Das Jahr 2012

Die Neujahrsrede wurde dieses Jahr von einem Präsidenten gelesen, der aus einem Gang kommend an einen Stuhl herantritt, der an einem Tisch steht, der irgendwie immer noch am Gang steht. Schließlich setzt er sich, und beginnt gleich einmal damit, zu erklären, was eine Ratingagentur ist, wie wichtig Europa ist, dass Entscheidungen gemacht werden müssen, so als ob das angesprochene Volk noch irgendetwas mit diesen Entscheidungen zu tun hätte, außer mit den Folgen. Freilich gehört er selbst auch nicht zu jenen Menschen, die mit diesen Entscheidungen aktiv zu tun haben, im Gegensatz hat er sich allerdings durchaus freiwillig in dieses demokratische Exil begeben. Anstatt etwas zu sagen, das den Leuten Optimismus spendet, sie erleichtert, ihnen Perspektiven gibt, oder sie zumindest kurz unterhält, redet er über all das, was wir eh schon Länge mal Breite mal Tiefe mal Populismus aus sämtlichen Medien dieses und nicht nur dieses Landes kennen. Und dabei wirkt er auch noch so, als ob er den Text, den er da stockend abliest, zum ersten Mal liest und eigentlich selbst nicht so recht daran glauben mag, was da steht. Wenigstens gibt es ein paar schöne Gesten, und ab und an ein Lächeln, das wärmt das Herz ungemein.

Andererseits, was will man schon groß sagen, als jemand, der jahrzehntelang die österreichische Politik erlebt hat und somit noch weiß, was früher so von einer Politikerin oder einem Politiker gefordert wurde, zumindest an menschlicher oder beziehungsweise idealerweise und intellektueller Kapazität, da kann einem bei einem Vergleich mit jenen, die aktuell so an den Hebeln wirken, die Romantik ins Gesicht schiessen. Wenigstens kündigt der Bundespräsident keinen Krieg an…

Erheiternd im neuen Jahr ist dafür eine weitere Umdefinition des Mittelstands, zumindest laut ÖVP. Hieß es noch im Jahr 2011 während der Budgetrede, dass der Mittelstand jenes Landes aus jenen Leuten besteht, die ein jährliches Einkommen von 20000 bis 100000 € aufweisen, würde jetzt der Mittelstand am härtesten getroffen werden, wenn es eine Erbschaftssteuer gäbe, die einen Freibetrag von nur 400000 € erlaubt. Das sind zwar im schlechtesten Fall 20 Jahre, im besten Fall 4 Jahre, in denen man zu 100% asketisch lebt, um auf einen Betrag in dieser Region zu kommen, aber das ist der ÖVP egal. Wahrscheinlich auch egal ist ihr, dass dadurch geschätzte 98% der Bevölkerung dieses Landes nicht einmal mehr zur Mittelschicht gehören, dabei hätte die Finanzministerin diese Schicht schon so weit nach unten erweitert. Man hat es in der ÖVP nicht immer leicht.

Die SPÖ verfolgt ihren Kurs Richtung Unverschämtheit zumindest auf Bundesebene auch im neuen Jahr konsequent, wenn diese Partei gemeinsam mit der ÖVP nicht dafür sorgen würde, dass geistig Verarmte aus dem braunen Sumpf wieder ans Tageslicht schwappen, könnte es einem ja egal sein. Allerdings erreicht die Dreistigkeit, mit der einem junge unqualifizierte Sauerstoffverschwender quasi mitten ins Gesicht lügen mittlerweile wirklich, wirklich, wirklich sehr schwer zu verdauen. Sollte jemand einen Tipp für eine verdauungsförderndes Mittel haben, ich bitte darum.

Ein schönes Restjahr euch allen!


Kommentare

Powered by Facebook Comments

Post a Comment

You must be logged in to post a comment.