Die nächste Volksbefragung

Bald werden wir das “Alle Jahre wieder…” auch auf Volksbefragungen bezogen singen können. Und vielleicht werden wir uns irgendwann auf eine Volksbefragung auch wirklich freuen können. Vielleicht werden wir irgendwann bei einer Volksbefragung wirklich befragt, vielleicht wird die Politik wirklich wissen wollen, was wir von einem Thema halten, was wir zu einem Thema zu sagen haben.

Bis dahin werden wir halt brav die Suggestivfragen beantworten. Oder über etwas abstimmen, ohne zu wissen, wohin beide Optionen führen. Und die Politik wirds direkte Demokratie nennen. Und der Volksmund Verarsche.

Aber irgendwann…

Olympische Spiele in Wien

Demnächst wird das Wiener Volk wieder befragt, zu verschiedenen Themen von unterschiedlicher Wichtigkeit. Die Fragen werden sicher wieder neutral gestellt, eine Bevorzung einer der Antwortmöglichkeiten würde ja den strengen Richtlinien der Demokratie widersprechen.

Eine dieser Fragen wird sich dem Thema Olympische Spiele in Wien annehmen, und ob sich die Stadt, die ja angeblich die lebenswerteste unter den Weltstädten ist, für das Jahr 2024 oder 2028 um die Austragung dieser Olympischen Spiele bewerben soll. Und die erste Frage des Wieners ist in diesem Zusammenhang natürlich: “Zu wos?”

Rein historisch betrachtet wäre eine Bewerbung Wiens aus so mancher Perspektive womöglich als verwegen anzusehen. Wieso sollte sich das Kommitee für eine Stadt entscheiden, die es nicht schafft, das mehr oder minder einzige vernünftige Hallenbad der Stadt zu renovieren, oder das selbe Gebäude ein paar Jahre früher in so einen Zustand zu versetzen, dass eine Eishockey-WM (bei der auf Grund des damaligen Lock-Outs der NHL so gut wie alle Stars zugegen waren) stattfinden kann, ohne dass die Spiele statt auf Eis auf Wasser ausgetragen werden müssen.

Noch dazu eine Stadt, die in einem Land liegt, das es geschafft hat, für eine Fussballeuropameisterschaft ein Stadion zu bauen, das nach nicht einmal 5 Jahren schon wieder eine Ruine ist.

Dem Komitee müsste man im Licht dieser Tatsachen durchaus gute Argumente liefern, keine Frage.

Das ist allerdings trotzdem kein Grund, eines der größten Sportereignisse, und traditionell eines der größten gesellschaftlichen Ereignisse, die der Mensch auf diesem Planeten zu bieten hat, gleich einmal mit einem “Brauch ma net, woll ma net, und was das alles kostet?” zu belegen.

Denn was die Olympischen Spiele für Wien bedeuten könnten, das kann wohl kaum jemand abschätzen. Hunderttausende internationale Gäste, Stimmung, Austausch, Verbindungen, auf menschlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer Ebene, ein Schub für Infrastruktur und Kommunikation, Werbung für Wien und die Wiener und auch für Österreich, für ein Monat das Zentrum der Welt und die Möglichkeit, sich von der besten Seite zu präsentieren.

Aber die sollen nicht spielen, sondern arbeiten.

Vielleicht hat Wien und haben die Wiener keine beste Seite.

Was ist ein Aufzug?

Disclaimer: Ich überwinde meine Faulheit und setze ab jetzt Großbuchstaben, wo es mir nötig erscheint…

Es ist eigentlich erstaunlich, dass dieser Klassiker der Alltagsunterhaltung so lange gebraucht hat, um auf meinem gedanklichen Schlachttisch zu landen. Einen Aufzug benützt man als in einer Stadt lebender Mensch vermutlich täglich. Wenn man ihn nicht benutzt, dann kommt man beinahe unter Garantie an einem vorbei. Für die 10 bis 15 Leute, die nicht wissen, was ein Aufzug ist, gibt es hier und jetzt eine kurze Einleitung.

Ein Aufzug oder Lift, wie es unter anderem in manchen Gegenden Deutschlands und in England heißt, aus dem Englischen kommt der Begriff nämlich, denn liften heißt nicht nur Pobacken und Wangen straffen, sondern auch heben, und das ist natürlich genauso unpräzise, wie Aufzug, weil schließlich handelt es sich bei diesem Wunderwerk nicht um ein Gerät, das lediglich nach oben, sondern durchaus auch nach unten fahren kann. Der Amerikaner nennt es übrigens elevator, was eben auch nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch ist. Ich wäre für schlurf, habe aber ob meiner späten Geburt kaum noch Mitspracherecht.


Aufzüge sind meistens klar beschriftet. Musterbeispiele findet man beispielsweise am Wiener Westbahnhof

Aufzüge gibt es in verschiedensten Ausführungen und unterschiedlich lang. Es gibt die Pater-Noster-Variante, obwohl das eigentlich fast schon gelogen ist, denn im Alltag ist sie praktisch ausgestorben, weil zu gefährlich. Hat die Leut zu sehr gereizt, einfach weiterzufahren, sich vom Mühlwerk zerquetschen zu lassen, oder beim vorbeifahren der Stockwerke Hände, Arme oder Bierflaschen rauszustrecken. Merke: Auch bei Aufzügen ist weniger Verantwortung mehr!

Es gibt gläserne Geschöpfe, die sich an den Außenseiten von Hochhäusern hochquälen, dabei so wirken, als würden sie gar keine Anstrengung auf sich nehmen, und den Blick freigeben auf die Insassen, die mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit sehr unglücklich sind, dass sie nicht für kurze Zeit ohne Wahrnehmung sind, besonders, wenn der Boden des Käfigs auch aus Glas ist.

Und es gibt ganz normale Aufzüge, mit Schiebetüren, in Bürogebäuden, in Ubahnstationen, in Krankenhäusern. Früher kam es vor, dass ein Liftwart, der sogenannte liftboy, die Bedienung dieses komplexen Geräts übernahm, aber seit ein durchschnittliches Telefon mehr Knöpfe hat, als die Bedientafel eines Aufzugs, ist auch dieser Beruf in Vergessenheit geraten. Elegant war er schon, unterhaltsam, wenn auch nicht für die, die ihn ausgeübt haben, obwohl sie angeblich viel mithören konnten, über das sie natürlich nicht sprechen durften, ähnlich wie Ärzte und Patienten, man kennt das.

In Aufzügen der netteren Art wird Musik gespielt, Fahrstuhlmusik, und das gilt nicht zu Unrecht als ein Schmähwort für andere Musikarten. Aber wer sweet child o’ mine am Soloklavier schätzt, der schätzt sicher auch Hotels.

In Aufzügen gilt es üblicherweise einige Verhaltensregeln zu befolgen, diese sind relativ universell und vom Ort der Installation beinahe unabhängig. Grundsätzlich gilt: Wer stärker drängelt, ist früher drin. Sobald sich die Pforten zum Glück öffnen, sollten die Aktentasche eingeklemmt, die Rucksackgurte strammgezogen, die Arschbacken zusammengezwickt sein, denn jetzt gehts los: Auch wenn Leute auf die absurde Idee kommen sollten, aussteigen zu wollen, dürfen Sie nicht nachgeben. Ihr Wille muss eisern sein, Ihr Ziel ist das Innere der Kabine, und nichts anderes. Lassen Sie alles links und rechts liegen, sobald genug Platz gefunden wurde, um zu stehen, drehen Sie sich Richtung Tür, bleiben stehen, und starren auf die Anzeige über der Tür. Auch beziehungsweise eigentlich vor allem dann, wenn es gar keine gibt. Es kommt nämlich der wichtigste Teil des Zustiegprozesses: Sie müssen ausblenden, was um Sie herum passiert. Konzentrieren Sie sich auf die Musik, und nicht auf die Mutter mit Kinderwagen, die schon den vierten Aufzug abwartet, weil sie zu schwach ist, um korrekt in den Lift einzusteigen. Ignorieren Sie den Rollstuhlfahrer, er hat sein Schicksal ganz sicher verdient, zeigen Sie keine Schwäche, wenn ein Pensionistenehepaar Ihnen verzweifelt hinterherblickt, denn auch wenn sich die zwei nicht mehr daran erinnern können: Sie sind sicher schon genug Aufzug gefahren in ihrem Leben.

Sollten Sie das Pech haben und Ihre in langen Jahren antrainierten Soft- und Hard-Skills nicht anwenden müssen, weil das Verkehrsaufkommen ein Drängeln schlicht nicht notwendig macht, so können Sie diese fahrten zum Training einiger wertvoller Spezialfähigkeiten nutzen. Diese wären beispielsweise:

Steigen Sie in den Aufzug ein, und gehen Sie gar nicht bis ans Ende der Kabine. Bleiben Sie gleich am Anfang stehen, halbmittig, drehen Sie sich um und, nun, sie wissen ja, was dann zu tun ist. Zusatzpunkte gibt es hier fürs Abstellen einer Tasche mittlerer Größe, natürlich zur Kabinenmitte gewendet. Was jetzt kommt, ist ein wichtiger Teil der Übung: Geben Sie jeder Person, die sich an ihnen vorbeidrängt, zu verstehen, wie unnötig und mühsam dieses Vorbeidrängen war, wieviel Anstrengung es Sie gekostet hat, um nicht aus dem Weg zu gehen und somit den Einstieg nicht zu erleichtern. Andere Leute sollen die Unnötigkeit ihrer Existenzen ruhig öfter zu spüren bekommen.

Eine weitere Pflichtübung: Telefonieren Sie ruhig im Aufzug. Auch wenn Sie wissen, dass sie keinen Empfang haben. Ihre Mitfahrerinnen und Mitfahrer werden es ihnen danken, dass Sie den noch immer nicht ausreichend gepflegten Dialogfetzen “Was, ich kann dich nicht hören. Was sagst? Was, ja, na, ich hab kan empfang. Was willst? Geh, wart, ich ruf dich, Was? Was ist?” auch auf diesem Abschnitt ihres Lebensweges mithören dürfen.

Es ist in Aufzügen übrigens durchaus erwünscht, dass man Leute, die in günstigerer Lage zur Bedientafel stehen, nicht darum bittet, das Stockwerk zu wählen, in dem man gerne aussteigen würde. Verbaler Kontakt kann nur missverstanden werden, es gibt nichts klareres, als ein mittelsanftes Zur-seite-drängen-und-den-job-selbst-erledigen.

Es gäbe noch eine Vielzahl zu Berichten über Aufzüge, an dieser Stelle endet der Einstieg, es gilt jetzt nämlich Aufzug zu fahren und zu üben, viel Vergnügen.

vom hupen und vom granteln

paranoia ist eine triebfeder meines schaffens und denkens, das hat mir schon mein vater beigebracht, und was einem beigebracht wird, soll man nur dann hinterfragen, wenns einem nicht nutzt, nicht wahr? aus dieser paranoia hinaus verdächtige ich als braver gutmensch alles und jeden, bin allerdings dabei so clever, dass die leute nicht merken, dass ich ihnen permanent misstraue, ihnen gar nicht zuhöre, sondern mir im eigenen kopf ausmale, was sie in wahrheit sagen wollen, und sich nicht trauen, weil sie ANGST haben vor mir, angst, angst, angst.

was das mit hupen zu tun hat?

nun, aus dieser paranoia heraus bin ich freilich fest davon überzeugt, dass seit meiner androhung, knackwatschn und ähnliches an hupenden leute zu verteilen, die hupenden scharenweise um mich herum fahren und mich verfolgen, jede noch so lächerliche situation nutzend, um mir auf den geist zu gehen, jawohl, das glaube ich. und natürlich tun sie das nur, um meine feigheit an den tag zu legen, die feigheit, die mich daran hindert, meinen eigenen strafenkatalog zu exekutieren. vor mir selbst rechtfertige ich das natürlich damit, dass ich am rad einfach nicht schnell genug hinterherkomme, wenn mir ein hupendes auto davonfährt, aber das ist selbstverständlich nur eine ausrede.

jedenfalls geht mir dieses gehupe mittlerweile schön langsam auf den sack, allerdings sind die blicke, die die menschen haben, wenn sie an ihr machtinstrument, an ihr einziges, greifen, unglaublich inspirierend. riesige frustpotenziale entladen sich in sekunden, die resi hat schon wieder nicht lieb gschaut, der harald hat schon wieder an besseren job kriegt, obwohl er viel depperter ist, als ich, der depperte oaschkreula, der gschissene rasen ghört a no gmäht, wieso hab ich mir das haus überhaupt antan, und wieso zum teufel fahren hier alle mim auto herum und stehen mir im weg? die gesichter, die meistens nicht sonderlich lieblich sind, verwandeln sich zu fratzen, das innerste wird nach außen gekehrt, und für einen kurzen moment herrscht blanke wut. denn ja, im gegensatz zu kulturen, in denen das hupen als freundliche aufforderung und somit automatisiert abgesondert wird, wenn beispielsweise die ampel auf grün umspringt, im gegensatz zu jenen kulturen ist das hupen bei uns ausdruck von hass, tyrannei, unterdrückung, ein kleiner protest gegen die welt und gegen uns selbst. man müsste fast mal wissenschaftlich analysieren, wieso das bei uns so ist. aber ich bin kein wissenschaftler, also tu ichs nicht.

was sonst noch zu sagen bleibt? ich merke, ich entwickle mich in diesem blog zum menschenfeind. und das ist gut so, das erleichtert mir im echten leben die perspektive. denn eigentlich ist alles nicht so schlimm. ich montier jetzt trotzdem eine hupe. und fahre nur noch mit hupen-kill-app am handy durch die gegend. ätsch!

wie ist das mit frau karl?

nach der lektüre eines weiteren artikels, der sich damit befasst, wie unsere uniwelt immer besser und besser wird, konkret wieso man außeruniversitäre einrichtungen nicht mehr so finanzieren möchte, wie bisher, muss ich mich jetzt doch mehr oder minder öffentlich am kopf kratzen und bitte um rat.

frau karl sagt der apa gegenüber folgende dinge:

Forschung solle nicht mehr “mit der Gießkanne finanziert” werden, man müsse sich auf die Stärkefelder konzentrieren.

nun gut, ok. könnte zwar sein, dass aus den schwächefeldern mal was, aber nein, wird sicher nicht passieren.

Sie wolle eine Strukturreform – also die Abkehr von der nicht mehr zeitgemäßen Basisförderung und die Zusammenfassung zu “schlagkräftigeren Einrichtungen” mit dem Ziel, “Exzellenz stärker sichtbar zu machen”.

na gut, schlagkräftiger soll es zugehen, und die exzellenz (ihre hochheit?) soll stärker sichtbar gemacht werden, ein problem der verpackung also, könnte man meinen. es geht net um die inhalte, es geht scheinbar ums präsentieren, nun gut, fad, aber nicht ganz überraschend.

Die Institute, “die wirklich gut sind, wird es auch weiterhin geben”.

und die sonne wird auch weiterhin scheinen. bis sie nicht mehr scheint.

jetzt kommt allerdings der teil, der mich stutzig macht:

Derzeit führe man Gespräche mit den Betroffenen sowie Universitäten und der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) – mit dem Ziel, die außeruniversitären Institute in die Unis bzw. die Akademie einzugliedern. Dafür werde es finanzielle Anreize (aus den zusätzlichen 80 Millionen Euro für die Unis) geben,

ich verstehe das folgendermaßen: die unis bekommen mehr geld, um die qualität der lehre zu steigern. die unis nehmen jetzt dieses geld, und versuchen damit institute herzulocken, die institute sollen sich eingliedern, aber das sind die institute, die zu schlecht sind, um weiterhin ohne förderung zu überleben. ich finde das geradezu sensationell.

wie darf ich das alles hier verstehen?

ein kurzer einwurf zu beginn: das ist mein blog. ich schreibe hier, worüber ich will, wie ich will, und ich will oft auch deftig. das sollte jeder person, die hier vorbeistolpert, klar sein. weiter im text…

jetzt wurde dieses wahltamtam also fast schon wieder beendet. noch haben wir kein endgültiges ergebnis, weil die briefe und die post und so weiter, das dauert halt a bissl, viel wird wahrscheinlich nicht passieren, vielleicht da ein mandat weniger, da eins mehr, im großen und ganzen wirds aber nichts ändern. die spö wird ihre absolute nicht halten können, die övp wird in wien auf eine kleinpartei mit großparteiambitionen gestutzt, die grünen bleiben bei den blumen, und die fpö, tja.

wie wird wien in zukunft regiert werden? viele der f-wähler könnten meinen: goa ned, eh so wie bisher. die spö-ler werden sagen: in jedem fall schlechter! die anderen parteien sind putzig genug, um als koalitionspartnerinnen nicht zu stören, aber groß genug, um in frage zu kommen, werden sich also anbiedern. kurz um: man weiss auch nicht wirklich, was da geschehen wird in wien. eins ist ziemlich fix: häupl wird keine koalition mit strache (oder wem auch immer in der f) eingehen, das ist schon mal ein ganz gutes ding, denn dass diese partei auch von regierungsbeteiligung nicht gestutzt wird, das wurde ja schon vom weltgrößten mascherl bewiesen. wobei ich die aktuelle fpö eigentlich nicht mit der damaligen vergleichen möchte, irgendwie nicht mal das.

kurzum, wir sind jetzt eigentlich genauso schlau, wie vorher, nur die spö hat beispielsweise das problem, dass sie jetzt schön langsam die augen aufkriegen muss, denn auch dem wiener an sich wirds auffallen, wenn nach 2 oder 3 jahren immer noch keine neue regierung zu stande gekommen ist, nach dem motto: oh, pardon, hamma was übersehen?

die fpö muss sich auch klar werden, was sie möchte. strache als vize? mhm, eher nicht. springt strache nach diesem erfolg ab, wirds ihm das publikum beim nächsten mal womöglich pfeiffen, dann kommt der dobermmannboomerang womöglich recht schnell zurück. will man in die regierung (wie wärs mit koalition und integrationsstadtrat?), will man in der opposition weiterschreien? vielleicht findet ja sogar jemand so etwas ähnliches wie ein arbeitskonzept für die stadt, in irgendeiner schublade…

jedenfalls noch einmal, diesmal ruhiger: ich finde es nicht gut, dass die fpö von 27% der leute, die zur wahl gangen sind, gewählt wurden. ich finde das nicht nur nicht gut, sondern ich finds zum kotzen. aber rausgekotzt hab ichs gestern schon, jetzt ziel ma weiter oben hin (danke herr häupl für dieses weitere bonmot der wahlkampfrethorik!): dass es probleme in dieser stadt gibt, keine frage. teilweise viele kleine, einige mächtig große. aber entgegen dessen, was die spö vermittelt hat, und auch entgegen dessen, was die fpö herumkeifft, wird an diesen problemen gearbeitet, zum teil erfolglos, zum teil ist man vom erfolg so weit entfernt, wie ich von einem politikwissenschafter.

dass du am gürtel von türken angstiegen wirst, das ist ein problem. aber das ist vor allem dein problem, es auf die fehlgelaufen integration zu schieben, ich weiss nicht. denn ich bin am gürtel noch nie von türken angstiegen worden, beispielsweise.

dass in einem gemeindebau viele türken oder serben oder wer auch immer zu finden ist, nun, das liegt vielleicht auch daran, dass der staat, in dem wir leben, diesen zugewanderten, und vor allem auch den hier geborenen leuten irgendwie nicht so wahnsinnig viel angebote hinlegt, mittels derer sie fett kohle verdienen können. so wie im übrigen den “echten” österreichern auch nicht, der gemeindebau ist für arme leute, und das sind leute, die aus der türkei kommen, oder aus polen, aber ebenso auch leute, die seit mehreren generationen hier leben. dass man nicht immer überall platz kriegt, ist natürlich bitter, dass irgendjemand bevorzugt wird, natürlich vollkommener schwachsinn und verzerrte wahrnehmung. weil das kopftuch sich halt mehr einbrennt, als die dunkelblonde schmalzlocke.

es ist einfach eine diskussion, deren einzige grundlage die herkunft von menschen ist, schlicht nicht korrekt zu führen, weil schon die grundvorausetzungen für vernünftige gespräche nicht gegeben ist. und die fpö beispielsweise ist nicht an solchen gesprächen interessiert, weil sie diese gespräche wahrscheinlich nicht mal führen kann.

natürlich: wenn dir persönlich etwas auf den zeiger geht, und dann auch noch ein ausländer daran beteiligt ist, und dann jemand daherkommt: jawohl, das problem kennen wir, wir hören zu!, dann sympathisierst du im ersten augenblick damit. und es ist sicherlich eine versäumnis der wiener stadtpolitik, dass an dieser stelle so eine große frustration entstehen konnte. genauso, wie es österreichweit ein versagen der selben partei ist, dass dieses thema ein so verdammt emotionales und großes ist (stichwort gastarbeiter und der umgang mit ihnen…).

und natürlich verstehe ich, wenn leute an sich von der politik angeekelt sind, hoffnungslos, dass sich irgend etwas tun wird, sich ins positive drehen wird, dass irgendjemand daherkommt, der etwas sagt, und nicht etwas völlig anderes tut, das alles kann ich nachvollziehen. den schritt, die fpö zu wählen, allerdings nicht.

für protest gibt es andere optionen: zu hause bleiben (ja, ohne wahlpflicht ist auch das ein legitimes, demokratisches mittel), weiss wählen, wenn schon nicht grün wählen, dann bleiben einem noch immer kleinparteien, die durchaus konkrete ideen und vorstellungen haben, und die nicht so ekelhaft agieren. wieso man sich gerade eine der größten schanden europas aussuchen muss, um jemandem einen denkzettel zu verpassen, das weiss ich einfach echt nicht.

darf ich das wahlergebnis mögen?

nein, darfst du nicht. gerade aus. darfst du nicht. punkt.

die spö hat fehler gemacht. viele, und über einen relativ langen zeitraum.

die öpv hat keinen wahlkampf geliefert, sondern eine veroaschung.

die grünen haben einen großartigen wahlkampf geliefert, der allerdings auf einem wahnsinnig schwachen fundament gebaut wurde.

die anderen parteien ignoriere ich.

ich habe jetzt in den letzten stunden mit leuten aus verschiedensten sozialen, politischen, was-weiss-ich-für-zugängen gesprochen, und ein stehsatz war folgendes:

weisst, ich war früher (setze ein, was auch immer du für richtig hältst…) wähler, aber ich hab heut den strache gewählt, weil der hört mir zu. und am liebsten hätte ich mich jedes mal aufs neue übergeben. weil diese person, diese partei, die hört dir nicht zu. die scheisst auf dich, die scheisst auf das, was du glaubst, was du für richtig hältst, wo du her kommst, was du machst. das einzige, worauf diese person, diese partei nicht scheisst, ist deine stimme. und du findest das auch noch gut. und das bringt mich zur weissglut. grünglut. rotglut. das kotzt mich an!

und jetzt erklär ich dir auch, wieso mich das so ankotzt: du  hast heute eine partei gewählt, die keinen konsens sucht, die keine lösungen sucht, die lösungen wahrscheinlich nicht mal gut findet, du hast heute eine partei gewählt, die nichts anderes kann, als andere leute anzuschreien, in ein schlechtes licht zu tauchen, andere leute in gegenden zu bewegen, mit denen sie nichts zu tun haben.

natürlich: die anderen parteien habens der f sehr leicht gemacht, vor allem die spö. weil wien ist nicht spö-eigenbau, das sollte spätestens seite heute bei allen parteimitgliedern der roten angekommen sein.

aber, und das mal ganz deutlich: durch deine “proteststimme” hast du folgendes erreicht: ausländerhetze, populismus der übelsten sorte, das nicht-lösen, sondern das schreien, das alles hast du heute gewählt. du hast heute einen weiteren stein in die mauer der vernaderer, der aussichtlosen, der perspektivverweigerer gesetzt, du hast heute mit deiner stimme dein land, das du angeblich so liebst und vor fremden (!!!) schützen möchtest, um jahrzehnte zurückgeworfen, mit deiner stimme.

zum kotzen ist das, jawohl, zum kotzen, und ich bemühe mich da gar nicht um nettere worte, weil ichs auch nicht tun muss.

aber das heutige ergebnis ist eine schande. eine schande, eine verdammte schande!

brauchen wir überall zugangsbeschränkungen?

frau marek (name nicht frei erfunden, die im moment wohl bekannteste frau marek, die von der övp, halt…) präsentierte heute einen sensationellen vorschlag: wir brauchen ab jetzt nicht nur zugangsbeschränkungen an spielplätzen, parkplätzen und universitäten brauchen, sondern auch in unseren u-bahnen, also, nicht unseren, in denen der stadt wien, halt.

in der tat halte ich das für eine vorzügliche idee. dass man das gesamte ticketsystem der wiener linien umstellen müsste, denn die papierenen tickets, die ma haben, die passen leider nicht rein, und die folierten jahrestickets, ui, das is auch so eine sache, das wird wahrscheinlich so nicht funktionieren, aber, nein, moment, wir habens, wir nehmen etickets (denn die deutsche sprache ist nicht reich genug an wörtern, um diese dinger zu beschreiben), und die sind super, weil die buchen auch nur das ab, was man tatsächlich fahrt, ja, weil der tarifdschungel, der tarifDSCHUNGEL der wiener linien, der ist ja eine frechheit, da kennt sich überhaupt niemand mehr. und wennst mal in der fettn heimfahrst und dich am nächsten tag fragst, wie, dann rufst einfach bei den wiener linien an, und fragst, weil die haben ja aufgezeichnet, was abgebucht wurde, weil abgebucht wurde freilich nur, was du gefahren bist, jawohl!

dass man sämtliche stationen der u-bahn umbauen müsste, das sind nämlich ab herbst eh nur 100, da sind ja auch ein paar ganz alte dabei, da kann man schon wieder investieren, jedenfalls, das ist ja kein problem. und die mit die rollstühle, die fahren halt, ja, na, das werma schon machen, und die radlfahrer, die wollen wir ja sowieso nicht, die wollen ja bitte sportlich sein, also bitte auch bei regen, und die mit die kinderwägen, ach, die können sich ubahnfahren eh nicht leisten.

und bitte, der benefit, der ist doch sowieso groß genug, um alles andere zu vergessen. keine kriminellen mehr in der ubahn, keine handtaschendiebe, nein, nein, weil die können ja nimma in die station und die ubahn. voll clever, oder? und schwarzfahrerinnen und schwarzfahrer die uns jetzt schon so schwer auf der tasche liegen, die wirds auch nicht mehr geben, nie wieder, und alle werden wir glücklich sein, jawohl!

also, kurze zusammenfassung: nur weil man den zutritt zu etwas beschränkt, heissts nicht, dass es dadurch automatisch besser wird. destruktive politik führt nicht dazu, dass etwas besser wird. gelbe plakate bewirken selten, dass alles besser wird.

ps: einen vorschlag hätt ich: einfach die nicht mehr an der grenze gebrauchten grundwehrdiener abstellen. da kann man sich dann wenigstens unterhalten. oder war das jetzt wer anderer?

wie geht man am besten mit der hitze um?

durch einen lächerlichen frühling und einen eigenartigen sommerbeginn sind wir im moment ein wenig verdutzt ob der herrschenden temperaturen, mutter natur hat uns mit relativ wenigen schutzmechanismen ausgestattet, wenns ums gmütliche überstehen von heissen tagen angeht. mal schauen, ob wir ein paar tipps zusammenkriegen, wie mans trotzdem schafft.

1) verlege dein bett ins zweite kellergeschoss. wenn du keins hast, warst du in den letzten jahren schlicht leichtsinnig, sowas braucht man immer!

2) wenn du zu den armen narren gehörst, die kein zweites kellergeschoss haben, nimm das erste.

3) falls auch das nicht zur verfügung steht, brauchen wir ein paar utensilien: alufolie, schwarze mistsäcke und gaffa. und ab damit auf die fenster, alu außen, mistsack innen.

4) kontakt mit der außenwelt wird überschätzt. es ist ok, wenn du dich den ganzen tag in deiner neugeschaffenen höhle einigelst, jawohl!

5) kaufe mehrere kilo topfen, ab damit in den kühlschrank, und in regelmässigen abständen ganzkörperwicklungen durchführen!

6) trinke, soviel du kannst. und dann noch ein bisschen mehr.

7) auch innen kann die passive umlaufsonnenbestrahlung dafür sorgen, dass du einen sonnenbrand aufreisst, deswegen -> sonnenschutzcreme mit lichtschutzfaktor im hohen zweistelligen bereich. appliziert wird die übrigens auf die haut, nicht oral!

8) wenn du schon das haus verlassen musst, dann in weißen, weiten gewändern, einem breitkrämpigen bequemen hut und mit wassertank am wagerl, sonst gehst ja ein!

9) treffe dich nicht vor 23 uhr mit freundinnen und freunden, und hör am besten auf zu arbeiten!

10) oder, zum kuckuck: reiss dich zam! die hitze dauert vielleicht noch 2 wochen, das ist wirklich kein zeitraum, in dem man komplett kapitulieren sollte. also: heiß ists, schön ists, genieß es oder suder die anderen wenigstens nicht voll, so!

rene ergänzt:

Rettungsdecke zurechtschneiden und ans Fenster kleben. Silberne Seite nach außen!

Man sieht noch ganz gut raus, aber niemand sieht mehr rein. Es kommt relativ viel Licht durch, da sie dünn ist. ;)
danke rene :-)

warum es anders immer blöl+k ist

es dauert meist nicht lang, bis man auf dem weg von a nach b über c oder d, wobei x, also der umkosmos, die ganze zeit über wien ist, etwas entdeckt hat, das einen stutzig macht. passiert dies auf einer dieser reisen nur ein mal, ist man entweder wirklich schwer im stress, im sinne von: wenn ich jetzt auch noch etwas von meiner umgebung mitkrieg, platzt mein herz, hat kopfhörer im ohr, die lautstärketechnisch an vuvuzelakonzerte angepasst sind, oder schlicht keinen guten geschmack.

spannend beispielsweise ist folgendes: gehe ich zu fuss, sind die radfahrer und autofahrer die oaschlöcher und trotteln, können alle nicht fahren, und wollen mich nur umbringen. fahre ich mit dem rad, sinds natürlich die autofahrer und vor allem die fussgänger, die ja, wie schon öfters hier geschrieben, grundsätzlich keine ahnung vom leben haben. sitz ich im auto, geht mir sowieso alles auf die nerven, was nicht schnell aus dem weg ist, was ja natürlich irgendwie nachvollziehbar ist. stehe ich beim billa an der kassa, geht mir fürchterlich auf den zeiger, dass die kassadame scheinbar grad im geiste ihren urlaub plant, statt mal gscheit anzugasen, und verkauf ich grad selber mal was, sind die leute, die kommen, immer fürchterlich gestresst und haben gar keine perspektive fürs wesentliche, meine arbeit ist schließlich anstrengend und schwer!

man könnte jetzt natürlich mit xenophobie argumentieren, wenn einem solche beobachtungen am herzen liegen. weil es sind ja immer die anderen, die deppert sind, obwohl man selber irgendwie eh voll gleich ist, und sobald man selber dann wirklich so wird, wie die anderen, sind wieder die ursprungsanderen unverändert deppert. schwierig.

aber obs xenophobie ist, die angst vorm fremden? ich weiss nicht, vielleicht.

ich halts jedenfalls so: egal, wie ich mich fortbewege, egal, was ich tue, ich bin das zentrum der welt, und ihr seid, naja, im wegstehende schafe. blöck!