Gehts Österreich gut?

Frank Stronach lässt in einer Wahlkampfbroschüre in sein Leben hineinschauen, zum Beispiel wie es ihm in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts erging.

Bleibt die Frage, wieso er dieses Land, in dem es so super und leiwand und hoffnungsvoll war, überhaupt verlassen hat. Aber die kann Stronach sicher mit dem ihm gegebenen rhethorischen Gewalt glasklar beantworten, im Sinne von Wahrheit, Transparenz und Fairness.

Was ich von folgendem Bild halten soll, weiß ich nicht. So sieht also eine der möglichen Alternativen zu Stronach aus.


reuters/bader

Mahlzeit!

Und in der Zwischenzeit fordert Stenzel eine Sperre des Ringradwegs im Winter. Weil das Salz, das da ausgestreut wird, die Bäume am Ring kaputt macht. Ich hoffe, die Autos dürfen weiterfahren und dass die Fussgängerinnen und Fussgänger nicht auf der Fahrbahn flanieren müssen.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Klärung von Korruptionsvorwürfen

Der derzeit laufende oder stockende oder springende oder jagende Untersuchungsausschuss bietet eine recht große, leicht zugängliche Angriffsfläche für Häme, Spott, Aufrufe zur Revolution und dergleichen Dinge mehr. Deswegen möchte ich mich da gar nicht einschiessen, zu leicht.

Aber: Garantiert nicht bewusst, und wohl gerade deswegen um so pointierter hat der SPÖ-Fraktionsführer Hannes Jarolim das ursächliche Problem, das Dilema, die katastrophale Ursuppe, aus der dieser Ausschuss entstanden ist, auf den Punkt gebracht:

Er ist der Meinung, dass diverse Fragestellungen, die aufgetaucht sind, “am Thema vorbeigehen, die politische Verantwortung zu prüfen” und würde man den Verdachtsmomenten nachgehen, bestehe die Gefahr, dass der Ausschuss “extrem ausufert”.

Natürlich ist das für Parteien wie die SPÖ oder die ÖVP oder die FPÖ oder das BZÖ eine große Gefahr.

Aber gleichzeitig ist es für die Bevölkerung, die den Leuten, die unter anderem in jenem Ausschuss sitzen, ihr Vertrauen geschenkt haben, genau das, was sie sich von diesem Ausschuss erwarten.

Brutaler kann man den Unterschied zwischen demokratischem Anspruch und (österreichischer) politischer Realität nicht auf den Punkt bringen. Danke, Herr Jarolim.

Danke, danke, danke!

Mein heutiger Dank gilt all jenen, die es durch ihre Politik ermöglicht haben, dass eine Person, die den Protest gegen den WKR-Ball mit der Reichskristallnacht und die Kritik an der politischen Ausrichtung mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich vergleicht, ernsthafte Chancen hat, Anführer der meistgewählten Partei Österreichs zu werden.

Mein heutiger Dank gilt auch jenen, die es wieder nicht schaffen werden, sich nach Alternativen umzuschauen, sich zu informieren, sich Gedanken darüber zu machen, wieso das, was die FPÖ anbietet, nicht besonders klug ist und nur eine weitere Eskalationsstufe darstellt, einen weiteren Schritt in Richtung Zerstörung einer demokratischen Kultur und eines sozialen Miteinanders.

Dieser Mann bringt keine Lösungen, sondern nur Probleme. Wer das nicht versteht, tut mir leid…

Herr Graf, zeigen Sie an!

Gar nicht geehrter Herr Graf!

Bitte, lassen Sie Ihrer Ankündigung taten folgen und zeigen Sie alle Personen an, die am 27.01.2012 gegen den WRK-Ball demonstriert haben. Aber machen Sie dort nicht Halt, zeigen Sie auch all jene an, die in Zeitungen, Blogs, Fernsehen und sonstigen Plattformen verkündet haben, dass es nicht besonders fein ist, dass der WKR-Ball in der Hofburg stattfindet und damit den Anschein erweckt, als wäre er ein von der Republik Österreich offiziell veranstalteter. Dass es nicht besonders fein ist, dass der Ball am Gedenktag der Befreiung von Auschwitz stattfindet.

Zeigen Sie bitte jede einzelne Person an, machen Sie sich die Mühe, um damit ein paar Dinge klarzustellen.

Erstens: Sie und Ihre Gesinnungsgenossen haben nicht begriffen, was das Recht auf Demonstrationen für eine Demokratie bedeutet, eine Demokratie, die Ihnen ja angeblich so sehr am Herzen liegt, dass Sie dafür kämpfen werden (bewaffnet sind Sie ja zumindest mit Säbeln…), den WRK-Ball weiterhin an bekannter Stelle stattfinden zu lassen, weil wo kämen wir denn dahin, wenn sich die Rechtsextremen womöglich woanders treffen müssten, nur weil in diesem Land der Konsens herrscht, dass Rechtsextremismus pfui ist.

Zweitens: Sie hätten ja gern, dass alle Demonstrierenden den Polizeieinsatz finanzieren, den Sie angeblich notwendig gemacht haben. Freilich könnte man da meinen, Sie vertauschen Ursache und Wirkung, aber anders gefragt: Wieviel Geld würden Sie mit den Anzeigen verschwenden? Verwaltungskosten, Gerichtskosten, Zeit, um die Leute zu identifizieren, die gegen den WRK-Ball demonstriert haben, das würden ja sicherlich nicht Sie bezahlen.

Ich bitte Sie nochmal mit Nachdruck: Zeigen Sie an. Alle! Dann haben wir es wenigstens Schwarz auf Weiß, was den Tatbestand der Verhetzung erfüllt, und was nicht. Gerade für Ihre Partei könnte das freilich sehr interessant sein.

Ballsaison ist, ich brauche Orden!

Na bitte. Faymann hat einen, Spindelegger hat einen, Berlakovich hat einen, Heinisch-Hosek hat einen, Stöger hat einen, Hundstorfer hat einen, Mitterlehner hat einen, Ostermayer hat einen, und auch Strache hat einen. Jetzt haben wieder ein paar Leute wieder ein paar Gramm Gewicht mehr, das sie in der Ballsaison ausführen können, ist doch schön.

Bundespräsident Heinz Fischer redet irgendwas von verantwortungsvoller Aufgabe, nutzt die Gelegenheit, um zu zeigen, dass er noch nicht ganz weg ist und man ihn noch einsparen sollte, und eigentlich bleibt nur noch die Frage, ob man in Zukunft nicht empfindlich reagieren sollte, wenn einem ein Orden, also, pardon, ein Ehrenzeichen, in Gold, oder in Silber, mit Band oder mit Stern, oder wie auch immer, angeboten wird.

Natürlich wettert die FPÖ gegen die Vergabe, weil die haben sich ja gegenseitig vorschlagen, die von der Regierung. Und eigentlich ists auch ein Blödsinn, dass man fürs Herumsitzen einen Orden bekommt, aber der Heinz Christian freut sich trotzdem. Und regt sich dafür net so auf, dass er in Wahrheit noch bis 2016 warten müsste, auf den Orden.

hc und das world wide web

jetzt hat also die gruppe “anonymous”, die in ihrer österreichischen spielart höchstwahrscheinlich ein eingetragener verein mit statuten, jahreshauptversammlung, gewähltem vorsitz und kassier ist, die website der fpö gehackt, ANGEGRIFFEN, als zeichen des protests, unter anderem gegen die politik an sich, aber auch leute mit zweifelhaften einstellungen zum umgang mit anderen im speziellen. auch aber, weils angeblich recht leicht war, war angeblich schlampig programmiert, die website. wer große teile seiner kreativen energien für messerscharfe slogans, treibende hip-hop-tracks und dieserlei dinge aufwendet, kann sich nicht auch noch mit einer website beschäftigen. obs den parteichef so richtig gestört hat, weiß man nicht, schließlich hat er ja seinen ureigenen webspielplatz (ohne verlinkung), man hat ja überhaupt des öfteren den eindruck, man hats nicht mit der fpö zu tun, sondern der hcö oder so ähnlich, aber dass seine private telefonnummer ins internet gestellt wurde, das hat ihn natürlich schon geärgert. hc strache antwortet übrigens nicht auf sms.

aber um sich des verdachts zu entziehen, er wolle mit dem wahlvolk womöglich nichts zu tun haben, hat er sich gedacht: post ma was auf facebook, lies ma a bissl was, was die leut schreibn, schreib ma was, gut ist, und am telefon hob i mei ruh. gesagt, getan. man hat sich einen linkisch linken zeck ausgesucht (vulgo: dreadlocks am profilbild), und gemeint: das isser, der hat die nummer gfladert, dieser verbrecher! der standard (unter anderem) hat über diese sache berichtet, hier der link mit einem screenshot der kommentare: http://derstandard.at/1308681080189/FPOe-Handy-Diebstahlsaffaere-Strache-stellt-User-auf-Facebook-an-den-Pranger

verstörend an diesem status und den dazugehörigen kommentaren sind einige dinge. beispielsweise die tatsache, dass sich jemand, der bundeskanzler von österreich werden möchte, scheinbar nicht dessen bewusst ist, dass er sich strafrechtlich schuldig macht, indem er von leuten dinge behauptet, die womöglich nicht stimmen, das mag im parlament durchgehen, im echten leben aber eher nicht so. selbst wenn man dann einfach den status löscht, tut, als ob nichts gewesen wäre, ich wünsche dem herren zahntechniker eine anzeige und einen prozess an den hals, der ihn zumindest kurz mal nachdenken lässt. kurz, zumindest.

für mich als naivling ist allerdings auch folgende sache ziemlich ernüchternd: bis vor relativ kurzem galt man als politikerin und politiker als mehr oder weniger seriös, sagte dinge, wo sich andere an die stirn greifen, bestenfalls im bierzelt unter freunden, im fernsehen oder im parlament oder sonstwo gab man sich besonnen, dachte womöglich, was das wahlviech denkt, ausgesprochen hat mans dann doch nicht, man war ja gewissermaßen erhaben. nun, jetzt scheint auch das nicht zu zählen, denn selbst einem hc strache muss klar sein, dass er auf seiner pinnwand net in einem beisl unterwegs ist.

jedenfalls scheiss ich auf politikerinnen und politiker, die nicht einmal so tun, als wären sie vorbilder, als würden sie zwar die probleme der kleinen leut verstehen, aber lösungen kennen, die die kleinen leute eben nicht kennen, das sollte politikerinnen und politiker auszeichnen. auf linke zecken draufpöbeln ist einfach, genauso wie es das bei rechten faschos ist. wenn man keine argumente hat. und ich zweifle daran, dass mir irgendjemand ein argument liefern kann, wieso es ok ist, diese person, diese partei zu wählen. punkt.

staub weg, michi fast da

bevors hier ins sommerloch geht, gehts noch auf die metagerade. der michi arbeitet grad, das hobby wurde zum beruf gemacht, aber das hobby darf eigentlich nicht leiden. also: wie stufe ich die menschen ein, die ich auf der straße treffe?

1) das ausgefressene schweinsgesicht

meistens leicht sliwowitzfärbig, also gerötet, mit rosanstrich. mundwinkel je nach tagesverfassung horizontal oder nach unten strebend, kontrolle über gesichtsmimik so gut wie nicht vorhanden, im sommer stark transpiriend und meist japsend. siehst du ein ausgefressenes schweinsgesicht und bist selbst keines, geh sicherheitshalber laufen. oder nimm ein paar tage lang nicht den lift.

2) der berufsgrantler

meist anzutreffen am steuer von öffentlichen verkehrsmitteln oder am party-backend der postfiliale, optisch sehr vielfältig, markantestes merkmal ist der blick, der einem gleichzeitig folgende dinge sagt: “es interessiert mich nicht, was du willst, wer du bist, wo du herkommst, und wenn mich jetzt nicht sofort jemand fragt, wies mir geht, damit ich mit einem passt scho antworten kann, dann gibts heut am abend a sulz”. da die meisten leute rindviecher in ihrer wahrnehmung sind, enden die meisten tage mit der sulz, und oft gehts dann richtung 1.

3) der fitnessfaschist

läuft jeden tag in der arbeit, nimmt niemals den lift, auch nicht in den sears tower, kauft beim billa ausschließlich rhabarber, denn alles andere ist eine glutamatgetränke fettbombe. leute, die im sommer schwitzen, werden verächtlichst niedergestarrt. man ist sportlich, durchtrainiert, und trägt auch in der arbeit grundsätzlich sportsocken. ist hartnäckig, verdammt hartnäckig.

4) das alte mutterl

steht im weg, keppelt über radfahrer, fussgänger und hunde, taucht meistens im rudel auf und mischt sich bevorzugt in pädagogische gespräche von leuten ein, die sie gerade zum ersten mal gesehen haben. sind merkresistent, hören meistens wenig und nicht zu, sind aber leicht abzuhängen.

5) der/die besserwissende

bleibt bei jeder sich bietenden gelegenheit stehen und schaut. und wenn man dann fragt, was es denn zu schauen gibt,  bekommt man als antwort: “ich möchte, dass sie ihr kind fair behandeln!” auf nachfrage gibt es keine details, ist mit dem vorschlag, das problem selbst in die hand zu nehmen, gepaart mit einem strengeren blick, leicht in die flucht zu schlagen.

und jetzt kann ich nicht mehr weiterschreiben, weil ich hab gelesen, dass sich 43% der österreicherinnen und österreicher die fpö in die bundesregierung wünschen. ich such mal meinen pass…

wie darf ich das alles hier verstehen?

ein kurzer einwurf zu beginn: das ist mein blog. ich schreibe hier, worüber ich will, wie ich will, und ich will oft auch deftig. das sollte jeder person, die hier vorbeistolpert, klar sein. weiter im text…

jetzt wurde dieses wahltamtam also fast schon wieder beendet. noch haben wir kein endgültiges ergebnis, weil die briefe und die post und so weiter, das dauert halt a bissl, viel wird wahrscheinlich nicht passieren, vielleicht da ein mandat weniger, da eins mehr, im großen und ganzen wirds aber nichts ändern. die spö wird ihre absolute nicht halten können, die övp wird in wien auf eine kleinpartei mit großparteiambitionen gestutzt, die grünen bleiben bei den blumen, und die fpö, tja.

wie wird wien in zukunft regiert werden? viele der f-wähler könnten meinen: goa ned, eh so wie bisher. die spö-ler werden sagen: in jedem fall schlechter! die anderen parteien sind putzig genug, um als koalitionspartnerinnen nicht zu stören, aber groß genug, um in frage zu kommen, werden sich also anbiedern. kurz um: man weiss auch nicht wirklich, was da geschehen wird in wien. eins ist ziemlich fix: häupl wird keine koalition mit strache (oder wem auch immer in der f) eingehen, das ist schon mal ein ganz gutes ding, denn dass diese partei auch von regierungsbeteiligung nicht gestutzt wird, das wurde ja schon vom weltgrößten mascherl bewiesen. wobei ich die aktuelle fpö eigentlich nicht mit der damaligen vergleichen möchte, irgendwie nicht mal das.

kurzum, wir sind jetzt eigentlich genauso schlau, wie vorher, nur die spö hat beispielsweise das problem, dass sie jetzt schön langsam die augen aufkriegen muss, denn auch dem wiener an sich wirds auffallen, wenn nach 2 oder 3 jahren immer noch keine neue regierung zu stande gekommen ist, nach dem motto: oh, pardon, hamma was übersehen?

die fpö muss sich auch klar werden, was sie möchte. strache als vize? mhm, eher nicht. springt strache nach diesem erfolg ab, wirds ihm das publikum beim nächsten mal womöglich pfeiffen, dann kommt der dobermmannboomerang womöglich recht schnell zurück. will man in die regierung (wie wärs mit koalition und integrationsstadtrat?), will man in der opposition weiterschreien? vielleicht findet ja sogar jemand so etwas ähnliches wie ein arbeitskonzept für die stadt, in irgendeiner schublade…

jedenfalls noch einmal, diesmal ruhiger: ich finde es nicht gut, dass die fpö von 27% der leute, die zur wahl gangen sind, gewählt wurden. ich finde das nicht nur nicht gut, sondern ich finds zum kotzen. aber rausgekotzt hab ichs gestern schon, jetzt ziel ma weiter oben hin (danke herr häupl für dieses weitere bonmot der wahlkampfrethorik!): dass es probleme in dieser stadt gibt, keine frage. teilweise viele kleine, einige mächtig große. aber entgegen dessen, was die spö vermittelt hat, und auch entgegen dessen, was die fpö herumkeifft, wird an diesen problemen gearbeitet, zum teil erfolglos, zum teil ist man vom erfolg so weit entfernt, wie ich von einem politikwissenschafter.

dass du am gürtel von türken angstiegen wirst, das ist ein problem. aber das ist vor allem dein problem, es auf die fehlgelaufen integration zu schieben, ich weiss nicht. denn ich bin am gürtel noch nie von türken angstiegen worden, beispielsweise.

dass in einem gemeindebau viele türken oder serben oder wer auch immer zu finden ist, nun, das liegt vielleicht auch daran, dass der staat, in dem wir leben, diesen zugewanderten, und vor allem auch den hier geborenen leuten irgendwie nicht so wahnsinnig viel angebote hinlegt, mittels derer sie fett kohle verdienen können. so wie im übrigen den “echten” österreichern auch nicht, der gemeindebau ist für arme leute, und das sind leute, die aus der türkei kommen, oder aus polen, aber ebenso auch leute, die seit mehreren generationen hier leben. dass man nicht immer überall platz kriegt, ist natürlich bitter, dass irgendjemand bevorzugt wird, natürlich vollkommener schwachsinn und verzerrte wahrnehmung. weil das kopftuch sich halt mehr einbrennt, als die dunkelblonde schmalzlocke.

es ist einfach eine diskussion, deren einzige grundlage die herkunft von menschen ist, schlicht nicht korrekt zu führen, weil schon die grundvorausetzungen für vernünftige gespräche nicht gegeben ist. und die fpö beispielsweise ist nicht an solchen gesprächen interessiert, weil sie diese gespräche wahrscheinlich nicht mal führen kann.

natürlich: wenn dir persönlich etwas auf den zeiger geht, und dann auch noch ein ausländer daran beteiligt ist, und dann jemand daherkommt: jawohl, das problem kennen wir, wir hören zu!, dann sympathisierst du im ersten augenblick damit. und es ist sicherlich eine versäumnis der wiener stadtpolitik, dass an dieser stelle so eine große frustration entstehen konnte. genauso, wie es österreichweit ein versagen der selben partei ist, dass dieses thema ein so verdammt emotionales und großes ist (stichwort gastarbeiter und der umgang mit ihnen…).

und natürlich verstehe ich, wenn leute an sich von der politik angeekelt sind, hoffnungslos, dass sich irgend etwas tun wird, sich ins positive drehen wird, dass irgendjemand daherkommt, der etwas sagt, und nicht etwas völlig anderes tut, das alles kann ich nachvollziehen. den schritt, die fpö zu wählen, allerdings nicht.

für protest gibt es andere optionen: zu hause bleiben (ja, ohne wahlpflicht ist auch das ein legitimes, demokratisches mittel), weiss wählen, wenn schon nicht grün wählen, dann bleiben einem noch immer kleinparteien, die durchaus konkrete ideen und vorstellungen haben, und die nicht so ekelhaft agieren. wieso man sich gerade eine der größten schanden europas aussuchen muss, um jemandem einen denkzettel zu verpassen, das weiss ich einfach echt nicht.

darf ich das wahlergebnis mögen?

nein, darfst du nicht. gerade aus. darfst du nicht. punkt.

die spö hat fehler gemacht. viele, und über einen relativ langen zeitraum.

die öpv hat keinen wahlkampf geliefert, sondern eine veroaschung.

die grünen haben einen großartigen wahlkampf geliefert, der allerdings auf einem wahnsinnig schwachen fundament gebaut wurde.

die anderen parteien ignoriere ich.

ich habe jetzt in den letzten stunden mit leuten aus verschiedensten sozialen, politischen, was-weiss-ich-für-zugängen gesprochen, und ein stehsatz war folgendes:

weisst, ich war früher (setze ein, was auch immer du für richtig hältst…) wähler, aber ich hab heut den strache gewählt, weil der hört mir zu. und am liebsten hätte ich mich jedes mal aufs neue übergeben. weil diese person, diese partei, die hört dir nicht zu. die scheisst auf dich, die scheisst auf das, was du glaubst, was du für richtig hältst, wo du her kommst, was du machst. das einzige, worauf diese person, diese partei nicht scheisst, ist deine stimme. und du findest das auch noch gut. und das bringt mich zur weissglut. grünglut. rotglut. das kotzt mich an!

und jetzt erklär ich dir auch, wieso mich das so ankotzt: du  hast heute eine partei gewählt, die keinen konsens sucht, die keine lösungen sucht, die lösungen wahrscheinlich nicht mal gut findet, du hast heute eine partei gewählt, die nichts anderes kann, als andere leute anzuschreien, in ein schlechtes licht zu tauchen, andere leute in gegenden zu bewegen, mit denen sie nichts zu tun haben.

natürlich: die anderen parteien habens der f sehr leicht gemacht, vor allem die spö. weil wien ist nicht spö-eigenbau, das sollte spätestens seite heute bei allen parteimitgliedern der roten angekommen sein.

aber, und das mal ganz deutlich: durch deine “proteststimme” hast du folgendes erreicht: ausländerhetze, populismus der übelsten sorte, das nicht-lösen, sondern das schreien, das alles hast du heute gewählt. du hast heute einen weiteren stein in die mauer der vernaderer, der aussichtlosen, der perspektivverweigerer gesetzt, du hast heute mit deiner stimme dein land, das du angeblich so liebst und vor fremden (!!!) schützen möchtest, um jahrzehnte zurückgeworfen, mit deiner stimme.

zum kotzen ist das, jawohl, zum kotzen, und ich bemühe mich da gar nicht um nettere worte, weil ichs auch nicht tun muss.

aber das heutige ergebnis ist eine schande. eine schande, eine verdammte schande!

demokratieverständnis, nazis und löwen

der wiener wahlkrampf hat gestern sein glorreiches ende gefunden. oder zumindest wurde er offiziell abgesungen. oder zumindest hätten sich ein paar leute ein wenig glorie gewünscht.

der schönste, klügste und innovativste politiker auf dieser erde, der, der an EUCH glaubt, aber vor allem zuerst an sICH (wahrscheinlich ärgert er sich auch ein bisschen, dass man ICH nicht IHC schreibt, egal…), hat den stephansplatz als ort seiner blähungen gewählt, nun gut, wieso nicht. vielleicht sieht er jetzt endlich, dass der stephansdom in wahrheit anders herum ist, als auf seinen plakaten, also, nicht im sinne von oben und unten, weil das wäre dann sogar für diese partei ein wenig zu absurd. am stephansplatz waren anfangs eher mehr verdutzte touristen (die armen leut…), und relativ wenig bezahltes oder sonst wie sediertes fussvolk, zum glück, auch wenn jede person dort eine person zu viel ist, egal. geredet hat er, was er sonst immer redet, interessant für mich persönlich war der vorwurf, die linken demonstranten würden sich wieder mit mangelndem demokratieverständnis und gewalt hervortun. wenn am stephansplatz stehen gewalt ist, dann bin ich im sinne der anklage schuldig. den vorschlag, in eine demokratiewerkstatt zu gehen, um zu lernen, was das überhaupt ist, diese demokratie, nun, nehme ich dankend auf, und schlage vor: wenns mitgehen, nicht besonders werter herr strache, gehe ich gerne auch dorthin. ein paar schlagworte: demokratie bedeutet nicht, dass man unkommentiert jeden blödsinn reden darf. demokratie bedeutet nicht, dass die meinung frei geäußert und nicht kommentiert werden darf. es zeugt vielmehr ihrerseits von mangelndem verständnis dieses wortes, wenn sie unmutsbekundungen als undemokratisch abkanzeln. dabei möcht ich mich allerdings auch nicht schützend vor die dodln stellen, die “nazis raus!” skandieren, weil das ist um nix besser, genauso deppert wie das, wogegen ihr da demonstriert, und im übrigen noch dazu höchst respektlos gegenüber einer recht stattlichen anzahl von menschen, nun, denn. die polizei hat sich endlich wieder aufspielen können, aber alles in allem eine sehr wienerische veranstaltung: eh lieb. passt scho!

ursula stenzel bietet mittlerweile auch humoristisches: bisher stand der slogan “sie kämpft wie eine löwin!” nur als text auf ihrem plakat, flankiert von ihrem edlen antlitz. nun gibt es einen neuen entwurf, ein neues design, wies im racing-english heisst, auf dem sehen wir nicht nur frau stenzel, sondern auch, moment, eine löwin, jawohl, eine echte. jetzt könnte man sich natürlich fragen, wieso das so ist? möchte man die durchaus vorhandene ähnlichkeit betonen? hat jemand die löwin gfragt, ob sie das überhaupt möchte? ich habe das plakat in der natürlichen jagdumgebung von löwinnen fotografiert, also im dunkeln, weil da gehen sie jagen. wer nun einwendet, dass es in stenzels universum spätestens wenns finster wird, nichts mehr zu tun und zu passieren hat, dem entgegne ich: beim kolporierten konsum der frau stenzel wirds eh nie wirklich hell. von daher passts da auch ganz gut mit der nacht, und so.

was sonst noch kommen wird? die grünen reparieren mir am schwedenplatz das fahrrad, am samstag. und möchten jetzt 72 stunden am stück wachbleiben und ihre budl am schwedinger offen halten. das wird die löwin ärgern. und das ist eigentlich schon gut genug.