Von Ried nach Wien

Ich hatte vor Kurzem das Vergnügen, mit der ÖBB von Ried nach Wien zu reisen. Prinzipiell eine leichte Übung, außer die Polizei sperrt die Reisewege (Auf Grund einer behördlichen Sperre zwischen zwei Orten, die Ihnen sowieso nichts sagen, die allerdings entlang der Westbahnstrecke liegen, verzögert sich die Weiterfahrt um zwei bis acht Wochen).

Ihren Anfang hatte die Odysee auf der Website der Westbahn, die auf mobilen Geräten leider nicht den richtigen Fahrplan ausspuckt. Aber wer vom Handy aus einen Fahrplan lesen möchte, ist sowieso selbst schuld, die Reiseplanung wird schließlich zu Hause begonnen und zu Hause abgeschlossen.

Von Ried nach Wels kommt man recht einfach, da wirft sich niemand vor den Zug, im Inntal trinkt man. Von Wels nach Linz gehts auch, selbst wenn der eigentliche Wunschzug nicht abfährt, obwohl die behördliche Streckensperre bereits hinter ihm liegt. Aber Zuglogistik ist nicht mein Fachgebiet.

Auf der Fahrt von Wels nach Linz wird man darauf hingewiesen, auf die Lautsprecherdurchsagen in Linz zu achten, wenn man nach Wien möchte. Irgendwas mit geplantem Ersatzzug und Abfahrt und so weiter.

In Linz erklingen Durchsagen, und man muss niemandem erlären, wie Durchsagen auf Bahnhöfen klingen. Also gehe ich zur Information und erhalte auf meine Frage nach dem Zug jene Antwort, die die ganzen Reisestrapazen vergessen lässt: „Ich bin nicht für Informationen über Züge zuständig, ich bin für den Bahnhof zuständig.“

Das bestätigt wenigstens den Verdacht, den ich seit dem Umbau von Wien Mitte zu The Mall hege, nämlich dass die ÖBB Züge und Bahnhöfe nicht als Dinge, die zusammengehören, wahrnimmt, sondern eher als Fremdkörper, die am besten nichts miteinander zu tun haben sollten.

Ich bedanke mich, sitze schließlich in etwas Zugähnlichen, mir gegenüber isst eine erwachsener Mann einem Plastiklöffel (die Nerven), neben mir reden 20-Jährige über Autos (Nissan 350z), Jobs (Buffetkraft im Kolpinghaus, ur gut bezahlt) und Freundinnen (du, nix Fixes).

Die Nummer der Westbahn ist schnell gewählt, ich möchte mich erkundigen, ob womöglich eine Westbahn von Amstetten oder St.Pölten Richtung Wien fährt. Nach kurzer Wartezeit (8 Minuten) sucht mir ein freundlicher, junger Mann auf der firmeneigenen Website den nächsten Zug heraus. Für meinen Hinweis, dass seit Stunden kein regulärer Zug mehr gefahren ist, bedankt er sich, da muss er wohl Rücksprache halten, davon hat er nichts gewusst.

Weil ich mir nicht sicher bin, ob ich drauf und dran bin, den Verstand zu verlieren, schlafe ich ein. Und wache irgendwann in Wien auf.

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