Wien Mitte The Mall

Die Götter haben uns ein neues Einkaufszentrum geschenkt, einen neuen Ort der Huldigung, wo wir das, was wir Einkommen nennen, für Dinge ausgeben können, die uns als erstrebenswert verkauft werden, heureka, heureka. Da die deutsche Sprache weiterhin recht arm an Worten ist, hat man diesen Palast „Wien Mitte The Mall“ genannt. Am 8. November wurde dieses Einkaufszentrum, das gleichzeitig auch ein Bahnhof ist (was man allerdings weder von außen, noch von innen erahnen würde), eröffnet und es ist Scheisse.

Zunächst einmal die erste Begegnung mit diesem Ungetüm, das sich ins Wiener Stadtbild ähnlich gut eingliedert, wie die Raumschiffe, die in Independence Day New York einen Besuch abstatten. Die alten, armen Gebäude, die von The Mall bedrängt werden, sehen wirklich beinahe aus, als hätten sie Angst. Womöglich zu Recht.

Ach ja, die erste Begegnung: Dienstag, 8. November, 6 Uhr (der Engländer würde fuck o‘ clock sagen): Hunderte Menschen stehen Schlange, um irgendwas Veraltetes scheinbar billiger als sonst beim Media Markt zu kaufen. Drinnen warten lassen, das wäre scheinbar nicht drin gewesen. Die Gestalter von The Mall sind daran nicht schuld, grindig ists trotzdem.

Zweite Begegnung, ich probiere es über das Positivste, was ich kenne: Essen. Beim Eingang von The Mall wartet ein schick gestaltetes Lokal namens Pasta und Café (oder vielleicht ist ein italienisches „und“ dazwischen, egal), und mit schick meine ich, es sieht genauso aus, wie alle Lokale, die in den letzten 2 Jahren in Wien geöffnet haben. Beton, Glas, offene Küche, scheisshohe Decke mit Lichtwürmern, die runterhängen. Gedacht ist das Lokal als Expresshilfe für alle Hungrigen, man kann Pasta (no, na), Kaffee (no, na), Toasts und Salate mitnehmen oder vor Ort konsumieren.

Wenn man bereit ist, zu warten. Und dann noch ein wenig länger zu warten. In der Mittagsstunde an sich nicht überraschend, die meisten Leute haben zu ähnlichen Zeiten Hunger oder Pause. Das Lokal bietet halt leider keinen Platz fürs Warten, also steigt man sich gegenseitig auf die Füsse.

Nach dem Warten kommt das Bestellen. Und scheinbar gehört zum Bestellvorgang auch dazu, dass man dem Koch und der Köchin gleich erklärt, wie denn jetzt Pomodoro Tonno (sic!) zuzubereiten sind, die erwarteten Thunfischstückerl in Tomatensauce kriegt man jedenfalls nicht. Auch Carbonara Classico ist den Zubereitenden nicht geläufig genug, als dass man nicht nachfragen könnte, was denn da reinkommt. Egal. Zwei Sorten Nudeln gibts zur Auswahl, beide schmecken, verkleben dafür schnell, und finden nicht den Weg zur richtigen Sauce.

Zu viel zahlen darf man dann im ersten Moment auch gleich mal (übrigens: 16 Euro für eine Carbonara und einmal Thunfisch mit 4 halben Cocktailtomaten ist üppig), denn nicht allen Mitarbeitern ist das unnötig komplizierte Preissystem geläufig. Egal.

Geschmeckt hats wenigstens halbwegs nach etwas. Wenn allerdings dann der Tischnachbar mit dem Weinhersteller des Weines, mit der er sich gerade die Kehle benetzt hat, zu telefonieren beginnt, dass er wissen möchte, was in dem Wein jetzt drin war, weil er muss schon drauf schauen, was er trinkt, und wenn das alles auf ETWAS ÜBERHÖHTER KONZERTLAUTSTÄRKE STATTFINDET, WEIL, I HÖR SIE NET, I HOB KAN EMPFANG!!!!, dann wirds mit dem Genuss schwierig.

Der Rest von The Mall war dann endgültig beschissen. Es gibt einen Spar Pronto, in dem man alles kaufen kann, nur nicht das, was man außerhalb der üblichen Geschäftszeiten braucht (eh super, dass es das ganze Mirabell-Sortiment gibt), einen großen Spar, in den ich nicht mehr hineinkonnte.

Anschluss an U-Bahn oder Schnellbahn gibts von ihnen keinen ersichtlichen, es sieht so aus, als müsste man raus und wieder rein. Für einen Bahnhof sehr bequem.

Wieso ich das schreibe? Weil ich es satt habe, von irgendwelchen Leuten, die nur darauf schauen, dass das Konto nicht unabsichtlich in den fünfstelligen Bereich rutscht, verarscht zu werden. Fragts die Leute, welche Bedürfnisse sie haben, aber knallts nicht einen Trotteleinkaufspalast nach dem anderen hin, der nichts von dem bietet, was die Leute wirklich brauchen.

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