Schreiben

Schreiben. Nein, Tippen. Nachdenken, und das Erdachte abtippen. Denn schreiben, dazu brauchst Papier und einen Stift, aber beides verwende ich nicht. Das, was ich mache, Tag ein, Tag aus, also eigentlich Arbeitstag ein, Arbeitstag aus, das ist nicht Schreiben. Das ist bestenfalls Nachdenken, und dann tippen. Die Finger als Verlängerung der Denkwurst, die aber eigentlich nicht lang genug ist, um Wurst genannt zu werden, es ist im besten Fall ein Würstchen.

Ein Würstchen, das hinausgepresst wird. An Gittern vorbei, an Filtern, an engen Maschen, die das Denken schon behindern, und das Schreiben und das Tippen noch mehr. Ich zensiere mich selbst, weil ich mir sage, dass etwas nicht gut genug ist (und dann lösche ich es einfach wieder), oder weil ich mir sage, dass man das so nicht schreiben kann. Weil es dann vielleicht jemanden stören könnte, und mit jemanden meine ich nicht mich.

Vielleicht müsste man beim Tippen gar nicht Nachdenken, bei dem, was man zum Verdienen vom Geld, von dem man dann etwas kauft, ach, lassen wir das, also: Vielleicht gehts auch ganz ohne Nachdenken, vielleicht haben die Finger die Filter schon verinnerlicht, besser, als es der Verstand gemacht hat, und vielleicht zensieren sie dann das, was beim Nachdenken herausgekommen ist.

Und vielleicht produzieren sie dann etwas, ganz von allein, das man zwar nur rein technisch gesehen Text nennen kann, der ok ist, der Fragen beantwortet, ein Text, der gefällig ist, der nicht aneckt, weil Texte sollen heutzutage nicht anecken, sie sollen performen, sie sollen beantworten, sie sollen, ach.

Was das hier soll? Es ist ein Versuch, zu erklären, was in einem Menschen vorgeht, der gerne schreibt, aber den ganzen Tag tippt, weil er nicht fürs Schreiben, sondern fürs Tippen bezahlt, für das Ausfüllen von Parametern bezahlt wird, die er sich selber steckt.

Weil man muss performen.

Der Text muss performen.

Und darüber gibts nichts nachzudenken, wirklich nicht, denn denken ist langsam, performen ist schnell und richtig.

Die Sehnsucht, zu schreiben, wie man glaubt, was man glaubt, was man spürt und was man wichtig nehmen möchte, diese Sehnsucht heißt es zu bekämpfen und ab und an betrunken in die Tastatur zu ventilieren.

Und am nächsten Tag heißts Mund abputzen, kurz schlecht oder gut fühlen, wobei der Unterschied zwischen den Zuständen eigentlich egal ist, und dann weiterzuperformen, immer weiter, immer weiter, oder kürzer, je nachdem, was das Korsett sagt. Sagt. Sagt. Sagt.

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