Wie soll ich mich am 20. Jänner entscheiden?

Am 20. Jänner ist es wieder so weit, es gibt in Österreich eine Volksbefragung. Weil die Regierenden dieses Landes keine Verantwortung übernehmen möchte, um eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen. Sie nennen es Demokratie, in Wahrheit ist es aber Versagen. Hier wird um gutes Geld der Wille simuliert, man würde sich dafür, was das Volk möchte, tatsächlich interessieren, da ist eine Volksbefragung das ideale Instrument, denn sie ist nicht verbindlich, man kann also, wenn das Ergebnis nicht schmeckt, einfach sagen: “Na, na, da müssen wir jetzt nochmal gründlich darüber nachdenken und dann analysieren, wann wir wohin welche Weichen stellen!” Das wäre bei einer Volksabstimmung anders, aber da hätte das Volk ja eine echte Entscheidung zu treffen, das kann man dem Volk natürlich nicht zumuten.

Egal. Am 20. Jänner 2013 gibts die Volksbefragung zum Thema Wehrpflicht. Monatelang hat man sich über eine Formulierung Gedanken gemacht, dabei aber irgendwie darauf vergessen, die verschiedenen Ansichten darzulegen, die unterschiedlichen Optionen darzustellen, all das zu machen, was dem Volk helfen würde, eine entsprechend durchdachte Entscheidung zu treffen. Jedenfalls ist dem Nachdenkprozess über die korrekte Formulierung ein Gustostückerl entsprungen, das sicher für kaum jemanden zu Verwirrungen führen wird:

a) Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres

oder

b) sind Sie für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes?

Bitte nicht impulsartig mit Ja oder Nein antworten, weil da würde man ja irgendwie für beides und für keines sein. Ich nehme an, man muss angeben, ob man Antwort a oder b für besser hält.

Wie soll ich mich nun entscheiden?

Jeder (und die 3 bis 5 jede), der das Bundesheer genießen durfte, weiß, dass es der Ort ist, an dem man fürs Leben geschult wird. Wenn das Leben daraus besteht, möglichst homophobe, sexistische oder rassistische Parolen in der Gegend rumzuschreien, Gewehre, Fahrzeuge oder Schuhe zu putzen und abwechselnd entweder Nichts zu tun und sich zu langweilen, wie man es später kaum noch schafft, oder Tätigkeiten durchzuführen, deren Sinnhaftigkeit zumindest zu hinterfragen wäre (den Unteroffizieren beim Trinken zuschauen, mit 30 Kg Marschgepäck Liegestütz machen, den eigenen Spind aus- und 5 Minuten später wieder einräumen, Fahrzeuge, die verschrottet werden,

Es gibt genug Geschichten darüber, wie es beim Bundesheer für Grundwehrdiener abläuft, eine weitere muss ich an dieser Stelle eigentlich nicht erzählen. Vielleicht gelingt ein Versuch, ein paar Pro und Kontras anzugeben, um eine Entscheidung zu erleichtern.

Pro/Kontra Antwort A

Pro

  • Junge Männer verlieren keine 6 Monate für fragwürdige Tätigkeiten
  • Durch eine angemessene Bezahlung wird das Sozialjahr deutlich aufgewertet, es finden sich sicher genug Leute, die die entsprechenden Tätigkeiten übernehmen und womöglich nachher in diesen Bereichen weiterarbeiten.
  • Das Bundesheer kann sich auf die Kernaufgaben beschränken, entsprechend reduziert und entschlackt werden. Dadurch, dass es keinen Bedarf für Zeittotschlagen gibt, wird die Ausbildung und die Funktionalität verbessert.

Kontra

  • Katastropheneinsatz, aber dafür lässt sich sicher eine entsprechende Freiwilligenlösung finden, wenn man denn will.

Pro/Kontra Antwort B

Pro

  • Hm. Junge Leute lernen Disziplin, Ordnung und Pflichtbewusstsein? Genau…
  • Führerschein für alle! Aber das Bundesheer ist keine Fahrschule.
  • Ein neutrales Land muss sich verteidigen können. Am besten gelingt das mit der Ausbildung, die die meisten GWDs genießen.
  • Katastropheneinsatz. Ja, aber siehe oben.

Kontra

  • Verschwendung von Zeit und Ressourcen.
  • Weiterhin nur eine Verpflichtung der männlichen Bevölkerung, im Sinne der Gleichberechtigung ist dies nicht nachvollziehbar.
  • Die Kernaufgaben (laut Verfassung vor allem die Landesverteidigung) sind mit dem Wehrpflichtsmodell nicht zu erfüllen. Mit dem Berufsheer eh auch nicht, aber dann wird wenigstens nicht geheuchelt.

Wahlempfehlung

Bitte, wählt natürlich nach eurem Wissen und Gewissen, wenn es für euch Gründe für das eine oder andere gibt, wunderbar, vielleicht hinterlasst ihr sie per Kommentar, würde mich freuen.

Meine Empfehlung lautet Antwort A.

Zuviele Jugendliche haben schon zu viel Zeit in einem Apparat verbracht, den das Land eigentlich nicht benötigt. Das, was am Bundesheer in Wirklichkeit relevant ist (wenn man Auslandseinsätze für die UNO so bezeichnen möchte) wird auch heute von Berufssoldaten erledigt, nicht von GWDs, das heißt, in diesen Funktionen gibt es auch heute schon ein Berufsheer.

Die GWDs als “Kontrollinstanz” zu verwenden, dass das Bundesheer nicht durchdreht, ist ebenso unrealistisch wie eben die Machtübernahme durch unsere Armee.

Wenn man sich schon auf ein Modell einigen möchte, das den Jungen eine sinnvolle Tätigkeit in einem sinnvollen Umfeld verschafft, eine Tätigkeit, der sie frewillig nicht nachgehen würde und die dem Staat etwas bringen würde, dann wohl eher auf ein Modell, das alle Staatsbürger und somit auch Staatsbürgerinnen in die Pflicht nimmt, ein Jahr etwas für den Staat zu leisten, im Rettungsbereich, oder im Katastrophenschutz, oder wo auch immer. Aber Bundesheer, nein danke!

wie ist das mit der wehrpflicht?

dieser tage wird wieder mal eine diskussion fortgesetzt, die in österreich schon öfter geführt wurde, und eigentlich nie wirklich diskutiert wird. das liegt an vielerlei faktoren, einerseits an der zu hohen kasperldichte in der politik, andererseits an der zu hohen dichte an leuten, die der meinung sind, schauspielerisches talent wäre gleichzusetzen mit politischem kalkül, und außerdem hat zu diesem thema wirklich jede und jeder eine meinung, dann irgendwie ist jede und jeder betroffen, und das ist gut so, und auch nicht, zumindest nicht für die diskussion. versuch ma mal a bissl mit dem kamm drüberzustreichen, und schauen raus, was rauskommt…

braucht österreich eigentlich das bundesheer? man mag veranlasst sein, diese frage mit der frage: “brauch ma orangenhaut?” gleichzusetzen, und irgendwie hätte man dann nicht unrecht, aber irgendwie schon. im wortsinn und der eigentlich funktion könnte man sagen: “na, weil kriege führn wir kane, und mit die ausländer wird die polizei mit oder ohne bh net fertig…” könnte man so stehen lassen, aber hol wir doch ein wenig aus.

natürlich stellen die frage nach der nützlichkeit des bundesheeres auch ausschließlich kurzsichtige, populistische arschbanditen, die schon das funkeln der stimmen am volkskonto vor sich sehen, und das ist nicht ganz fair. denn das bundesheer hat ja eigentlich als hauptaufgabe schon etwas, das wir brauchen, und zwar billige arbeitskräfte, die uns den keller auspumpen, wenn die mutter natur mal wieder was schlechtes gegessen hat. der grünste grüne wird feststellen, dass das eine fesche sache ist, auch wenn der grünste grüne natürlich die ursache der verstimmung schon längst aus der welt geschafft hätte, aber das steht freilich auf einem anderen blatt. im katastrophenfall ist ein soldat praktisch. punkt.

aber: muss denn die person, die sich die gummistiefeln anschnallt, wirklich ein soldat sein? müssen wir diese person zuerst mühsam an einer waffe ausbilden, die in den meisten fällen schon von so vielen leuten auseinandergenommen und wieder zusammengebaut und dazwischen aufs sterilste geputzt wurde, dass man sich ernsthaft fragen kann, ob im fall der funktionsanwendung dieser waffe überhaupt etwas passieren würde, jedenfalls, muss der gatschschaufller echt wissen, wie man so ein gerät bedient? muss man diesem helfer unbedingt beibringen, wie er sich mit hilfe von ästen am helm in einen tarnkappenbomber verwandelt, der die wälder nach ausländischen feinden durchpflügt? wie er mit einer granate den wald lichtet?

die fpö hat auf diese frage folgende antwort: nur weils 30 jahre nicht gebrannt hat, heisst das nicht, dass man die versicherung kündigt. nun, prinzipiell wäre das richtig, wäre österreich ein haus und die umgebung, najoi, eine feuersbrunst. in den letzten jahren hat sich allerdings demokratie- und sicherheitspolitisch a bissl was getan in europa, und die chance eines brandes hat sich doch a bissl verringert. um es mit den worten der fpö zu formulieren: wenns 30 jahre lang nicht gebrannt hat, man in der zwischenzeit modernste brandschutzmechanismen in einem haus installiert hat, das aus feuerfesten materialien gebaut wurde, darf man sich zumindest gedanken darüber machen, die versicherungsprämie zu verringern.

mal davon abgesehen, dass um uns herum länder liegen, deren armee im ernstfall sowieso machen, was sie wollen, die slowakei hätte man vielleicht im griff, weil da hat man ja schon übung, vom assistenzeinsatz aus.

man müsste sich also mal gedanken drüber machen, wie dieses bundesheer eingesetzt werden soll. manche sagen, als erziehungseinrichtung, ich sage, dafür hätten wir eigentlich schulen und eltern, andere sagen als katastrophenschutz, ja gern, aber wieso mit waffe, und so weiter, und so fort.

jetzt hätten wir noch das, was in den augen von vielen eigentlich eh schwul ist: der zivildienst, eine einrichtung, die im alltag mittlerweile womöglich wesentlich wichtiger geworden ist, und wo man sich zurecht alternativen zur wehrpflicht überlegen muss, weil angeblich das gesundheits- und betreuungssystem sonst ziemlich zu krachen beginnen würde, nach dem motto: wenn die gratis sklaven wegfallen, müss ma auf einmal was anders machen.

minister hundsdorfer hat den vorschlag gemacht, das freiwillige soziale jahr zu erweitern, vor allem finanziell: auf kollektivvertragbasis, “gscheite” knödeln, finanzielle bedingungen, wo man sich nicht komplett verorscht fühlt, und außerdem dürfen auch ältere leute ran, wenn sie denn wollen. und natürlich keiffen da die hunde, es werden sich nicht genug finden, und überhaupt, die unqualifizierten, und was sollen sich die qualifizierten denken, wenn sie “nur” 300 oder 400 euro mehr im monat verdienen?

ich behaupte, bei den finanziellen bedinungen würden sich genug finden. eher zu viel, insgesamt. weil im gegensatz zu jungparlamentariern (die diesbezügliche sendung “im zentrum” möchte ich hier nicht mehr erwähnen, sonst muss ich wieder…) so eine kollektivvertragliche anstellung für viele menschen eine durchaus attraktive option ist. aber um sowas zu wissen, müsst man natürlich mal a bissl das hirnkastl lüften, zumindest a bissl.

zusammenfassend einige punkte: dieses thema sollte man vorsichtig und mit respekt angehen, zumindest als politikerin oder politik. alle haben hier eine meinung, und das sollte man respektieren. aber auch nicht zu sehr, denn schließlich ist die aufgabe der regierung, eine linie vorzugeben, die für die meisten und im idealfall für alle passt. das erfordert hirnschmalz, also zur not bitte extern beziehen.

wieso ich nicht über eine “wehrpflicht” auch für frauen schreibe? weil gleichberechtigung nicht bedeutet, dass alles für alle gleich orsch werden muss…