Nochmal Sommergespräche

Der Sommer ist vorbei, die Sommergespräche sind vorbei, Politik ist noch lange nicht vorbei.

Wo kann ich anfangen, um meinem Entsetzen über unseren Bundeskanzler Ausdruck zu verleihen? Vielleicht damit, dass ich es für unerträglich halte, dass sich hier jemand großmütig und gebieterisch präsentiert, irgendwas daherredet von wegen „Wenn ich eingeladen werde, dann komme ich, und dann stehe ich Rede und Antwort“, dass er eh Verantwortung übernimmt, aber sicher nicht für etwas, das jeder macht und somit rechtens sein muss.

Da kauft sich ein Politiker um Millionen von Steuergeld Inserate in der auflagenstärksten Zeitung, diese Inserate werden nicht als Werbung oder bezahlt gekennzeichnet, sondern sehen aus wie ganz normale Artikel, dann wird er damit konfrontiert, darauf hingewiesen, dass das, wenn schon nicht illegal, dann zumindest nicht unbedingt die feine Englische ist, und das Resultat? Macht jeder so, ist super, und ich bin nicht dafür zuständig, dass das nicht ausschaut, wie Werbung. Weil ja ein Politiker ganz sicher nicht penibelst darauf bedacht ist, seine Außenwirkung exakt so zu gestalten, wie er es möchte, ganz sicher nicht, nein, nein, alles kann man sich nicht anschauen, da passieren manchmal Fehler.

Stimmt. Bei der Anzahl an Inseraten würden andere auch den Überblick verlieren. Schließlich hatte der damalige Minister ja auch noch einen anderen Hauptberuf, außer sich ins Solarium der Öffentlichkeit zu begeben.

Dabei glaub ich dem Herrn Faymann sogar, dass er nicht versteht, wieso allein diese Verfehlung unerträglich ist. Weil er nichts anderes kennt, weil er nichts anderes gewohnt ist, weil er quasi von Kindesbeinen an, oder zumindest ganz sicher von Beginn an seines Erwachsenendaseins ausschließlich mit Leuten aus dem eigenen Bratensaft zu tun hatte. Parteiinterne Strukturen haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist, es gab keine Widerworte, weils ja alle auch so gemacht haben. Dass er jetzt nicht mehr irgendwer in Liesing, sondern der Bundeskanzler der Republik Österreich ist, nun, das ist ja nicht sein Fehler, sondern vermutlich eh eher unserer.

Wie die Leute so ticken, zeigt ja auch ein gewisser Herr Cap, der zwar schon seit längerer Zeit eigentlich nur noch ein groteskes Abziehbild eines Politikers ist, aber doch hin und wieder noch neue Ebenen des Absurden erreicht. Faymann im U-Ausschuss des Parlaments? Brauch ma net, hat ja eh schon alles gesagt, im ORF. Der ORF ist jetzt nämlich am besten alles auf einmal: Judikative, Legislative, Exekutive, Staatsfunk, Milliardengrab, Bildungsinstitution, Heiland. Was im ORF passiert, das muss sich das Parlament gar nicht mehr anschauen, es ist alles ok, wir können nach Hause gehen. Dass Barbara Prammer sinngemäß gefragt hat, ob eh noch alles in Ordnung ist mim Cap, das ist sehr schön zu sehen, und zeigt, dass sie aus anderen Kreisen kommt.

Ein Argument für direkte Demokratie, eines, für welches ich mich erwärmen könnte, wäre, dass man dann den Berufsstand der Politiker abschaffen könnte, man bräuchte dann nämlich nur noch ein paar Repräsentanten und ein paar Beamte, die die Ergebnisse verwalten. Dann wären solche Leute wie Faymann oder Cap das, was sie verdienen würden, nämlich irgendjemand. Und nicht die einflussreichsten Leute des Landes.

Vor den ganz großen Käfern wird er uns beschützen, der Werner, hurra.

Und bevor mir jemand auf die Pelle rückt von wegen FPÖ und so weiter: Bei diesen Lichtgestalten der SPÖ kotzt es mich deswegen noch mehr an, weil sie eine Ideologie, einen Zugang zum politischen Dasein, so pervers verdrehen, dass die Sozialdemokratie als solche in den Dreck gezogen wird. Und das hat sich diese Idee nicht verdient.

Eine Ergänzung: Meiner Meinung nach steht die Idee der Sozialdemokratie für das Bestreben, unterschiedlichen Menschen (denn wir sind nicht alle gleich) die gleichen Chancen auf ein menschenwürdiges, zufriedenes Leben zu ermöglichen.

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