Der Ewige Wahlkampf

Jetzt ist es bald vorbei. In wenigen Stunden wird der längste Wahlkampf der österreichischen Geschichte zu Ende gehen. Die Kandidaten werden sich die Hand geben, ähnlich wie in den USA schwören, dass sie sich helfen werden, Österreich zu einem besseren Land zu machen, bla, bla, bla.

Weil es für die zwei Profis (denn das sind sie, auch wenn sie oft nicht so gewirkt haben) tatsächlich vorbei sein wird. Für sie gehört der Wahlkampf zum Geschäft, für sie geht es darum, zu polarisieren, Schlagzeilen zu schreiben, damit sie schließlich mehr Stimmen bekommen, als der andere, bzw. als die andere Partei. Für sie ist es das Selbstverständlichste der Welt, jemanden an einem Tag als kommunistischen Spion oder als Nazi zu bezeichnen, um am nächsten Tag am selben Mittagstisch zu sitzen und Witzchen zu machen. Das ist an sich auch nicht das große Problem, als Mensch mit halbwegs Lebenserfahrung und/oder offenen Augen weiß man das ja eh.

Das große Problem an so einem langen Wahlkampf ist allerdings, dass die Gräben, die zwischen den Parteien aufgerissen werden, in der Bevölkerung, dass diese Gräben nicht so einfach wieder zugeschüttet werden können. Denn was für Politprofis gewissermaßen normal ist, nämlich das polarisieren, das Ausspielen das Positionen, das hat auf die Bevölkerung echte Auswirkungen. Weil die Bevölkerung meist nicht versteht, dass sie manipuliert wird, und die meisten Aussagen für bare Münze nimmt (oder resigniert). Je länger ein Wahlkampf dauert, desto länger hat man die Möglichkeit, zu beeinflussen, und irgendwann wird das, was eigentlich kein Feuer werden möchte, so stark angefacht und in Bewegung gebracht, dass es auf einmal zu brennen beginnt. Und die, die angefacht haben, glauben, dass sie problemlos das Feuer wieder löschen können, untereinander gelingt es ihnen ja ständig und problemlos. Sie haben allerdings, wie so häufig in der heutigen Politik, auf das Volk vergessen und dass es bei einem Flächenbrand in der Bevölkerung womöglich nicht mehr möglich ist, zu reparieren, was auseinandergerissen wurde.

Natürlich gibt es Fraktionen, Parteien und Menschen in diesem Land, die daran großes Interesse haben. Die es nicht aushalten, ohne Spaltung zu leben, weil sie in Zeiten der Harmonie keine Antworten und keine Ideen anbieten können, weil sie nicht konstruktiv denken können oder wollen. Für diese Menschen ist die Länge dieses Wahlkampfs natürlich ein Geschenk.

Aber unsere Demokratie wurde nie dafür geschaffen. Sie wurde geschaffen, um möglichst allen eine Stimme zu geben, um möglichst allen die Möglichkeit zu geben, an politischen Prozessen teilzunehmen, aber sie wurde nie für den Zustand eines Dauerwahlkampfs gedacht. Weil die meisten von uns sich mit Politik nicht in dem Ausmaß befassen können, wie es notwendig wäre. Weil die meisten von uns aus diesem Grund diese Arbeit den Politprofis überlassen. Weil der Sinn von Wahlen der ist, dass wir Repräsentantinnen und Repräsentanten die Befähigung geben, in unserem Sinne zu entscheiden (zumindest theoretisch). Weil wir nicht über jedes einzelne Detail entscheiden wollen und können (weil uns in den meisten Fällen der Einblicke fehlt und wir dann beeinflussbar werden), weil wir uns darauf verlassen müssen, was diese Politikprofis mit unserer Stimme machen.

Und in letzter Zeit ist es aus dem Ruder gelaufen, wurde Schindluder mit unseren Stimmen betrieben. Aber es wurde auch der Stimmenfang in eine neue Dimension geholt, eine Dimension, mit der wir nicht umgehen können. Weil wir eben nicht Profis sind und von einem Tag auf den anderen die spaltenden Botschaften richtig bewerten können. Oder vergessen können, um uns am nächsten Tag wieder die Hand zu geben.

Ich hoffe wirklich, dass wir am Sonntag fürs Erste genug davon gehabt haben. Dass wir keinen Präsidenten wählen, der in weiterer Folge auch alles in seiner Macht liegende tun würde, um den nächsten Wahlkampf zu starten. Ich hoffe, dass Österreich ausnahmsweise mal eine Vorreiterrolle einnimmt und gegen den internationalen Trend der Spaltung und des Zündelns wählt und zum Vorbild wird, für Demokratie, für ein Miteinander.

Ich weiß nämlich leider nicht, was als Nächstes kommt, wenn das nicht eintritt. Aber es wird sicher nichts Gutes.

Wer ist schuld?

In Österreich macht wieder mal ein Skandal seine Runden, der auf den selben Fundamenten aufgebaut ist, wie alle Skandale davor, nämlich einerseits auf dem de facto Aufheben der in einer Demokratie notwendigen Trennung von Legislative, Judikative und Exekutive und andererseits eines in weiten Teilen verkümmerten Journalismus, der nur Bericht erstattet, statt zu recherchieren und zu informieren. Der Skandal ist diesmal ein wenig größer, es sind ein wenig mehr Leute als sonst involviert, aber im Prinzip hat man als gelernter Österreicher schon die passende Antwort parat: Man zuckt mit den Schultern und denkt sich „Eh kloa.“

Allerdings gibt es eine hoffentlich immer größer werdende Gruppe an Menschen, die sich danach fragt, wer denn eigentlich Schuld daran ist, dass ständig solche Dinge passieren, in einem Land, in dem sichs eigentlich recht leiwand leben ließe. Sind die PolitikerInnen schuld? Wahrscheinlich schon auch irgendwie, schließlich sind die agierenden Personen, aber sie werden von uns, vom Volk, gewählt, wir geben ihnen gewissermaßen das Recht, überhaupt irgendwie zu handeln. Das heißt, dass wir zu einem womöglich großen Teil selbst schuld sind, wenn dieserlei Dinge passieren.

Freilich ist das Wesen einer Demokratie jenes, dass es im Endeffekt ein Wettbewerb ist, an dem verschiedenen Gruppen teilnehmen, um einen möglichst großen Anteil der Stimmberechtigten davon zu überzeugen, dass ihre Ideen am leiwandsten sind. Im Idealfall sind diese Ideen tatsächlich so gestrickt, dass sie zum Wohl der Allgemeinheit dienen, eine Gesellschaft weiterentwickeln, das Leben aller besser macht, gesünder macht, lebenswerter macht.

In der aktuellen österreichischen Situation (aber das ist bei weitem nicht ein österreichisches Spezifikum, man schaue hinüber in die Schweiz, solange man noch schauen darf) treiben die zur Wahl stehenden Gruppen eher Ideen voran, die vor allem ihnen selbst nutzen, in zweiter Linie vielleicht einzelnen Menschen, in den meisten Fällen aber ganz sicher nicht mehr einer Allgemeinheit, ganz sicher nicht der Gesellschaft an sich, zumindest nicht bei den größeren Parteien. Jeder und jede ist sich selbst am Nächsten und der Neoliberalismus, der sich in den letzten Jahren auch schön in einer sozialdemokratischen Partei festgesetzt hat, hat uns gelehrt, dass man halt auf sich selbst schauen muss, wenn sichs angeblich nicht für alle ausgeht.

Dass manche dann noch mehr einpacken, als sie eigentlich bräuchten, das liegt in der Natur des Menschen.

Was tun?

Man könnte jetzt natürlich „Revolution!“ schreien. Würde ich auch sympathisch finden, irgendwie. Aber was dann? Haben wir Menschen, die dann bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen, das Land zu regieren? An den Rahmenbedingungen würde sich so schnell nichts ändern, wahrscheinlich.

Vielleicht wäre es schon ein guter Anfang, wenn man Leuten, die sich auf kriminelle Art und Weise bereichern, einen Staat als Selbstbedienungsladen sehen und auf locker lässig tun, mal zeigen könnte, dass das, was sie tun, eben kriminell ist, illegal ist und mit entsprechenden Konsequenzen verbunden ist.

Vielleicht wäre es ein guter Anfang, Informationstransparenz zu schaffen, echte Transparenz, denn schließlich sollten wir alle alles über unseren Staat wissen dürfen, oder nicht? Dann gäbe es auch keine Ausreden mehr von wegen „Aber wir erfahren ja nix!“ Meine naive Hoffnung wäre, dass diese Maßnahme dem allherrschenden Populismus einen Maulkorb verpassen könnte. Naiv, ich weiß.

Vielleicht wäre ein guter Anfang, wenn Journalistinnen und Journalisten diese Transparenz nutzen würden, um uns Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, was denn die Ideen und Vorschläge wirklich bedeuten, welche Auswirkungen sie haben, etc. Aktuell hat der Journalismus ja situationselastische Ausreden.

Denn letzten Endes gewinnen die Lautesten. Und schon in der Schule lernt man, dass die Lautesten nicht immer die Besten sind.

Österreich im letzten Quartal 2013

Obwohl im September gewählt wurde, hat Österreich immer noch keine Regierung. Das ist insofern erstaunlich, als dass die selben Personen und die selben Parteien Koalitionsverhandlungen führen, die auch die letzten 5 Jahre gemeinsam regiert haben. Dass dabei scheinbar viele Dinge nicht so gelaufen sind, wie sie dem Stimmvieh präsentiert wurden, beispielsweise budgetäre Situationen und ähnliches, das sollte uns wahrscheinlich aufregen, gilt aber irgendwie doch als irgendwie normal.

Die verhandelnden Personen greifen in Budgetfragen übrigens nicht auf den Budgetentwurf von Finanzministerin Maria Fekter zurück. Was das über das Finanzministerium, die Finanzministerin, deren Kompetenzen und Autorität sagt, das traue ich mich nicht wirklich zu beurteilen.

Der erste auf der Bundesliste des Team Stronachs, Parteigründer und mehr oder minder Alleinfinanzierer Frank Stronach, ist gewählter Abgeordneter zum Nationalrat, verbringt die meisten Zeit allerdings in Kanada, weil er sonst in Österreich Steuern zahlen müsste. Die drei Schlagworte seiner Partei sind Wahrheit, Transparenz und Fairness.

Nelson Mandela stirbt, über 70 aktive und ehemalige Staatschefs und -innen erweisen ihm in Johannesburg die letzte Ehre, Obama und Castro schütteln sich zum ersten Mal die Hand, Östereich ist durch den Bundesratspräsident vertreten, allerdings erst am Tag nach den Feierlichkeiten. Heinz Fischer freut sich über den Christbaum aus Krems.

Während die Großparteien wieder schöne Klassenkampfstimmung schüren, und mit dem Finger auf LehrerInnen („Die hackeln nix!“) und auf OENB-Angestellte („Die haben zu fette Pensionen!“) zeigen und man „Steuerreformen“ präsentiert, in dem man Zigaretten und Sekt (!) teurer macht, unterzeichnet die noch amtierende Finanzministerin Maria Fekter ein Abkommen mit den USA, das es den USA und ihren Behörden erlaubt, Einsicht in österreichische Bankkonten zu nehmen. Österreich macht das einerseits freiwillig, andererseits gibt es Strafen, wenn man dem Übermitteln der angeforderten Informationen nicht nachkommt, Applaus an die Verhandelnden.

Ein ähnliches Abkommen gibt es innerhalb der EU noch nicht, denn obwohl Maria Fekter an den entsprechenden Sitzungen der ECOFIN nicht teilnimmt, lässt sie ausrichten, dass sie auf jeden Fall ein Veto einlegt, weil zuerst muss die Schweiz das Bankgeheimnis aufbrechen, dann kann Österreich darüber nachdenken.

In der Zwischenzeit hat Herr von und zu Pröll endlich mal Klartext gesprochen und der angehenden Regierung erklärt, was zu tun ist, nämlich Privatisieren, Privatisieren, Privatisieren, anders geht es nicht. Österreich ist eben doch eher eine Despotie.

Laut Umfragen würde mittlerweile die FPÖ auf Platz 1 landen, und auch wenn Umfragen nicht für bare Münzen nehmen sollte, kann man irgendwie nachvollziehen, dass die Leute mit der Performance der Großparteien und ihren Obersten nicht ganz zufrieden sind. Heutzutage arbeitet man nämlich nicht mehr, man performt.

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie zeigen, dass erschreckend viele Leute in Österreich weiterhin eigentlich gar nicht lesen können (was die Popularität von Heute und Co erklärt), dass der Hintergrund der Eltern einen erheblichen Einfluss auf die Leistungen und Fähigkeiten der Kinder haben (was man auch so deuten könnte, dass die Schule einen relativ geringen Einfluss auf die Leistungen und Fähigkeiten der Kinder hat), die Bildungsministerin ist allerdings trotzdem zufrieden, es wurde die Trendumkehr geschafft, die Kinder dieses Landes sind zwar nicht wesentlich klüger, aber zumindest nicht mehr dümmer geworden. Außerdem schummeln andere Länder, in dem sie die SchülerInnen speziell auf den PISA-Test vorbereiten.

Und es gibt sicher noch einige andere, hm, kuriose Dinge, die man beschreiben könnte. Aber im Gegensatz zu den Koalitionsverhandlern weiß ich, wann genug ist.

Direkte Demokratie, nein, nein

Der Ruf nach direkter Demokratie wird in Österreich täglich lauter, aus verschiedensten Richtungen wird verlangt, die Entscheidungsgewalt wieder in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zu legen, die ja schließlich die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen haben. Sich gegen diese Form der Demokratie auszusprechen, den Standpunkt zu vertreten, dass diese Form nicht unbedingt besser funktionieren muss, als die aktuelle, dass es zwar Länder gibt, in denen direkte Demokratiemodelle womöglich wirklich gut funktionieren, aber dass das nicht zwangsläufig auch in Österreich der Fall sein muss, das festzuhalten bedeutet, sich auf relativ dünnes Eis zu bewegen. Aber ich tu das jetzt einfach, denn ich kann sowieso auch gut schwimmen. Jedenfalls: Ich bin dagegen, alle wichtigen Entscheidungen an uns abzuwälzen. Und zwar aus folgenden Gründen:

Wie beispielsweise Bundespräsident Fischer in die Diskussion geworfen hat, sind wir keine Experten. Wir haben einen Job, oder suchen gerade einen, wir sind Eltern, Kinder, Großeltern, Nichten, Neffen, wir sind Hobbyfussballer, Drachenflieger, Basejumper, Trinker, und die engagiertesten von uns befassen sich noch mit Dingen, die ihnen vielleicht nicht unbedingt Spaß machen, aber sie für wichtig halten, Tierschutz, Behinderte, Asylwerber, und recht oft passiert das auch ehrenamtlich. All diese Dinge, die wir im Alltag tun, ziehen einiges von der Zeit ab, die uns zur Verfügung steht, und diese Zeit fehlt uns, um uns gründlich und ausführlich zu informieren. Es gibt übrigens recht viele Leute, die der Meinung sind, dass das durchaus mit Absicht passiert.

Das Problem an dieser Situation ist folgendes: Indem ihr Entscheidungen von uns verlangt, wären wir gezwungen, ohne einer entsprechend recherchierten und fundierten Entscheidungsgrundlage zu wählen, welche Option die beste ist. Was dabei rauskommen würde, ist klar: Die, die am lautesten schreien, die, die ihre Informationen am selektivsten, besten, spannendesten präsentieren würden, diese Leute würden die Stimmen erhalten. Das Wahlergebnis wäre womöglich nicht deutlich anders, als es jetzt zu sehen ist, denn freilich ist Wahlkampf ein Duell der Lautesten, aber die Grundlage wäre eine fundamental andere. Es würde bei schlechten, falschen Entscheidungen nicht mehr heißen: „Tut uns leid, wir haben da was falsch gemacht, wir treten zurück!“ (freilich, ich bin eher ein Optimist, so ein Satz wird in freier Wildbahn eher selten aus der Höhle kriechen), bei falschen Entscheidungen würde es dann heißen: „Selbst schuld, ihr habts gewählt, das ist jetzt eure Suppe!“

Und natürlich, mit der Wahlmöglichkeit käme Veranwortung, aber eine Verantwortung, die wir nicht übernehmen können. Euer Job, nämlich von euch Politikerinnen und Politikern ist es nämlich, sich zu informieren, Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten, zu recherchieren, abzuwiegen, nachzudenken, die kleinen Details zu erfassen, aber auch das große Ganze im Fokus zu behalten. Eure Aufgabe ist es, durchzudenken, was mit der EU passiert, wenn ihr den Käsepreis am Naschmarkt durch Steuern erhöht, oder was passiert, wenn Eurobonds kommen, oder was es bedeutet, wenn ihr dieses und jenes und überhaupt zu entscheiden habt.

Wieso ist das eure Aufgabe ist, und nicht unsere?

Weil es euer Beruf ist. Weil es die Karriere ist, die ihr bewusst oder nicht gewählt habt, weil ihr dafür bezahlt werdet, und zwar von uns, net nur von euren privaten Geldgebern. Ihr habt die Verantwortung zu tragen, die Entscheidungen zu treffen, wir wählen euch, weil wir dem, was ihr in eure Programme hineinschreibt, für gut halten, oder zumindest nicht für so schlecht, wie die Alternativen, wir wählen euch, weil wir ein gewisses Vertrauen in euch haben, dass ihr euch besser auskennt, als wir, weil ihr Zugang zu Informationen habt, die wir nicht haben.

Dass ihr jeden Tag aufs Neue beweist, dass ihr dieses Vertrauen eigentlich nicht verdient, das steht auf einem anderen Blatt. Aber eure Lösung sollte nicht sein, die Verantwortung auf uns abzuwälzen. Eure Aufgabe sollte es sein, das zu tun, was euch zu Politikern macht. Sonst interessiert uns bald wirklich überhaupt nicht mehr, was ihr zu sagen habt. Und zwar niemanden!

Wir sagen alle die Wahrheit!

Eigentlich fast schon zu platt, um noch draufzusteigen, aber egal: Folgendes Video anschauen und sofort die Hoffnung aufgeben, dass die etablierten politischen Strukturen dieses oder irgendeines anderen Landes dabei helfen werden, die Welt zu einem gerechteren Stück Materie zu machen…

PS: Von den anderen „traditionellen“ Gruppierungen ließe sich sicher ein entsprechendes Video basteln…

japan, kreaturen, idioten

die ereignisse, die derzeit japan erwischen, sind erschütternd, in jeglichem wortsinn. die art und weise, wie das japanische volk zumindest scheinbar mit dieser katastrophe oder viel mehr katastrophen umgeht, ist in wahrheit vorbildhaft. das, was die spitzenpolitiker machen, vielleicht nicht unbedingt, aber das kennt man ja auch nicht anders.

was allerdings nicht vorbildhaft ist, sind die kreaturen, idioten und wappler, die diese geschichte zum anlass nehmen, um mal wieder zu zeigen, wie widerlich sie sind. beispiele gefällig?

welchen geistes kind man sein muss, um diese situation für geschäftemacherei auszunutzen, das kann man gar nicht schreiben, da versagt die deutsche sprache. bei kleinen, privaten gaunern ist es schon abstoßend, aber was beispielsweise die lufthansa abzieht, ist einfach nur ekelhaft. „€ 7000 für tokio ✈ deutschland ist ein marktüblicher preis, keine abzocke“ (#lufthansa). jo, eh.

politisch interessant gehts ja gerade in deutschland zu. vielleicht sollte angela merkel kurse anbieten, wie man sich möglichst schnell selbst abmontiert. oder ein buch schreiben: „wie schaffe ich es, dass mich niemand mehr ernst nimmt – eine anleitung in 3 schritten!“. aber wahrscheinlich sind die deutschen akws in den letzten tagen einfach furchtbar schnell gealtert.

schön auch die öko-idealisten, die beispielsweise im forenbereich zu einem artikel zum thema japan und erdbeben posten, dass in deutschland 2 milliarden euro für energie für geräte, die im stand-by laufen, ausgegeben werden. und dass da niemand aufschreit. und dass das ungefähr 2 akws sind. aber, bitte, was zum kuckuck?!

dass heute russischen atomexperten, die unter anderem in tschernobyl bei der eindämmung der damaligen katastrophe engagiert waren, die einreise nach japan verweigert wurde, das verstehe auch, wer will. aber wahrscheinlich ist es wichtiger, technologische geheimnisse zu schützen, als das eigene volk. aus welchen gründen auch immer.

und wundern musste ich mich freilich auch schon darüber, dass mir genau vorgerechnet wurde, wieviel das alles kosten wird und was der yen und überhaupt. ich mag diese art von berichterstattung nicht. wirklich nicht. aber das dürfte den entsprechenden leuten egal sein, kanns auch.

mal wieder wird gezeigt, dass es keine konventionen und keine regeln gibt, und wie groß das talent von vielen leuten ist, sich zum affen zu machen, oder wie groß der drang ist, aller welt zu zeigen, was für ein riesenarschloch man wirklich ist.

japan wirds hoffentlich egal sein. und hoffentlich das alles halbwegs in den griff kriegen. bitte!

eine frage aus der hellen welt

„warum bin ich noch immer im auge kino arbeiten, obwohl mich diese arbeit um wohl weniger als 1% von meinem neurologischen potenzial fordert, meine mitarbeiter in einer endlosschleife an verkümmerung stecken, und ich immer weniger in der lage bin auf spontane, ganz einfach zwischenmenschliche kontakte in einer, sagen wir mal, zumindest neutralen art und weise reagieren zu können, sondern viel mehr nur noch spaß an der phantasie in meinem kopf hab, irgendwann mal allen diesen mitspielermenschen mit dem vollautomatischen maschinengewehr, auf dem mich das österreichische bundesheer ausgebildet hat, begegnen zu können. hoffentlich kannst du dieser, meiner verwirrung ein bissl abhilfe tun!“

die klarheit der gestellten frage zeigt schon einmal, dass nicht alles im argen liegt. dass die frage trotzdem auf eine beunruhigte und beunruhigende seele blicken lässt, hat einige konsequenzen, einige von ihnen werden auch hier getragen, so werden keine namen genannt, das bundeskriminalamt braucht hier niemand, und außerdem scheiss ma sich bei der antwort nix, weil es ist eh noch nichts verloren.

also: sofern es sich im falle des kinos als ort der körperlich-arbeitstechnischen beschäftigung nicht um ein pornokino haltet, ist man bereits auf dem holzweg. ein pornokino wäre zwar immer noch nicht die autobahn, vielleicht sogar eine landstraße, aber bestenfalls richtung stockerau, also auch kein aufstieg. sofern es also die persönlichen qualifikationen zulassen, sollte man sich vielleicht nach einem frischeren umfeld umschauen, denn auf dauer sind synchronisierte filme ja echt nix. wenn die bezahlung allerdings so gut ist, dass man die eigenen qualifikationen negiert, dann gilt: wer sudert wird nimma pudert, also,  gusch und weitercashen.

die weiteren aufführungen lassen allerdings durchaus darauf schließen, dass an dem 1% der ausgeschöpften neurologischen kapazitäten vielleicht was dran ist, klingt es doch stark danach, als würde man blind und taub in der gegend rumtorkeln. man kanns auf gutmensch probieren: statt sich bärtige männer mit äxten vorzustellen, die auf pferden reitend über die eigene kolleginnen- und kollegenschaft drüberbügeln, könnte man versuchen, seine eigene tristesse in eine gemeinsame happiness umzuwandeln, die welt verbessern, auch wenns klein ist, stück für stück. in amerika würde man da beispielsweise an jedem arbeitstag ein paar donuts vorbeibringen, aber von donuts wird man fett, so wie die amerikaner, deswegen machen wir das nicht, sondern nehmen halt was leichtes, vielleicht a paar bierlis, oder käseleberkässemmerln (die kommen übrigens immer gut an, bei allen, auch bei vegetarier_innen, die gebens nur nicht zu und verschlingen dann zu haus im keller ein pferd, ich sags euch!), jedenfalls so nettigkeiten. oder überraschungspartys für kolleginen organisieren. oder einfach mal einen lustigen bildschirmhintergrund einrichten, am pc, mit foto vom kollegen von der party, wie er sich grad mit nacktem arsch auf dem kopiergerät sitzend auf seine zu diesem zweck ausgezogene hose übergibt, beispielsweise. aber das sind hier ja nur anregungen, stützräder, quasi. denn schleifen sind hauptsächlich dazu da, um zerschnitten zu werden, so wie bei autobahnen und brücken, und was politikerinnen und politiker können, das können wir schon seit mindestens genauso lang, ja, ja. und endlos ist sowieso nur die eigene dummheit.

die sache mit der ganz normalen und spontanen weise: die meisten leute sinds einfach nicht. diese sunnyboys, die immer einen lockeren spruch im schritt, pardon, auf der brust haben, das sind ja auch alles darsteller, da muss man rein, da muss man durch, und am ende muss man da auch wieder raus. und wie man ja als kinoarbeiter sicher wissen muss, ist das halt nicht einfach, das mit dem darstellen, weil sonst wäre jeder so schön wie tom cruise, also müss a bissl dran arbeiten, neben der arbeit. außerdem: selbst wenn mit gewaltfantasien nur 1 % der geistigen ressourcen erschöpft ist, vielleicht ist es grad das fehlende prozent. weil, es stimmt schon: wenn ich grad dran denk, wie ein t-rex genüsslich die eier vom arbeitskollegen verspeist, da fällts sogar mir a bissl schwer, sofort wieder in der lebenswelt zu sein, in der ich grad angequatscht werd, und net grad mit einem „RRROOOOOAAAARRRR!!!“ zu antworten. außerdem, den leuten, die anquatschen, denen ist meistens eh wurscht, wie man zurückquatscht. einfach quatschen lassen, winken und lächeln, ahm, nein, lächeln und nicken, ab und zu einen eintrainierten lockeren spruch (denn nur wenn er eintrainiert, minütiös einstudiert ist, nur dann kann er locker wirken, improvisation gibts hier nicht, das ist hier reiner, lockerer ernst!) aus der hüfte schütteln, und weiterlächeln und dann gemeinsam lächeln. geht doch, oder?

das österreichische bundesheer bildet im übrigen nicht aus. das zeigt bestenfalls, wie mans so macht, dass man dabei nicht den halben planeten auslöscht, also sollte es dich überkommen, nochmal kurz durchatmen, und wenns bestimmte objekte sein sollen, die exterminiert werden sollen, dann nochmal durchatmen, weil mit unserer ausbildung wirds sonst schnell zum womöglichen (auto)massaker. was sicher in gewissen situationen irgendwie lustig sein könnt, aber ich glaub, für an gesunden menschen sollten sich diese gewisse situationen auf gerahmte bildschirme beschränken, mit möglichst unechten objekten im sinne von 0 und 1. und bedenkt: so a toter ist ganz selten wieder auferstanden, vielleicht geht die person beim nächsten geburtstagsfestl mit seiner verkümmertheit doch a bissl ab.

aber, ums auf den punkt zu bringen: womöglich ist diese scheinbare endlosschleife der verkümmertheit und diese mitmachermenschen, womöglich ist das das umfeld, in dem sich die meisten bewegen und auch bewegen werden. vielleicht ist ein zeichen, dass man diese zeichen so aufnimmt, aber wahrscheinlich ist es das nicht. viel wahrscheinlicher ist nämlich folgendes: alle sind so wie du. alle denken so wie du. wir alle würden am liebsten das machen, wofür unsere talente und kapazitäten reichen, nämlich bei den meisten mindestens kaiser sein, mindestens, wir sind alle lustig, charmant, viel klüger als alle anderen, nur die anderen checkens net, weils eben nicht so klug sind, wie man selbst. und deswegen hör ich jetzt auf, weil es checkt ja eh niemand, was ich hier eigentlich schreiben möcht. bis zum nächsten mal, hö, hö!

biitte erkLär miir, warum qiinder so qomiish shrAiiben!

danke rene für diese frage, die ich natürlich wie immer mit sehr viel freude aufbereiten werde.

zum glück kenne ich persönlich keine sau, die tatsächlich so schreibt, aber ich bin wahrscheinlich schon in einer völlig anderen alters- und gewichtsklasse angekommen. als bekennender anhänger der wissenschaftlichen methode, dass es am besten ist, eine sache zu beurteilen und zu verstehen, wenn man möglichst weit weg ist und möglichst viel erfindet (hey, afrikanische musik wurde uns doch auch so erklärt, wart ihr mit den antworten etwa nicht zufrieden?), wird es mir trotzdem leichtfallen, hier eine erklärung abzuliefern.

der umstand, dass junge leute, die hier angesprochenen „qiinder“ so „qomiish“ schreiben, liegt in china. jawohl. dort schreiben sie zwar ganz, ganz anders, aber die bauen alle unseren handys. (das die is übrigens als politisch möglichst unkorrektes „die da drüben“ im sinne von „es chinesn, es!“ zu verstehen) um uns zu ärgern, wurden die ersten handys so gebaut, dass man sich möglichst lange abmühen musste, bis endlich einmal ungefähr das dort stand, was man dort stehen haben wollt (mit dort ist natürlich das display gemeint, oder auch das display der die sms empfangenden person). das wurde durch die erfindung des t9-wörterbuchs natürlich noch lustiger. die heutigen qiinder wissen natürlich nichts mehr von diesen bösen chinesischen arschgeigenhandys, aber das verhalten hat sich in die kollektive dna eingebrannt, die um uns herum durch die ozonschicht gefangen herumschwebt, denn das einfangen der kollektiven dna ist in wahrheit die einzige funktion dieser ozonschicht, deswegen könnens uns australische schafe ruhig wegschaseln, dann simma wenigstens alle gleich deppert.

weiters ist das große l mitten im wort natürlich ein zeichen des protests und ein ausdruck von hilfslosigkeit in einer welt, in der man ratlos zwischen mann, frau, kind, spediteursunternehmerin oder doch spediteurinnenunternehmer_in hin- und herpendelt und eigentlich nicht mal annähernd wissen kann, wie zur hölle man jetzt jemandenIn ansprechen, anschreiben, auf ein bier einladen oder um verzeihung bitten kann. ein thema, das übrigens auch ich komplett ratlos betrachte, weswegen ich es meistens ignoriere, was bitte schön natürlich nicht als affront gegen wen auch immer verstanden werden soll, so!

also, woran liegts? scheiss handys, die zu guten handys wurden, die heut zu tage wieder über scheiss tapseldisplays verfügen, die erst recht machen, was sie wollen und man sicherheitshalber auf die buchstaben tippt, die grün blinken, kollektiv verschmutzte kollektivdna und eine stete unrast. beantwortet das die frage? womöglich nicht im geringsten…