Schleichts euch mit der Festplattenabgabe

In Österreich wird aktuell über das Einführen einer Abgabe diskutiert, die beim Kauf von Festplatten anfällt und Künstlerinnen und Künstler zu Gute kommen soll. Denn schließlich könnte man auf einer Festplatte auch illegal bezogene Inhalte speichern, deswegen soll man gleich präventiv zahlen. Besonders Progressive wollen diese Abgabe gleich auch für Mobiltelefone einführen, sind ja heute kleine Computer. In den Medien wird dieses Bestreben so dargestellt, dass es von KünstlerInnen ausgeht, von Kunstschaffenden.

Nun, ich bin ein Kunstschaffender, und ich bin nicht dafür, diese Abgabe einzuführen. Weil sie vor allem Industrien und KünstlerInnen dient, die einerseits den Hals nicht voll genug bekommen können, und andererseits nicht Willens sind, sich an veränderte Spielregeln anzupassen.

Die Festplattenabgabe wird nicht dem österreichischen Film zu Gute kommen, sondern manchen.

Die Festplattenabgabe wird der österreichischen Musik nicht zu Gute kommen, sondern manchen.

Denn natürlich werden die Verteilungsschlüssel nicht angepasst, für kleine Künstlerinnen und Künstler zahlt sichs doch gar nicht aus, das eingenommene Geld auszuzahlen, das würde doch der Verwaltungsaufwand gleich wegfressen. Und wieder würden wenige bestimmen, was Kunst ist und was nicht.

Was förderungswürdig ist und was nicht.

Genauso wie heute.

Das Hauptargument lautet: „Alle wollen Kunst und niemand mag dafür zahlen.“

Stimmt, deswegen gibt es Förderer und Förderinnen, private und öffentliche, die freiwillig dazu beisteuern, dass Künstler und Künstlerinnen von ihrer Kunst leben können. Aber alle in die Pflicht zu rufen, das geht nach hinten los.

Die selben Gesichter würden profitieren, und für die Unbekannten würde das weiter gefestigte Stigma übrig bleiben, dass man als Kunstschaffender nur die Hand ausstreckt. Vielen Dank!

Kunst gehört zu einer zivilisierten Gesellschaft, wer das hinterfragt, sollte die eigene Position in eben jener hinterfragen, das steht nicht zur Diskussion. Aber wieso man über neue Abgaben versucht, ein Fördersystem zu reparieren, das im Innersten defekt ist, das sehe ich nicht ein.

Und es geht vielen Kunstschaffenden genauso. Nicht nur jenen, deren Kunst gar nicht auf eine Festplatte zu bannen ist, oder ist Bildhauerei etwa keine Kunst, oder Theater?

Daher an alle Kunstschaffenden, die in der Festplattenabgabe ihr Heil suchen: Findet Wege, eure Kunst in der heutigen Zeit und unter den heutigen Rahmenbedingungen mit Relevanz aufzuladen. Die Hand auszustrecken ist leicht, Kunst zu schaffen ist es nicht. Es war noch nie so einfach, von seiner Kunst zu leben. Und wahrscheinlich noch nie so schwierig.

Ergänzung

Was ich vergessen habe: Es gibt seit Jahr und Tag in Österreich die Leerkassettenvergütung, aus der sich unter anderem der Fördertopf der SKE speist. Die Argumente Für und Wider sind aber bei der Leerkassettenvergütung die selben wie bei ihrer Anpassung an moderne Technologien wie Festplatten. Ich selbst bzw. meine Band bezieht Förderung von der SKE, aber ich halte es trotzdem nicht für richtig, dass sich ein verhältnismäßig kleiner Topf für verhältnismäßig Viele ausgehen muss, während an anderer Stelle Geld scheinbar abgeschafft zu sein scheint. Der Kuchen ist groß und fett genug, man muss ihn nur anders verteilen.

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