Gedanken zum Thema Sexismus

In Österreich wurde auf Grund eines Schlagersängers, der die alte, also falsche Version der österreichischen Bundeshymne bei einem Event gesungen hat, das die Reichweite eines durchschnittlichen Kirtags knapp überschreitet, eine „Sexismusdebatte“ losgetreten, ohne zu einem Ende zu kommen (wie vieles in Österreich). Im Zuge dieser Debatte haben eigentlich auch gscheite Leute das Handeln des Sängers verteidigt, unter anderem argumentierte man, dass eh alles passt, dass man künstlerische Freiheit oder Meinungsfreiheit nicht einschränken sollte, bla, bla, bla. Außerdem sei das Problem lächerlich und so weiter und so fort. Nachlesen kann man eine private Diskussion zum Beispiel hier.

Zum konkreten Thema wurde schon vieles geschrieben, zum Beispiel hier: http://www.profil.at/articles/1427/574/376564/elfriede-hammerl-beinharter-respekt

Dennoch möchte ich noch darauf eingehen, wieso es aus meiner Sicht verdammt wichtig ist, diese Diskussion zu führen.

Alltag

„Der Uschi, der sieht man ihre 3 Kinder gar nicht an. Ich mag das ja, wenn Frauen auch nach der Schwangerschaft so auf sich schauen.“

Dieser Satz stammt von einem Mann, der sich mit einem anderen Mann über andere Männer und deren Ehefrauen unterhält. Es geht in der Unterhaltung an sich nicht um das Äußere, aber das passiert automatisch. Wenn man darauf hinweist, dass man die Aussage so eigentlich sehr schräg findet, wird man komisch angeschaut, und es wird gelacht. Ha. Ha.

Das Thema Schwangerschaft ist ja eines, das in der Berufswelt auch an anderer Stelle besprochen wird, vor allem beim Einstellen von Frauen. In einem gewissen Alter (meiner Erfahrung nach alles zwischen 18 und 40) sind Frauen bekanntermaßen wandelnde biologische Bomben, die jederzeit scharf werden können, um sich dann aufzublähen und in die Karenz zu verschwinden. Deswegen sollte man unbedingt davon absehen, Frauen in diesem Alter einzustellen, weil schließlich muss man ja dann für jemanden zahlen, der nicht arbeitet, das geht nicht. Und selbst wenn mans nicht zahlen muss (weil wofür gibts das AMS?), muss man neue Leute suchen, einschulen, ausbilden, alles viel zu anstrengend.

Ab einem gewissen Alter kann man Frauen eigentlich auch nicht einstellen, weil ihnen die Berufserfahrung fehlt, weil siehe oben.

Spaß beiseite.

Ich bin in meinem Leben bei Einstellungsgespräch noch nie nach unseren Kindern gefragt worden. Meine Frau wird bei jedem Vorstellungsgespräch nach unseren Kindern gefragt. Das kommt dann als „Wie sind sie denn vernetzt?“, „Wohnen Ihre Eltern in Wien?“ oder „Wer kümmert sich um die Kinder, wenn Sie in der Arbeit sind?“ daher. Die einzige gültige Antwort auf diese Frage wäre freilich: „Das geht Sie nichts an, es ist nicht Ihre Sorge, wer sich um die Kinder kümmert, denn die Kinder wollen nicht hier arbeiten, sondern ich.“

Kann man natürlich nicht sagen. Aber die einstellende Seite sieht schon mit Panik den nächsten Pflegeurlaub ums Eck kriechen. Denn dass sich beispielsweise der Mann, der Vater der Kinder um die Kinder kümmert, das ist denkunmöglich.

Solange also zum Beispiel solche Situationen im Arbeitsalltag vorkommen, sind wir von einer Gleichberechtigung lange entfernt, da muss man nicht einmal Statistiken zum Thema Gehalt und so weiter bemühen.

Fernsehen und Vorbildwirkung

„Es scheint, als hätte sie nur auf ihren Freund gewartet.“

Sotchi, 2014. Anna Fenninger gilt als große Favoritin auf Medaillen, in den ersten Rennen gehts noch nicht so auf, wie gewünscht, schließlich gewinnt sie doch. Kommentiert wird das vom ORF mit „Es Scheint, als hätte sie nur auf ihren Freund gewartet.“ Weil Ihr Freund später angereist ist, und sie dann zu gewinnen begonnen hat. Sehr lustig. Armes Hascherl Anna Fenninger braucht starke Hand zum Gewinnen.

Sommer, 2014. In Brasilien spielt man eine Fussball-WM, beim ORF sitzen mittelalte bis alte Männer im Kreis und führen Schmäh, während rund um sie halbnackte Frauen Samba oder ähnliches tanzen. Keine einzige Expertin, keine einzige Moderatorin befindet sich im Team.

Das sind für manche Kleinigkeiten. Aber sie senden sehr laute, sehr deutliche Signale.

Und so lange das so ist, muss man überall, wo Sprache und Sendungswirkung dafür genutzt werden, Frauen in einem sexistischen Kontext zu präsentieren, nachfragen und darauf hinweisen, dass diese Zeiten passé sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob bewusst oder unbewusst gesendet wird, wir sind von einer echten Gleichberechtigung noch meilenweit entfernt und jeder einzelne Schritt ist verdammt wichtig.

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