3 Arten, eine Straße zu überqueren

Straßen gehören zu unserem Alltag wie Zehennägel, Würste und Arschlöcher. Die meisten müssen relativ oft eine Straße überqueren, beispielsweise zu Fuß, also von einer Seite der Straße auf die andere gehen. Dabei stellt man sich selten die Frage, die Hühnern öfter gestellt wird, allerdings kann man typisiert werden, von Leuten, wie mir. Jetzt gehts also darum, wie man eine Straße überqueren kann, und ich biete 3 Arten an.

In Demut

Der Kopf ist zielgerichtet nach unten geneigt, Didi Ramusch wäre neidisch, man kann das Startsignal nicht abwarten, es soll endlich grün werden. Wenn die Straße nass ist, freut man sich, das Ampelsignal spiegelt sich im Asphalt, man muss den Kopf nicht heben, riskiert nicht, jemanden anzusehen, womöglich Blickkontakt aufzunehmen, man wüsste dann nicht, was zu tun wäre. Die eigene Existenz ist Belastung, und man möchte sie zumindest für andere so gering wie nötig halten. Schaltet die Ampel auf Grün, wieselt man so schnell und unauffällig wie möglich über die Straße. Bei Kreuzungen ohne Ampeln versteckt man sich möglichst lange, man will nicht gesehen werden, möchte nicht, dass jemand stehenbleiben muss, man möchte neutral bleiben, ein Strich in der Geschichte, und wenn man schließlich eine Lücke erkennt, dann ist man durch sie durch, bevor es irgendjemand mitbekommen hat. Man wünscht sich insgeheim, dass endlich jemand Schluss macht, ein Bremsfuß zu spät kommt, man schmerzlos, am besten für alle, aus diesem Leben scheidet. Doch dieses Ende ist einem meist nicht vergönnt, zügig kommt man auf der anderen Seite an, ein bisschen enttäuscht, aber zumindest damit zufrieden, niemanden aufgehalten zu haben, niemanden bedrängt zu haben.

Doch die Hoffnung auf die nächste Kreuzung, auf die nächste Straße gibt Auftrieb, aber man ist zu bescheiden, um sich etwas zu erwarten.

Der Hedonist

Egal ob Ampel oder nicht, egal ob Grün oder Rot, das ist dem Hedonisten vollkommen wurscht. Wenn er oder sie die Straße überqueren möchte, hat die Welt stillzustehen. Der Fortbewegungsmodus heißt Schlendern, das kennen die meisten Menschen nur aus Filmen, die Beine sind leicht voran, bewegen sich ganz langsam, die Arme schwingen lässig nach vor und zurück. Hat man Bauch, so drängt er nach vorn, aber nicht zu schnell, man hat schließlich Zeit. Und sollte jemand Zweifel daran haben, wirft man dieser Person ein Lächeln zu, und dieses Lächeln sagt: „Es ist mir völlig egal, was du musst, willst, sollst, oder kannst, ich gehe jetzt hier, und du hast zu sein, du Arschloch!“

Denn der Hedonist weiß, dass er meistens unverwundbar ist.

Der Otto-Normal-Straßenüberquerer

Man weiß, dass der Zebrastreifen keine Rennbahn ist, aber auch keine Promenade, wenn es die Grünphase zulässt, nimmt man sich Zeit, doch lässt sich auch nicht unnötig drängen, schließlich teilt man sich mit anderen die Welt, man nimmt Rücksicht aufeinander. Man versteht, dass Straßen und deren Überquerungen nun mal zum Leben dazugehören, dass man mal selbst überquert und überqueren lässt, fühlt sich weder erhaben, noch unterdrückt, geht seiner Wege und findet, dass man sich übers Straßenüberqueren eigentlich keine Gedanken machen sollte.

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