Das Parlament beruft einen Untersuchungsausschuss ein, um herauszufinden, auf welche Art und Weise diverse Lichtgestalten, die in den letzten Jahren entweder Teil der Regierung dieses Landes waren, oder sich zumindest in deren Dunstkreis bewegte, und ich denke mir, Dunstkreis war nicht oft so passend, wie in diesem Fall, jedenfalls wie diese Lichtgestalten erklären, dass das Geld, das ihnen nicht gehörte, zu ihrem Geld wurde und wie das alles ganz normal ist. Nun denn.
Dieser Untersuchungsausschuss besteht aus Vertreterinnen und Vertretern aller Parlamentsparteien, damit auch alles so abläuft, wies ablaufen soll. Für die ÖVP sitzt Werner Amon im Boot, und egal, wie dieses Boot schaukelt, Amon bleibt an Bord.
Wieso das Boot schaukelt?
Nun, die Gründe dafür gehen auseinander, je nachdem, wen man fragt. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, soll Amon den lächerlichen Betrag von 10000€ über die Partei gewaschen haben, und um herauszufinden, was an dieser Sache dran ist, wurden Ermittlungen aufgenommen. Dass das Boot dadurch eventuell ins Trudeln geraten könnte, weil ja jemand, der Korruption untersucht, vielleicht nicht unbedingt selbst im Verdacht der Korruption stehen sollte, nun denn.
Befragt man allerdings Amons Parteikollegen Heinz Kopf, Clubchef der ÖVP, nach den Ursachen des Schaukelns, dann erhält man eine interessante Antwort: Das alles sei ein Versuch, Amon mundtot zu machen, weil er sich erlaubt hat, die Ermittlungen im Fall Kampusch in Frage zu stellen, und deswegen wird jetzt irgendeine Geschichte herausgeholt und außerdem, wenn man wegen solchen Kleinigkeiten weiterermitteln würde, wäre bald das Parlament leer, so ungefähr.
Das heißt: Eine unter ÖVP-Einfluss stehende Staatsanwaltschaft versucht einen ÖVP-Politiker mundtot zu machen, weil er mit Hilfe der ÖVP vielleicht Geld gewaschen hat. In der Antike hätte Kopf wohl Logik unterrichten müssen.
Was sagt Amon?
Der hat eine Rechnung verloren und redet von „Pech“.
Dabei sollten wir, die in diesem Land ein Stimmrecht haben, von Pech reden. Pech, dass wir solche Leute gewählt haben. Pech, dass wir auf Meldungen über neue Vorwürfe mittlerweile ähnlich intensiv reagieren, wie auf Umweltkatastrophenmeldungen aus irgendwelchen asiatischen Staaten, deren Namen wir noch nie gehört haben.
Es gibt ja den Ausspruch: Jedes Land bekommt die Politikerinnen und Politiker, die es verdient. Ich habe mir diese Leute nicht verdient, und ich kenne genug, die sich solche Leute auch nicht verdient haben.
Normalerweise müsste Amon zurücktreten von seiner Position, zumindest so lange, bis die Anschuldigungen geklärt sind. Aber nein, Amon bleibt, weil Kopf hat volles Vertrauen in ihn. Staatsanwaltschaft? Kopf egal. Parlament? Kopf egal. Außenwirkung? Kopf egal.
Man müsste sich das alles auf der Zunge zergehen lassen. Man müsste allerdings auch daran ersticken.