Sind Sie Millionär?

Hans Jörg Schelling ist neuer Finanzminister. Wenn man sich seine Vita durchließt, wird scheinbar alles, was er anfasst, zu Gold, ich wünsche ihm von ganzen Herzen, dass dies in seiner Funktion als Finanzminister so weiter geht, Österreich hätte eine Steuer- und Finanzreform dringend nötig, und vielleicht schafft er, was seine Vorgänger aus verschiedenen Gründen nicht geschafft haben.

Am 2.9. wurde Schelling zum Interview in die ZiB2 gebeten, das Gespräch führte Armin Wolf. Im Verlauf des Interviews gab es folgenden Dialog, im Anschluss an eine kurze Diskussion zum Thema Millionärssteuer:

Armin Wolf: Ich frage Sie mal etwas, was einer Ihrer bekannten Vorgänger, Hannes Androsch, gefragt wurde: Sind Sie Millionär?

Hans Jörg Schelling: Ich bin wohlhabend, ich habe Anteile von den Firmen verkauft und ich glaube, dass ich gut auskommen kann damit, und ich sehe auch Vorteile darin, dass ich damit unabhängig werde und manche Dinge etwas entspannter angehen kann, wie jemand, der ausschließlich von diesem abhängig ist.

Armin Wolf: Gut, meine Frage hätte man ganz einfach mit ja oder nein beantworten können.

Hans Jörg Schelling: Wenn Sie so wollen, stimmt das nicht, was in den Medien kolpotiert wird, aber wenn man sagen würde, es gab einmal einen Brief an die Millionäre, ich habe keinen bekommen, aber ich hätte einen kriegen können. *lacht*

Vielleicht liegt es auch an solchen Antworten, die man immer und immer wieder zu hören bekommt, dass man der Politik auf höchster Ebene weder vertraut, noch zuhört. Das Herumgedruckse, das Ausweichen, das „strategische Beantworten“, das geht vielen Leuten, die an sich politikinteressiert sind, vielleicht wirklich schon ein wenig zu stark an die Milz. Ich wäre einer davon.

Es ist kein Problem, Millionär oder Milliardär zu sein, es ist auch kein Problem, das als Politiker zu sein, und wie Schelling eigentlich richtig ist, ist ein (auf legalen Wegen) gut gefülltes Konto sicher keine schlechte Sache, weil man dann nicht bei jedem verlockenden Angebot alles vergisst, was man selbst gut findet.

Aber die Art und Weise, wie sich Schelling um eine Antwort windet, und in diesem Winden auch noch Berufskolleginnen und Kollegen anpatzt (schauts, die sind so arm, die müssen von dem leben, ha, ha), das ist eigentlich zum Kotzen. Und drückt meiner Meinung nach sehr gut aus, wie weit die politische Spitze des Landes vom Volk entfernt ist.

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