es mit den gekauften Fans, den Leserbriefen, etc. zu tun hat?
7) Und als letzte Frage: Finden Sie nicht, dass es an der Zeit wäre, damit aufzuhören, das Volk, das sie zu einem gewissen Teil gewählt hat, auf den Arm zu nehmen und die Arbeit als Bundeskanzler aufzunehmen?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich freue mich auf Ihre Antworten.
Russland kauft Badmintonschläger, um seine Elitesoldaten fit zu halten.
Italien hat einen Berater von Goldman Sachs als Premierminister.
Griechenland hat kein Geld, also keine Probleme.
In Österreich halten 6% der Bürgerinnen und Bürger eine Verbesserung des Bildungssystems für wichtig.
Großbritannien legt die Latte für zukünftige Premierministerinnen oder Minister so niedrig, dass man schon wieder drüberspringen kann.
Stichwort Springen: In Wien findet das Fest der Pferde statt.
In Syrien ist das Ausland schuld an der Misere, es soll aufhören, unnötig Gewalt anzustacheln.
Saudi-Arabien ist das alles prinzipiell egal, aber doch nicht ganz.
Palästina ist für die Unesco ein offizieller Staat.
Die Unesco muss ab jetzt auf Geld verzichten, die USA zahlen nichts.
Das Militärbudget der USA wird im Jahr 2012 eine Rekordhöhe von über 710 Milliarden Dollar erreichen.
Der Staat Österreich nimmt im Jahr grob über den Daumen 150 Milliarden Euro ein.
Norwegen verschärft seine Anti-Terrorgesetze nicht.
In Deutschland werden rechtsextremistische Gruppierungen vom Verfassungsschutz finanziert.
In Mitteleuropa ist es neblig und kalt.
Der November ist so, wie er ist.