eine frage aus der hellen welt

„warum bin ich noch immer im auge kino arbeiten, obwohl mich diese arbeit um wohl weniger als 1% von meinem neurologischen potenzial fordert, meine mitarbeiter in einer endlosschleife an verkümmerung stecken, und ich immer weniger in der lage bin auf spontane, ganz einfach zwischenmenschliche kontakte in einer, sagen wir mal, zumindest neutralen art und weise reagieren zu können, sondern viel mehr nur noch spaß an der phantasie in meinem kopf hab, irgendwann mal allen diesen mitspielermenschen mit dem vollautomatischen maschinengewehr, auf dem mich das österreichische bundesheer ausgebildet hat, begegnen zu können. hoffentlich kannst du dieser, meiner verwirrung ein bissl abhilfe tun!“

die klarheit der gestellten frage zeigt schon einmal, dass nicht alles im argen liegt. dass die frage trotzdem auf eine beunruhigte und beunruhigende seele blicken lässt, hat einige konsequenzen, einige von ihnen werden auch hier getragen, so werden keine namen genannt, das bundeskriminalamt braucht hier niemand, und außerdem scheiss ma sich bei der antwort nix, weil es ist eh noch nichts verloren.

also: sofern es sich im falle des kinos als ort der körperlich-arbeitstechnischen beschäftigung nicht um ein pornokino haltet, ist man bereits auf dem holzweg. ein pornokino wäre zwar immer noch nicht die autobahn, vielleicht sogar eine landstraße, aber bestenfalls richtung stockerau, also auch kein aufstieg. sofern es also die persönlichen qualifikationen zulassen, sollte man sich vielleicht nach einem frischeren umfeld umschauen, denn auf dauer sind synchronisierte filme ja echt nix. wenn die bezahlung allerdings so gut ist, dass man die eigenen qualifikationen negiert, dann gilt: wer sudert wird nimma pudert, also,  gusch und weitercashen.

die weiteren aufführungen lassen allerdings durchaus darauf schließen, dass an dem 1% der ausgeschöpften neurologischen kapazitäten vielleicht was dran ist, klingt es doch stark danach, als würde man blind und taub in der gegend rumtorkeln. man kanns auf gutmensch probieren: statt sich bärtige männer mit äxten vorzustellen, die auf pferden reitend über die eigene kolleginnen- und kollegenschaft drüberbügeln, könnte man versuchen, seine eigene tristesse in eine gemeinsame happiness umzuwandeln, die welt verbessern, auch wenns klein ist, stück für stück. in amerika würde man da beispielsweise an jedem arbeitstag ein paar donuts vorbeibringen, aber von donuts wird man fett, so wie die amerikaner, deswegen machen wir das nicht, sondern nehmen halt was leichtes, vielleicht a paar bierlis, oder käseleberkässemmerln (die kommen übrigens immer gut an, bei allen, auch bei vegetarier_innen, die gebens nur nicht zu und verschlingen dann zu haus im keller ein pferd, ich sags euch!), jedenfalls so nettigkeiten. oder überraschungspartys für kolleginen organisieren. oder einfach mal einen lustigen bildschirmhintergrund einrichten, am pc, mit foto vom kollegen von der party, wie er sich grad mit nacktem arsch auf dem kopiergerät sitzend auf seine zu diesem zweck ausgezogene hose übergibt, beispielsweise. aber das sind hier ja nur anregungen, stützräder, quasi. denn schleifen sind hauptsächlich dazu da, um zerschnitten zu werden, so wie bei autobahnen und brücken, und was politikerinnen und politiker können, das können wir schon seit mindestens genauso lang, ja, ja. und endlos ist sowieso nur die eigene dummheit.

die sache mit der ganz normalen und spontanen weise: die meisten leute sinds einfach nicht. diese sunnyboys, die immer einen lockeren spruch im schritt, pardon, auf der brust haben, das sind ja auch alles darsteller, da muss man rein, da muss man durch, und am ende muss man da auch wieder raus. und wie man ja als kinoarbeiter sicher wissen muss, ist das halt nicht einfach, das mit dem darstellen, weil sonst wäre jeder so schön wie tom cruise, also müss a bissl dran arbeiten, neben der arbeit. außerdem: selbst wenn mit gewaltfantasien nur 1 % der geistigen ressourcen erschöpft ist, vielleicht ist es grad das fehlende prozent. weil, es stimmt schon: wenn ich grad dran denk, wie ein t-rex genüsslich die eier vom arbeitskollegen verspeist, da fällts sogar mir a bissl schwer, sofort wieder in der lebenswelt zu sein, in der ich grad angequatscht werd, und net grad mit einem „RRROOOOOAAAARRRR!!!“ zu antworten. außerdem, den leuten, die anquatschen, denen ist meistens eh wurscht, wie man zurückquatscht. einfach quatschen lassen, winken und lächeln, ahm, nein, lächeln und nicken, ab und zu einen eintrainierten lockeren spruch (denn nur wenn er eintrainiert, minütiös einstudiert ist, nur dann kann er locker wirken, improvisation gibts hier nicht, das ist hier reiner, lockerer ernst!) aus der hüfte schütteln, und weiterlächeln und dann gemeinsam lächeln. geht doch, oder?

das österreichische bundesheer bildet im übrigen nicht aus. das zeigt bestenfalls, wie mans so macht, dass man dabei nicht den halben planeten auslöscht, also sollte es dich überkommen, nochmal kurz durchatmen, und wenns bestimmte objekte sein sollen, die exterminiert werden sollen, dann nochmal durchatmen, weil mit unserer ausbildung wirds sonst schnell zum womöglichen (auto)massaker. was sicher in gewissen situationen irgendwie lustig sein könnt, aber ich glaub, für an gesunden menschen sollten sich diese gewisse situationen auf gerahmte bildschirme beschränken, mit möglichst unechten objekten im sinne von 0 und 1. und bedenkt: so a toter ist ganz selten wieder auferstanden, vielleicht geht die person beim nächsten geburtstagsfestl mit seiner verkümmertheit doch a bissl ab.

aber, ums auf den punkt zu bringen: womöglich ist diese scheinbare endlosschleife der verkümmertheit und diese mitmachermenschen, womöglich ist das das umfeld, in dem sich die meisten bewegen und auch bewegen werden. vielleicht ist ein zeichen, dass man diese zeichen so aufnimmt, aber wahrscheinlich ist es das nicht. viel wahrscheinlicher ist nämlich folgendes: alle sind so wie du. alle denken so wie du. wir alle würden am liebsten das machen, wofür unsere talente und kapazitäten reichen, nämlich bei den meisten mindestens kaiser sein, mindestens, wir sind alle lustig, charmant, viel klüger als alle anderen, nur die anderen checkens net, weils eben nicht so klug sind, wie man selbst. und deswegen hör ich jetzt auf, weil es checkt ja eh niemand, was ich hier eigentlich schreiben möcht. bis zum nächsten mal, hö, hö!