Entschuldigung

Heute widme ich meine Aufmerksamkeit einem Wort, dem das in letzter Zeit eher selten passiert. Heute geht es um das Wort Entschuldigung.

Die meisten von euch werden nicht wissen, was dieses Wort bedeutet, deswegen werde ich es in ein paar kurzen Absätzen erklären.

Herkunft

Das Wort Entschuldigung steht in direktem Zusammenhang mit Schuld. Schuld bedeutet, dass du etwas gemacht hast, was du nicht tun hättest sollen, und jetzt irgendjemand aus irgendwelchen Gründen mit dem Finger auf dich zeigen kann und sagt: „Du bist schuld! Wieso machst du sowas, du Arschloch?“

Nun ist Schuld vor allem in religiösen Kreisen ein Thema, das man Länge mal Breite mal Höhe mal Tiefe mal Dichte mal undsoweiter ausrollen kann, ein guter Beginn, um ein wenig ein Verständnis dafür zu entwickeln, wieviele Leute den Begriff wirklich, wirklich Ernst nehmen, wäre es, die Geschichte der katholischen Kirche zu studieren.

Allen, die das jetzt nicht sofort auf sich nehmen wollen, sei gesagt: Schuld ist an sich nichts Böses, und sich auch für etwas zu entschuldigen, also jemanden zu bitten, dass er nicht mehr mit Finger auf dich zeigt und „Arschloch!“ schreit, sondern einsieht, dass man das, was man gemacht hat, nicht mit Absicht getan hat, nun, das war früher ein recht gängiger Prozess.

Jedenfalls: Entschuldigung hängt mit Schuld zusammen und man bitte mit „Entschuldigung!“ darum, dass man wieder normal miteinander umgeht.

Einsatz

Der Einsatz des Wortes „Entschuldigung!“ ist vielseitig und gleichzeitig ziemlich simpel. Jedes Mal, wenn man etwas gemacht hat, was für andere nicht besonders angenehm war, sollte man überlegen, ob eine Entschuldigung angebracht ist. Beispiele wären:

  1. Du rempelst jemanden in der U-Bahn nieder -> Entschuldigung!
  2. Du drängst dich in einer Warteschlagen vor -> Entschuldigung!
  3. Du baust Scheiss in der Arbeit -> Entschuldigung!
  4. Du steigst einem kleinen Kind auf den Fuss, das kleine Kind fällt um und landet mit dem Gesicht mitten in dem Eisstanizl, das es gerade noch gehalten hat -> Entschuldigung! Und Aufhelfen! Und neues Eis kaufen!
  5. Du möchtest einem Verkäufer / einer Verkäuferin Kleingeld geben und verfehlst dabei die offene Hand -> Entschuldigung!
  6. Du verspekulierst hunderte Millionen Euro an Steuergeld -> Entschuldigung! Und Rücktritt!

Sich für etwas zu entschuldigen zeigt der Außenwelt, dass man fähig ist, das eigene Handeln grundsätzlich halbwegs bewerten zu können, dass man im Stande ist, einzusehen, wenn man etwas Falsches gemacht hat. Sich zu entschuldigen ist eine gute Sache, sie ist kein Zeichen von Schwäche und hat auch mit Verantwortung zu tun. Also keine Angst, selbst wenn ihr das noch nie gemacht habt: Es ist nicht zu spät für die erste Entschuldigung!

Einsatz als Aufforderung

Das Wort „Entschuldigung“ kann auch eingesetzt werden, wenn man auf sich aufmerksam machen möchte, dann meistens in Kombination mit einer Erklärung, was man denn tun möchte.

  1. Du stehst in einem Gang, jemand blockiert den Weg -> Entschuldigung, dürfte ich vorbei?
  2. Jemand drängt sich an der Kassa vor -> Entschuldigung, ich warte eigentlich auch darauf, zu zahlen!

In manchen Fällen darf auch ein etwas strengerer Ton angeschlagen werden, aber diese Situationen bilden die Ausnahmen.

Synonyme

Für das Wort Entschuldigung gibt es je nach Region und Gemüt verschiedene Synonyme. Stellvertretend seien hier einige aufgezählt.

  1. Entschuldigung! Entschuldige bitte! Entschuldigen Sie bitte!
  2. Verzeihung! Verzeih bitte! Verzeihen Sie bitte!
  3. Sorry!
  4. Pardon!
  5. Tut leid! Tut mir leid!
  6. ‚Tschuldigens! ‚Tschuldigung!

Nicht zulässige Synonyme

Dies ist eine unvollständige Liste an Wörtern und Phrasen, die gemeinhin nicht als Synonym für eine Entschuldigung akzeptiert werden und bei Kennern und Kennerinnen dieses seltenen Wortes eventuell sogar Zorn entstehen lassen.

  1. Ups!
  2. Hoppla!
  3. Na sowas!
  4. Ich kann jetzt nicht darauf eingehen!
  5. Das ist sicher nicht meine Schuld!
  6. Sowas kann passieren, das kann man unmöglich voraussehen!
  7. Passt scho!

Reaktion auf Entschuldigung

Wenn es soweit ist, und sich jemand bei dir entschuldigt, sei gefasst, dies ist ein Moment der Versöhnung. Wenn dich zum Beispiel jemand im Supermarkt niedertrampelt und sich entschuldigt, ist es nicht angebracht, diese Person mit einem „Hast keine Augen im Kopf, du Oaschloch!“ zu beflegeln. Man muss sich nicht um den Hals fallen und auf dem Supermarktboden den Akt der Kopulation initiieren, ein durchaus auch schroffes Zeichen dessen, dass alles gut ist, dass man die Entschuldigung akzeptiert hat ist die Art und Weise, wie man auf eine Entschuldigung reagiert. Ein „Passt echo!“ ist hier beispielsweise genau richtig.

Für Kenner und Kennerinnen des Wortes „Entschuldigung“ ist der folgende Hinweis selbstverständlich: Eine Entschuldigung macht Dinge nicht ungeschehen. Freilich kann es dazu kommen, dass Dinge getan wurden, die unentschuldbar sind. Deswegen verweise ich an dieser Stelle auf zwei simplen Regeln für ein angenehmes Leben.

Ich hoffe, ich konnte die Verwendung und den Nutzen des exotischen Wortes „Entschuldigung“ ein wenig näher bringen, bei Fragen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

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