Österreich und das Social Web

Prinzipiell sollte man bei der Geschichte Österreichs, bei der faktischen, annehmen, dass das sogenannte Social Web hierzulande fabelhaft funktionieren sollte, schließlich leben wir in einem Wohlfahrtsstaat, in dem ein dicht gewebtes soziales Netz (vulgo: Soziale Hängematte) dafür sorgt, dass es uns allen ur super geht und niemand leiden mus, außer er macht bei Saturday Nightlife mit. Störgeräusche von der Neidgesellschaft gibt es, aber grundsätzlich ist Österreich sehr, sehr sozial.

Was in Österreich dafür verblüffend schlecht funktioniert, ist das Social Web, also die Seiten und Plattformen im Internet, wo irgendwelche Leute die Inhalte liefern und andere Leute damit Geld verdienen. Facebook, zum Beispiel. Oder Twitter. Bei Google Plus weiß noch niemand, ob das nicht doch ein Aprilscherz war.

In so einem sozialen Netz stellt irgendjemand einen Link zu irgendetwas Lustigem/Tragischen/Witzigen hinein, oder postet (das hat nichts mit der Post zu tun, die wäre dafür nicht schnell genug) ein schönes Foto von sich und seiner Katze und/oder Penis, und irgendwelche Leute, denen gefällt, was sie sehen, oder die so angewidert sind, von dem, was sie sehen, dass sich andere daran teilhaben möchten, jedenfalls aus einem „sozialen“ Impuls heraus wird der Link oder das Foto oder der „Inhalt“ weitergegeben. Auf Youtube wurden arme Kirchenmäuse auf diese Art zu Millionären, teilweise sogar wirklich im wortwörtlichen Sinn, die Arctic Monkeys wurden Weltstars, ganz ohne Hilfe von Management, Marketing oder Gott, wäre das Internet ein Buch, seine Seiten wären voll mit lauter Erfolgsgeschichten.

Österreich ist da gewissermaßen eine Insel der Seeligen. Ein Youtubehit hat bei uns 5000 Zugriffe und wird am Abend in der ZiB gespielt, die Personen, denen die meisten Leute virtuell auf die Finger sehen, sind die Leute, die wir aus Film/Fernsehen/sonstwoher eh schon gut kennen, virales Marketing betreibt Red Bull (und das hauptsächlich auf ziemlich analogen Festen in Verbindung mit PAAARRTTYYYY), und sonst ist eigentlich auch nicht besonders viel los, außer man liest Interviews mit Social-Media-ExpertInnen, eine Postenstelle, die sich jedes Unternehmen eigentlich getrost sparen kann.

Jedenfalls bockts in Österreich ein wenig, und wieso? Weil wenn der Österreicher an sich, also der gemeine Einheitsösterreicher, in dem Moment, wo er etwas entdeckt, es sich sofort einverleibt. MEINS! Das gebe ich nicht mehr her, das ist mein persönlicher Schatz, niemand soll wissen, dass es ihn gibt, und nur unter Zwang rück ich damit raus, aber alle Welt soll wissen, dass ich ihn entdeckt habe.

Vielleicht ist Österreich unbewusst ein Land der Hippster. Aber dafür sind wir nicht gut genug angezogen.

Gegenstimmen? Meinungen?

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