Zugfahren – Eine Ode

Bitte einsteigen, Zug fährt ab! Ein Pfiff, ein Zischen, und los gehts, im zweitbesten Transportmittel der Welt (nach dem Fahrrad, natürlich).

Ja, ich bin ein großer Fan des Bahnfahrens. 3 Jahre lang war ich hauptberuflich eigentlich Zugfahrer, doch schon davor und danach habe ich die Reise im Zug immer sehr genossen. Vor allem lange Strecken sind in den fahrenden Sofas sehr lässig, wenn man das Glück hat, auf Strecken zu fahren, die nicht zur Gänze von Lärmschutzwänden vom Rest des Landes abgetrennt sind, dann gibt es viel zu sehen und viel zu entdecken, im Flugzeug sieht man die Welt zwar wie ein Vogel, aus dem Zugfenster heraus begegnet man ihr auf Augenhöhe, und weil die Geschwindigkeit nicht irre hoch ist, kann man die Eindrücke auch gut verarbeiten.

Bier und Suppen schmecken im Restaurationswagen besonders gut, vielleicht auch deswegen, weil der Restaurationswagen mittlerweile auf der Liste der bedrohten Luxusgüter steht, ebenso wie Waggons mit Abteilen. Beides ist natürlich sehr schade und nimmt dem Zugfahren ordentlich viel Romantik, aber das sind nicht die einzigen Probleme der modernen Bahnfahrt.

Diese fangen zum Beispiel mit den Bahnhöfen an: So, wie Flughäfen, Fußballstadien und Kindergärten werden diese Funktionsgebäude heute nicht mehr so gebaut, dass sie den Menschen den eigentlichen Zweck des Gebäudes möglichst zugänglich machen, sondern so, dass man möglichst viel Zeit in den Geschäften und also konsumierend verbringt. Vielerorts sind Bahnhöfe heute Shopping Center mit Gleisanschluss, in denen die Zugreisenden bestenfalls toleriert werden, ihnen die An-, Ab- und Weiterreise zu erleichtern, steht schon längst nicht mehr im Fokus der Planenden.

Heutzutage könnte man sich auch erwarten, dass man zum Beispiel innerhalb der EU online Tickets buchen und Sitzplätze reservieren kann, so, wie man es von Flug- oder mittlerweile sogar Busreisen kennt, aber ein halbwegs brauchbares Buchungssystem ist leider nicht vorhanden. Bewegt man sich innerhalb von Landesgrenzen, gehts womöglich noch halbwegs, sobald man aber international unterwegs ist, ist der Ticketkauf wirklich nur mühsam. Das ist bitter und schreckt sicher viele ab, mit dem Zug zu reisen.

Was aber noch bitterer ist, ist die stückchenweise Vernachlässigung des europäischen Schienennetzes. Der Kontinent ist durchzogen mit zum Teil hochqualitativen Verbindungen, aber weil aktuell wenig Geld in die Bahnfahrt investiert wird, verkommen diese Verbindungen zusehendst. Dabei wäre es ei leichtes, ein Hochgeschwindigkeitsnetz aufzubauen bzw. die bestehenden Anlagen zu verbessern, die Umwelt würde es uns jedenfalls danken. Japan beispielsweise zeigt vor, wies geht, hier könnte man sich Inspiration abholen.

Aus meiner Sicht müsste sich die EU darum bemühen, dass wieder in die Bahn investiert wird, die Voraussetzungen sind eigentlich ideal. Und es warat nicht nur wegen der Romantik.

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