Der Ewige Wahlkampf

Jetzt ist es bald vorbei. In wenigen Stunden wird der längste Wahlkampf der österreichischen Geschichte zu Ende gehen. Die Kandidaten werden sich die Hand geben, ähnlich wie in den USA schwören, dass sie sich helfen werden, Österreich zu einem besseren Land zu machen, bla, bla, bla.

Weil es für die zwei Profis (denn das sind sie, auch wenn sie oft nicht so gewirkt haben) tatsächlich vorbei sein wird. Für sie gehört der Wahlkampf zum Geschäft, für sie geht es darum, zu polarisieren, Schlagzeilen zu schreiben, damit sie schließlich mehr Stimmen bekommen, als der andere, bzw. als die andere Partei. Für sie ist es das Selbstverständlichste der Welt, jemanden an einem Tag als kommunistischen Spion oder als Nazi zu bezeichnen, um am nächsten Tag am selben Mittagstisch zu sitzen und Witzchen zu machen. Das ist an sich auch nicht das große Problem, als Mensch mit halbwegs Lebenserfahrung und/oder offenen Augen weiß man das ja eh.

Das große Problem an so einem langen Wahlkampf ist allerdings, dass die Gräben, die zwischen den Parteien aufgerissen werden, in der Bevölkerung, dass diese Gräben nicht so einfach wieder zugeschüttet werden können. Denn was für Politprofis gewissermaßen normal ist, nämlich das polarisieren, das Ausspielen das Positionen, das hat auf die Bevölkerung echte Auswirkungen. Weil die Bevölkerung meist nicht versteht, dass sie manipuliert wird, und die meisten Aussagen für bare Münze nimmt (oder resigniert). Je länger ein Wahlkampf dauert, desto länger hat man die Möglichkeit, zu beeinflussen, und irgendwann wird das, was eigentlich kein Feuer werden möchte, so stark angefacht und in Bewegung gebracht, dass es auf einmal zu brennen beginnt. Und die, die angefacht haben, glauben, dass sie problemlos das Feuer wieder löschen können, untereinander gelingt es ihnen ja ständig und problemlos. Sie haben allerdings, wie so häufig in der heutigen Politik, auf das Volk vergessen und dass es bei einem Flächenbrand in der Bevölkerung womöglich nicht mehr möglich ist, zu reparieren, was auseinandergerissen wurde.

Natürlich gibt es Fraktionen, Parteien und Menschen in diesem Land, die daran großes Interesse haben. Die es nicht aushalten, ohne Spaltung zu leben, weil sie in Zeiten der Harmonie keine Antworten und keine Ideen anbieten können, weil sie nicht konstruktiv denken können oder wollen. Für diese Menschen ist die Länge dieses Wahlkampfs natürlich ein Geschenk.

Aber unsere Demokratie wurde nie dafür geschaffen. Sie wurde geschaffen, um möglichst allen eine Stimme zu geben, um möglichst allen die Möglichkeit zu geben, an politischen Prozessen teilzunehmen, aber sie wurde nie für den Zustand eines Dauerwahlkampfs gedacht. Weil die meisten von uns sich mit Politik nicht in dem Ausmaß befassen können, wie es notwendig wäre. Weil die meisten von uns aus diesem Grund diese Arbeit den Politprofis überlassen. Weil der Sinn von Wahlen der ist, dass wir Repräsentantinnen und Repräsentanten die Befähigung geben, in unserem Sinne zu entscheiden (zumindest theoretisch). Weil wir nicht über jedes einzelne Detail entscheiden wollen und können (weil uns in den meisten Fällen der Einblicke fehlt und wir dann beeinflussbar werden), weil wir uns darauf verlassen müssen, was diese Politikprofis mit unserer Stimme machen.

Und in letzter Zeit ist es aus dem Ruder gelaufen, wurde Schindluder mit unseren Stimmen betrieben. Aber es wurde auch der Stimmenfang in eine neue Dimension geholt, eine Dimension, mit der wir nicht umgehen können. Weil wir eben nicht Profis sind und von einem Tag auf den anderen die spaltenden Botschaften richtig bewerten können. Oder vergessen können, um uns am nächsten Tag wieder die Hand zu geben.

Ich hoffe wirklich, dass wir am Sonntag fürs Erste genug davon gehabt haben. Dass wir keinen Präsidenten wählen, der in weiterer Folge auch alles in seiner Macht liegende tun würde, um den nächsten Wahlkampf zu starten. Ich hoffe, dass Österreich ausnahmsweise mal eine Vorreiterrolle einnimmt und gegen den internationalen Trend der Spaltung und des Zündelns wählt und zum Vorbild wird, für Demokratie, für ein Miteinander.

Ich weiß nämlich leider nicht, was als Nächstes kommt, wenn das nicht eintritt. Aber es wird sicher nichts Gutes.

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+0