ein kurzer einwurf zu beginn: das ist mein blog. ich schreibe hier, worüber ich will, wie ich will, und ich will oft auch deftig. das sollte jeder person, die hier vorbeistolpert, klar sein. weiter im text…
jetzt wurde dieses wahltamtam also fast schon wieder beendet. noch haben wir kein endgültiges ergebnis, weil die briefe und die post und so weiter, das dauert halt a bissl, viel wird wahrscheinlich nicht passieren, vielleicht da ein mandat weniger, da eins mehr, im großen und ganzen wirds aber nichts ändern. die spö wird ihre absolute nicht halten können, die övp wird in wien auf eine kleinpartei mit großparteiambitionen gestutzt, die grünen bleiben bei den blumen, und die fpö, tja.
wie wird wien in zukunft regiert werden? viele der f-wähler könnten meinen: goa ned, eh so wie bisher. die spö-ler werden sagen: in jedem fall schlechter! die anderen parteien sind putzig genug, um als koalitionspartnerinnen nicht zu stören, aber groß genug, um in frage zu kommen, werden sich also anbiedern. kurz um: man weiss auch nicht wirklich, was da geschehen wird in wien. eins ist ziemlich fix: häupl wird keine koalition mit strache (oder wem auch immer in der f) eingehen, das ist schon mal ein ganz gutes ding, denn dass diese partei auch von regierungsbeteiligung nicht gestutzt wird, das wurde ja schon vom weltgrößten mascherl bewiesen. wobei ich die aktuelle fpö eigentlich nicht mit der damaligen vergleichen möchte, irgendwie nicht mal das.
kurzum, wir sind jetzt eigentlich genauso schlau, wie vorher, nur die spö hat beispielsweise das problem, dass sie jetzt schön langsam die augen aufkriegen muss, denn auch dem wiener an sich wirds auffallen, wenn nach 2 oder 3 jahren immer noch keine neue regierung zu stande gekommen ist, nach dem motto: oh, pardon, hamma was übersehen?
die fpö muss sich auch klar werden, was sie möchte. strache als vize? mhm, eher nicht. springt strache nach diesem erfolg ab, wirds ihm das publikum beim nächsten mal womöglich pfeiffen, dann kommt der dobermmannboomerang womöglich recht schnell zurück. will man in die regierung (wie wärs mit koalition und integrationsstadtrat?), will man in der opposition weiterschreien? vielleicht findet ja sogar jemand so etwas ähnliches wie ein arbeitskonzept für die stadt, in irgendeiner schublade…
jedenfalls noch einmal, diesmal ruhiger: ich finde es nicht gut, dass die fpö von 27% der leute, die zur wahl gangen sind, gewählt wurden. ich finde das nicht nur nicht gut, sondern ich finds zum kotzen. aber rausgekotzt hab ichs gestern schon, jetzt ziel ma weiter oben hin (danke herr häupl für dieses weitere bonmot der wahlkampfrethorik!): dass es probleme in dieser stadt gibt, keine frage. teilweise viele kleine, einige mächtig große. aber entgegen dessen, was die spö vermittelt hat, und auch entgegen dessen, was die fpö herumkeifft, wird an diesen problemen gearbeitet, zum teil erfolglos, zum teil ist man vom erfolg so weit entfernt, wie ich von einem politikwissenschafter.
dass du am gürtel von türken angstiegen wirst, das ist ein problem. aber das ist vor allem dein problem, es auf die fehlgelaufen integration zu schieben, ich weiss nicht. denn ich bin am gürtel noch nie von türken angstiegen worden, beispielsweise.
dass in einem gemeindebau viele türken oder serben oder wer auch immer zu finden ist, nun, das liegt vielleicht auch daran, dass der staat, in dem wir leben, diesen zugewanderten, und vor allem auch den hier geborenen leuten irgendwie nicht so wahnsinnig viel angebote hinlegt, mittels derer sie fett kohle verdienen können. so wie im übrigen den “echten” österreichern auch nicht, der gemeindebau ist für arme leute, und das sind leute, die aus der türkei kommen, oder aus polen, aber ebenso auch leute, die seit mehreren generationen hier leben. dass man nicht immer überall platz kriegt, ist natürlich bitter, dass irgendjemand bevorzugt wird, natürlich vollkommener schwachsinn und verzerrte wahrnehmung. weil das kopftuch sich halt mehr einbrennt, als die dunkelblonde schmalzlocke.
es ist einfach eine diskussion, deren einzige grundlage die herkunft von menschen ist, schlicht nicht korrekt zu führen, weil schon die grundvorausetzungen für vernünftige gespräche nicht gegeben ist. und die fpö beispielsweise ist nicht an solchen gesprächen interessiert, weil sie diese gespräche wahrscheinlich nicht mal führen kann.
natürlich: wenn dir persönlich etwas auf den zeiger geht, und dann auch noch ein ausländer daran beteiligt ist, und dann jemand daherkommt: jawohl, das problem kennen wir, wir hören zu!, dann sympathisierst du im ersten augenblick damit. und es ist sicherlich eine versäumnis der wiener stadtpolitik, dass an dieser stelle so eine große frustration entstehen konnte. genauso, wie es österreichweit ein versagen der selben partei ist, dass dieses thema ein so verdammt emotionales und großes ist (stichwort gastarbeiter und der umgang mit ihnen…).
und natürlich verstehe ich, wenn leute an sich von der politik angeekelt sind, hoffnungslos, dass sich irgend etwas tun wird, sich ins positive drehen wird, dass irgendjemand daherkommt, der etwas sagt, und nicht etwas völlig anderes tut, das alles kann ich nachvollziehen. den schritt, die fpö zu wählen, allerdings nicht.
für protest gibt es andere optionen: zu hause bleiben (ja, ohne wahlpflicht ist auch das ein legitimes, demokratisches mittel), weiss wählen, wenn schon nicht grün wählen, dann bleiben einem noch immer kleinparteien, die durchaus konkrete ideen und vorstellungen haben, und die nicht so ekelhaft agieren. wieso man sich gerade eine der größten schanden europas aussuchen muss, um jemandem einen denkzettel zu verpassen, das weiss ich einfach echt nicht.