Im Paradies

Ein Mann, ganz normal würde man ihn nennen, dort, wo er herkommt, dort sind alle so wie er, und auch die Frauen, wachte eines Tages im Paradies auf. Im ersten Moment bemerkte er es nicht, die Straßen waren vielleicht ein wenig sauberer, und die Autos ein bisschen leiser (oder waren sie einfach weniger?), doch dann fiel im auf, das etwas nicht stimmte.

Eine Frau rannte einen andere nieder, und der Held dieser Erzählung freute sich schon innerhalb auf die Beschimpfungen, die er jetzt hören würde. Doch es gab keine Beschimpfungen. Die eine Frau entschuldigte sich bei der anderen, die Andere meinte, es sei doch kein Problem, sie wünschten einander einen schönen Tag und gingen ihrer Wege.

Der Mann ging weiter die Straße entlang, Ellbogen ausgefahren, wie er es gewohnt war, und er merkte, dass er gar nicht rempelte. Das wunderte ihn sehr. Die Leute blieben kurz stehen, wenn er an ihnen vorbeiging, oder machten sich dünn, und als das taten sie, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, als wüssten sie, dass sie nicht allein auf der Straße gehen, sondern mit vielen anderen.

Dem Mann wurde es schließlich zu viel, er wurde wütend, schrie schließlich einen Passanten an: „Was ist los mit euch? Habts Angst vor mir oder was?!“

Der Passant blickte ihn verdutzt an und fragte, ob er dem Mann vielleicht helfen kann, denn das war ihm die natürlichste Reaktion.

„Verpiss dich!“ antwortete der Mann, denn das war die ihm natürlichste Reaktion. Er wurde wütender und wütender, stieß Leute zur Seite, die sich wunderten, denn sowas Rüpelhaftes sahen sie selten, manchmal nur, wenn Leute, die das Paradies nicht gewohnt seien, die müssten sich noch einleben, die waren soviel Rücksicht nicht gewohnt.

Schließlich stoppte ein Bewohner des Paradieses den wütenden Mann: „Was ist los mit Ihnen, geht es Ihnen nicht gut?“

„Verpiss dich!“ schrie er, verpasste dem Anderen einen Schlag und wachte auf. „Zum Glück war das nur ein Traum“ dachte er sich und quetschte sich zufrieden aus der U-Bahn.

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