Olympische Spiele in Wien

Demnächst wird das Wiener Volk wieder befragt, zu verschiedenen Themen von unterschiedlicher Wichtigkeit. Die Fragen werden sicher wieder neutral gestellt, eine Bevorzung einer der Antwortmöglichkeiten würde ja den strengen Richtlinien der Demokratie widersprechen.

Eine dieser Fragen wird sich dem Thema Olympische Spiele in Wien annehmen, und ob sich die Stadt, die ja angeblich die lebenswerteste unter den Weltstädten ist, für das Jahr 2024 oder 2028 um die Austragung dieser Olympischen Spiele bewerben soll. Und die erste Frage des Wieners ist in diesem Zusammenhang natürlich: „Zu wos?“

Rein historisch betrachtet wäre eine Bewerbung Wiens aus so mancher Perspektive womöglich als verwegen anzusehen. Wieso sollte sich das Kommitee für eine Stadt entscheiden, die es nicht schafft, das mehr oder minder einzige vernünftige Hallenbad der Stadt zu renovieren, oder das selbe Gebäude ein paar Jahre früher in so einen Zustand zu versetzen, dass eine Eishockey-WM (bei der auf Grund des damaligen Lock-Outs der NHL so gut wie alle Stars zugegen waren) stattfinden kann, ohne dass die Spiele statt auf Eis auf Wasser ausgetragen werden müssen.

Noch dazu eine Stadt, die in einem Land liegt, das es geschafft hat, für eine Fussballeuropameisterschaft ein Stadion zu bauen, das nach nicht einmal 5 Jahren schon wieder eine Ruine ist.

Dem Komitee müsste man im Licht dieser Tatsachen durchaus gute Argumente liefern, keine Frage.

Das ist allerdings trotzdem kein Grund, eines der größten Sportereignisse, und traditionell eines der größten gesellschaftlichen Ereignisse, die der Mensch auf diesem Planeten zu bieten hat, gleich einmal mit einem „Brauch ma net, woll ma net, und was das alles kostet?“ zu belegen.

Denn was die Olympischen Spiele für Wien bedeuten könnten, das kann wohl kaum jemand abschätzen. Hunderttausende internationale Gäste, Stimmung, Austausch, Verbindungen, auf menschlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer Ebene, ein Schub für Infrastruktur und Kommunikation, Werbung für Wien und die Wiener und auch für Österreich, für ein Monat das Zentrum der Welt und die Möglichkeit, sich von der besten Seite zu präsentieren.

Aber die sollen nicht spielen, sondern arbeiten.

Vielleicht hat Wien und haben die Wiener keine beste Seite.

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