Rom – Ein Reisebericht

Die Autofahrt ist 8 Sekunden alt, bis es beinahe zum ersten Unfall kommt. In der Tiefgarage. „So fast“ schnaubt unser Fahrer. Dass er ein Stoppschild ignoriert hat, erwähnt er nicht. Willkommen in Rom, wo das Credo „Eine Sperrlinie ist keine Mauer“ gelebt wird, auf jedem Millimeter Straße und oft genug daneben.

Bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel lerne ich neue Dimensionen des Scheissdraufs kennen und bin seelig entzückt. An einer ca. 400m langen Schlange an Linksabbiegern rechts vorbei, um dann bei Rot trotz Gegenverkehrs links abzubiegen? Andiamo.

Dabei wird eine Gelassenheit und Höflichkeit ausgestrahlt, die beineidenswert ist, so schön kann Autofahren sein, man muss sich halt den Platz nehmen, den man braucht, denn wenn alle drängeln, drängelt niemand.

Kurz bricht die Fassade: „Posso fumar?“ Eine Passagierin verweigert das Rauchen, der folgende Satz auf Italienisch hört sich nach „Passt schon, dann erwürg ich halt nachher einen Hamster.“ an.

Das Hotel wird im zweiten Anlauf gefunden nachdem man das „Flughafenmanöver“ angewendet hat. Das haben wir am Flughafen kennengelernt, nachdem wir mit dem Bus, der uns vom Flugzeug zum Terminal brachte, einfach noch eine Runde gefahren sind, um nicht weiter im Stau zu stehen. Manche Probleme lösen sich von selbst, so auch das Problem der Navigation.

Das Hotel ist schön und hat ein schön hohes Gitter, die fehlenden Spitzen zeigen leider nicht, ob das Gitter etwas drinnen oder draußen halten soll.

Die Rezeptionistin spricht nur Italienisch, wir leider nicht, es dürfte sich um ein Hotel für Einheimische handeln. Beim Angeben sämtlicher Daten, die wir bereits per Mail kommuniziert haben, schaut mich die Jungfrau Maria mit leuchtendem Haarkranz streng an.

Due Zimmer sind schön und der Abstand zwischen den Betten groß, man ist hier schließlich katholisch und man geht auf Nummer sicher, der selbe Familienname könnte schließlich auf Geschwister hinweisen. Jungfrau Maria findet das gut. Es ghert afoch mea gschmust übersetzt sich womöglich schwer ins Italienische.

Nach vorgezogener Siesta, die man hier eigentlich gar nicht macht, startet die Stadterkundung. Zwar erst, nachdem die sehr freundliche Rezeptionistin uns das gesamte Hotel zeigt (mir wird gesagt, das Hotel sei sehr jung), die Distanz wird fast aufs Intime verringert, aber schließlich dürfen wir gehen.

Der Verkehr

Der Zufall will, dass die öffentlichen Verkehrsmittel streiken. Beim Blick auf den Busplan und den 11 Stationen überlegt man kurz in Richtung Taxi, nach 4 Minuten hat man aber ebenso viele Busstationen passiert und nimmt den Weg in die Stadt trotz der Qualität der Gehsteige, die in Wien als Stadtwanderwege durchgehen würden, per pedes in Angriff. Wir ernten seltsame Blicke, zu Fuß geht man hier nicht. Außer man ist Tourist.
Aber wir sind stur, auch der achte Scooter, der mit ungefähr Lichtgeschwindigkeit und 3 cm Abstand vorbeizieht bringt uns nicht bei, den Modus des persönlichen Transports zu ändern, Gehsteig hin, Selbstmord her.

Stichwort Scooter: Von denen gibt es hier lustige Mengen, das System, in dem sie sich fortbewegen, erfordert allerdings wahrscheinlich ein mehrjähriges Intensivstudium, auch hier scheisst man sich nix, als Fremdländer muss man wohl vor der ersten Fahrt Grappa oder anderen Nervensaft tanken, um nicht bei der ersten Kreuzung mit einem Heulkrampf am Straßenrand zu verenden.

Der primäre Bewegungsmodus ist die Autofahrt, La Machina ist dem Italiener heilig, auch wenn die meisten Heiligtümer aussehen, als hätte man sie ein paar Mal aus dem Fenster geworfen. Das gesamte Straßennetz ist aufs Auto ausgerichtet, und das nicht besonders gut, dementsprechend quälend und lähmend gestaltet sich das Vorankommen von A nach B.

Was geradezu irre ist, ist der öffentliche Verkehr, der diese Bezeichnung eigentlich fast nicht verdient. Fahrpläne gibt es im Allgemeinen nicht, Buse und Straßenbahnen sind da, wenns da sind, und die Zeiträume zwischen den Fahrzeugen sind unregelmäßig und eher sehr lang. Das Netz ist mäßig ausgebaut, die Fahrten trotz teilweise kurzer Distanzen sehr lang, die Buse und Straßenbahnen unglaublich ineffizient gebaut (Wo bitte ist der Platz hin?), und in Sachen Ampeln oder Infrastruktur werden die Öffis eher benachteiligt. Das macht wenig Freude, aber wahrscheinlich noch mehr, als mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Einige Wenige sehen wir mit gequälten Gesichtern vorbeiradeln, verblüffenderweise gibt es geführte Touristengruppen auf Velos, aber ich zweifle daran, dass da tatsächlich alle Leute dort ankommen, wo sie ankommen wollten.

Rom ist eine fantastische Stadt. Lebendig, quirlig, architektonisch spannend, man merkt den Menschen und der Stadt an, dass viele Sonnenstunden gut fürs Gemüt sind, selbst wenn das Bild an den Rändern ein wenig ausfranst. Aber über diese Fransen sieht man gerne hinweg, vor allem, weil es in Rom angeblich fantastisch einfach ist, fantastisch gut zu essen und zu trinken.

Das Essen

Das erste Lokal der Labung ist ein Reinfall. Die Suche davor ist lang, wir suchen etwas nicht allzu Touristisches (wir sind ja schließlich von Welt) und folgen der alten Regel, dass man sich in fremden Städten nicht in leere Beisln setzt. Und fahren damit eher ein. Die Pizza kommt frisch aus dem Tiefkühler, die Carbonara geziehmt sich wie eine Eierspeis mit Nudeln.

Praktischerweise sind die Portionen so klein, das man danach genug Appetit auf Anderes hat. Aufs Bier als Rettungsanker kann man sich nicht verlassen , wir sind in Italien, und gutes Bier ist ein sehr rares Gut.

Egal. Mund abputzen, weitermachen, die Stadt ist schließlich ein ziemliches Paradies für beinahe eh ois. Per ausgedehntem Hatscher erschließen wir den Petersplatz, die Engelsburg (ein Gebäude von beeindruckender Hässlichkeit), fliegen stolpernden Engerln gleich über den Tiber und ziehen danach von Spritzgetränklokal zu Spritzgetränklokal, vorbei am Pantheon (unglaublich beeindruckend), hin zum Trevi Brunnen.

Der Trevi Brunnen wird zur Zeit umgebaut. Der Baustelle nach zu urteilen könnts eine U-Bahn-Station werden. Wäre ich Filmfreund und wäre deswegen gekommen, hätte ich wohl jetzt ein emotionales Gefälle auszugleichen.

Weiter gehts mit dem Regierungspalast, dem Forum Trajan, dem Forum Romanum, der Schreibmaschine, dem Kolosseum, und an hunderten anderen wunderschönen, verdammt alten Gebäuden vorbei. Mir entkommt permanent ein „2000 Jahre ist das hier alt“, obwohl ich bereits früher in Rom war, bin ich davon gebannt, auf einer der Wiegen unseres heutigen Lebens zu wandern, so beseelt bedudelt bin ich nicht häufig.

Das nächste Spritzgetränklokal möchte gefunden werden, mich zieht es in Richtung Tiberinsel, weil sie in meiner Vorstellung ein einziges Spritzgetränkeldorado ist. Das geht sich in echt leider nicht aus, eh sehr schön, aber verbaut, wir überqueren den Fluss und sind in Trastevere, dem nicht mehr ganz so arg mit Touristen und Tourismus durchzogenen Stadtteil.

Denn das ist leider Roms Achillesferse: Die touristische Ausschlachtung und damit einhergehende Masse an Selfie-Sticks und Leuten mit Wanderrucksäcken, die auschauen, als würden sich darin Verpflegung für 3 Jahre befinden, ist auf Dauer ein wenig belastend. Eh schön und wichtig und so, aber etwas, mit dem man umgehen können sollte.

Das erste Lokal in Trastevere ist großartig. Hauswein um 3€ im Halbliterformat, köstliche Bruschetta, auch die Pizzen schauen fabelhaft aus, wir habens endlich gefunden, dieses kulinarische Paradies.

Beim beglucksten Verlassen des Kleinods fällt mir am Nebentisch etwas auf. Für den Wiener komisch: Ich geh zum Italiener und ess ein Schnitzel. Aber hier ist jetzt kein Platz für Ursprungsdebatten, wir müssen weiter.

Apropos Ursprung: Am Flughafen in Rom gibt es eine Kleinigkeit mit riesigem Potential zu bewundern, und zwar Klobrillen, die von alleine hochklappen, wenn sie nicht besetzt werden. Was das für Beziehungen aller Art bedeuten könnte, sollte man sich mal anschauen, ganz genau.

Was zur Zwietracht am Flughafen wieder beiträgt ist die Auswahl der Zeitschriften im entsprechenden Geschäft. So gut wie alle Magazine sind auf Italienisch. Kann man machen.

Zurück in die Stadt: Das erwähnte Kleinod ist nicht die erste und einzige gute Anlaufstelle für Köstliches, der Weg der Labung ist gepflastert mit Schweinsbratenbroten (jawohl), italienischen Craft-Bieren (jawohl!, vor allem kosten die Craft-Biere so viel wie die normalen) und süßen Versuchungen. Lediglich die Weinauswahl gestaltet sich nicht ganz banal, es gibt viele, viele Sorten, die das Spektrum von Gschloder bis atemberaubend abdecken, und der Preis ist nicht unbedingt eine Orientierungshilfe. Die meisten Weine sind eher auf der süßen Seite, das muss man mögen, andererseits setzt sich der Spritzwein (Vino Spritzo) auch in diesen Regionen schön langsam durch, und bei durchaus lauschigen Temperaturen passt das dann schon sehr gut.

Rom ist auf Grund meiner urlaubstechnischen Codierung sofort mit Entspannung und Ferien verbunden, das macht das Schlendern durch die Stadt natürlich noch viel angenehmer. Selbst wenn man mit Italien noch nichts am Hut hat, sollte man sich die Stadt auf jeden Fall gönnen, am besten ein paar Tage lang. Sie ist ziemlich einzigartig.

Fingerübung Ende.

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